24.06.2021 - 17:22 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Programm an Schulen: "Brücken bauen" für Lernerfolg

In den Ferien freiwillig in den Unterricht: Ein Programm des Freistaats macht es möglich. Im Jugendhilfeausschuss des Schwandorfer Kreistags wird das Projekt vorgestellt.

Masken waren zuletzt Alltag in Schule, nach langen Phasen des Distanz- oder Wechselunterrichts. Um Lerndefizite bei Schülern aufzufangen, soll das Programm "Gemeinsam Brücken bauen" helfen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Corona hat vor allem auch im Schulbetrieb tiefe Spuren hinterlassen. Monatelang waren die Schulen geschlossen, Distanz- oder Wechselunterricht standen an. Nun gilt es, Defizite aufzuholen. Im Jugendhilfeausschuss des Kreistags brachte Kreisrätin Elisabeth Bauer (Grüne) das Thema "Nachhilfe" auf den Tisch.

Da seien momentan für Eltern so gut wie keine Angebote zu bekommen, und wenn, dann ziemlich teuer. Der Bedarf sei ihrer Ansicht nach enorm. "Können wir da einen Adressen-Pool für die Eltern einrichten?", fragte Bauer. Ihre Idee: Die "Lernende Region" könne sich darum kümmern. Claudia Hösamer vom Jugendamt verwies darauf, dass Nachhilfe keine Aufgabe der Jugendhilfe ist. Zuschüsse dafür gibt's also nicht, einen Datenbestand zu Anbietern gebe es auch nicht. Landrat Thomas Ebeling nahm die Idee Bauers aber für die "Lernende Region" aber mit. Eventuell lasse sich ein Adressenpool zusammentragen.

Zusätzliches Personal

Das Problem des "Nachholbedarfs" bei Schülern hat auch die Politik erkannt. Schulamtsdirektor Jürgen Bomertl, beratendes Mitglied im Ausschuss, verwies auf das Programm "Gemeinsam Brücken bauen", das der Freistaat auf den Weg gebracht hat. Schulen bekommen finanzielle Mittel für zusätzliches Personal, das sowohl während des Regelunterrichts als auch außerhalb Vertiefungsangebote übernimmt.

Auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien erläuterte Schulamts-Chef Johannes Hilburger außerhalb der Sitzung das Programm. Im Regelunterricht könne eine zweite Kraft eingesetzt werden, die in kleineren Gruppen Stoff mit den Kindern vertieft bearbeitet, auch Nachmittags-Angebote seien möglich. In den Sommerferien können zwei Wochen "Sommerschule" angeboten werden, die Elternbeiräte seien eingebunden. Individuelle Förderung und das Vertiefen bestimmter Lehrplaninhalte stehen neben sozialen Themen im Mittelpunkt. Um das Personal kümmern sich die Schulen selbst. Nicht nur die eigenen Lehrer werden eingespannt, vom pensionierten Pädagogen bis zu älteren Schülern weiterführender Schulen kommen da viele potenzielle Kräfte infrage. "Die Teilnahme ist freiwillig", so Hilburger. Seit den Pfingstferien prüften die 49 Grund- und Mittelschulen im Landkreis, wo Bedarf besteht, die Anträge für das Personal laufen beim Schulamt ein. "Unsere Schulen machen regen Gebrauch", sagte Hilburger.

Stellen für Sozialarbeiter

"Die meisten Schulen sehen vor, dass sie die ersten 14 Tage der Sommerferien entsprechende Angebote schalten", sagte Bomertl in der Ausschuss-Sitzung. "Wir brauchen aber auch die Schüler. Wir wissen nicht, wer das Angebot in Anspruch nimmt." Eben, weil das Angebot freiwillig sei: "Wir können die Kinder nicht verpflichten". Hier sind die Eltern gefragt. Das Programm soll auch zu Beginn des neuen Schuljahres fortgeführt werden, da sei aber die Finanzierung noch offen.

Klar ist die Finanzierung, wenn es um den Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) geht, seit der Freistaat die Mittel aufgestockt hat. Die Mittelschule Schmidgaden und die Volksschule Wernberg-Köblitz haben jeweils eine halbe JaS-Stelle beantragt. Auch wenn weder Schmidgaden noch Wernberg-Köblitz im Jugendamt nicht als besondere Problem-Schwerpunkte gelten: "Wir haben nirgendwo weiße Flecken oder Inseln der Seligen", sagte Claudia Hösamer, im Jugendamt zuständig für die Jugendhilfe-Planung.

Schmidgaden sei die kleinste Schule, die eine JaS-Kraft beantragt hat – das bedeute aber nicht, dass es dort keine Auffälligkeiten gäbe, sagte Hösamer. Verweise, sogar ein Schulausschluss, Schulverweigerung, Aggressivität und psychische Probleme mancher Schüler sind im Antrag aufgeführt. Ähnliche Schwierigkeiten tauchen auch in Wernberg-Köblitz auf – auch, wie es im Antrag heißt, weil ein wachsender Teil der Schüler aus Familien komme, in denen die Erziehungsberechtigten nicht mehr in der Lage seien, die Kinder konsequent zu erziehen und ihnen Halt zu geben. "Generell ist, wohl auch pandemiebedingt, der Unterstützungsbedarf für Kinder, Jugendliche und Eltern auch an den kleineren Schulen gegeben", sagte Hösamer. Deshalb befürworte das Jugendamt jeweils eine halbe Stelle für die Schulen. Dem stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Die Kommunen als Schulträger müssen jeweils 6750 Euro zu den Kosten beitragen. Die zusätzlichen Mittel des Freistaats erlauben es nun auch, dass die bereits vergangenes Jahr beantragte halbe JaS-Stelle an der Grundschule Oberviechtach und die ganze Stelle für die Mittelschule Dachelhofen gebilligt wurden. 2020 waren 16,5 Stellen für Jugendsozialarbeiter an Schulen verzeichnet, verteilt auf 23 Grund- und Mittelschulen des Landkreises. Der Landkreis gab dafür rund 620 000 Euro aus.

Etat für Jugendhilfe steigt

Schwandorf

"Wir haben nirgendwo weiße Flecken oder Inseln der Seligen."

Claudia Hösamer, im Jugendamt zuständig für die Jugendhilfe-Planung.

Claudia Hösamer, im Jugendamt zuständig für die Jugendhilfe-Planung.

 

 

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