Schwandorf
29.01.2020 - 16:25 Uhr

Praktische Hilfe für Blinde

Bei der Bewirtung eines Sehbehinderten oder Blinden macht man leicht Fehler. "Weiße Tischfläche, weiße Kaffeetasse - da fehlt ein dunkles Tischset darunter." Beraterin Bettina Pichlmeier weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst fast blind.

Schulbesuche gehören zu den Basisaufgaben der Blindenberaterin Bettina Pichlmeier. Dabei vermittelt sie jungen Leuten nicht nur, wie es ist, sehbehindert oder blind zu sein, sondern gibt auch hilfreiche Tipps für den Umgang mit Betroffenen - das können zum Beispiel Oma oder Opa sein. Bild: exb
Schulbesuche gehören zu den Basisaufgaben der Blindenberaterin Bettina Pichlmeier. Dabei vermittelt sie jungen Leuten nicht nur, wie es ist, sehbehindert oder blind zu sein, sondern gibt auch hilfreiche Tipps für den Umgang mit Betroffenen - das können zum Beispiel Oma oder Opa sein.

Die immer älter werdende Gesellschaft hat stets mit neuen Herausforderungen zu tun. Eine davon sind altersbedingte Erkrankungen des Auges wie die altersabhängige Makula-Degeneration, der Grüne Star (Glaukom) oder zuckerbedingte Netzhauterkrankungen. Nach Schätzungen von Augenärzten leben in Deutschland etwa sieben bis zehn Millionen vorwiegend ältere Menschen mit einer gravierenden Augendiagnose und müssen in absehbarer Zeit mit dem Verlust ihrer Sehkraft rechnen. Hilfe und Beratung erhalten sie von Organisationen wie dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund BBSB. Er feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt in München, der am 27. Juni über die Bühne geht.

Präsent ist die Vereinigung vor Ort durch Menschen wie Bettina Pichlmeier, die in Regensburg wohnt und zur Bezirksgruppe Oberpfalz gehört. Die 47-Jährige ist für den Raum Schwandorf zuständig, wo sie Hausbesuche macht, öffentliche Beratungstermine anbietet – und einen Stammtisch organisiert: „Jeden letzten Freitag im Monat treffen wir uns ab 14 Uhr in der Gaststätte Merl in Schwandorf. 15 bis 30 Leute kommen da immer zusammen.“ Das nächste Mal also am 28. Februar.

Für ihre Fahrten hat Pichlmeier eine ehrenamtliche Chauffeurin an ihrer Seite, die Regensburgerin Maria Rudolf. Sie kutschiert sie unter anderem zu Schulen. Im Unterricht geht es dabei nicht nur um Informationen über verschiedene Augenerkrankungen und ihre Auswirkungen auf das Sehen, sondern ebenso um den Umgang mit Betroffenen, deren Schwierigkeiten, einen Beruf ausüben zu können und um die Möglichkeiten der Unterstützung für den Alltag. Zudem dürfen die Mädchen und Buben selbst ausprobieren, wie man zum Beispiel einen Blindenstock handhabt und was es beim Führen sehbeeinträchtigter Personen zu beachten gilt.

Die Beraterin ist seit dem 23. Lebensjahr, also die Hälfte ihres Lebens, auf einem Auge blind; auf dem anderen Auge ist ihr Sichtfeld nur mehr so groß wie ein gestanztes Loch eines Lochers. Ihr Ehemann Rudolf ist ebenfalls blind, mit einem kleinen Sehrest. Auch er engagiert sich beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund. Das Handicap schafft bei anderen Betroffenen Vertrauen und macht es möglich darüber zu reden, wie man trotz Seheinschränkung mit Herd oder Waschmaschine umgeht.

Wichtig sind für Blinde die Hilfsmittel - zum Beispiel sprechende Uhren, sprechende Wecker und Schreibmaschinen, oder Farbsensoren zur Erkennung von Farben (Kleidung) und Licht (hell oder dunkel). „Wichtig ist auch die Kennzeichnung, dass man mich als sehbehindert erkennt“, versichert Bettina Pichlmeier. Das geschieht nicht nur durch eine Armbinde oder einen Anstecker, sondern vor allem mit dem Blindenlangstock, oder auch den Blindenhund. Als Blindenhunde seien besonders Golden Retriever sowie Labradore geeignet. Und: Blindenhunde sollte man nicht streicheln, weil sie den Befehlen der blinden Person gehorchen müssen.

Rund 170 Personen kennt Pichlmeier im Landkreis Schwandorf, die blind oder sehbehindert sind. „Wahrscheinlich gibt es doppelt so viele“, sagt sie. „Um die Leistungen des BBSB in Anspruch nehmen zu können, muss man bei uns nicht Mitglied werden. Bei rechtlichen Einsprüchen muss jedoch eine Mitgliedschaft bestehen, um das Vertretungsrecht wahrnehmen zu können“, informiert sie. In Bayern gibt es derzeit zirka 7300 Vereinsmitglieder, davon 720 in der Oberpfalz. Ungefähr zehn Prozent davon kommen aus dem Landkreis Schwandorf.

Die Beraterin hat beobachtet, dass es zwei Gruppen gibt. Die einen nehmen ihre Behinderung an und lernen, damit umzugehen. Die anderen werden von den Sehenden in Watte gepackt und bekommen alles gemacht. „Der Nichtsehende fühlt sich dann irgendwann nutzlos. Das ist schlecht. Es soll jeder sehen, dass ich nichts sehe, man muss die Berührungsängste abbauen, das ist harte Arbeit“. Oder in anderen Worten: „Erst wenn du selber Blindenwitze erzählen kannst, bist du mit dir im Reinen und hast deine Krankheit akzeptiert.“

Beratung bei Sehproblemen:

Unter dem Stichwort ,,Blickpunkt Auge“ ist ein zusätzliches Beratungsangebot organisiert. Bei mehreren Terminen im Jahresverlauf gibt die ehrenamtliche Beraterin Bettina Pichlmeier Auskunft über den möglichen Verlauf einer Augenkrankheit. Außerdem informiert sie über Hilfsmittel, hält hat Tipps für den Alltag parat und berät Betroffene über rechtliche und finanzielle Ansprüche.

Schwandorf: Rathaus Schwandorf, Spitalgarten 1, am 20.Februar, 16. April, 18. Juni, 27. August, 15. Oktober, 17. Dezember, jeweils von 13.30 bis 15.30 Uhr;

Wernberg-Köblitz: Rathaus Wernberg, Nürnberger Straße 124, am 19. Februar, 8. April, 10. Juni, 5. August, 14. Oktober, 9. Dezember, jeweils von 10 bis 12 Uhr;

Oberviechtach: Gesundheitsamt, Bezirksamtstraße 7, am 5. März, 7. Mai, 2. Juli, 3. September und 5. November, jeweils von 10 bis 12 Uhr.

Die Beraterin ist per Telefon unter 0151/25689151 zu erreichen.

Für den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund ist Beraterin Bettina Pichlmeier viel in der Oberpfalz und speziell im Landkreis Schwandorf unterwegs. Sie wird dabei chauffiert von ihrer ehrenamtlichen Begleiterin Maria Rudolf (rechts). Bild: Thomas Dobler
Für den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund ist Beraterin Bettina Pichlmeier viel in der Oberpfalz und speziell im Landkreis Schwandorf unterwegs. Sie wird dabei chauffiert von ihrer ehrenamtlichen Begleiterin Maria Rudolf (rechts).
 
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