09.10.2020 - 17:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Quarantäne im Schwandorfer Asylbewerberheim: Stopp für Jobs, Deutschkurs und Kinderkrippe

Arbeitgeber laufen Sturm, die Eingewöhnung in der Kinderkrippe wird jäh unterbrochen, der Deutschkurs ist gestrichen. Es gibt kein Wlan und keine PCs, aber verhungern muss keiner: Quarantäne im Aylbewerberheim.

Am Asylbewerberheim in der Egelseer Straße spricht Uschi Maxim (rechts) mit den Verantwortlichen hinter dem Absperrzaun. Die Einrichtung steht unter Quarantäne. Wie hart das gerade diese Menschen trifft, wissen vor allem die Helfer.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit bekannt wurde, dass eine Person mit zwei kleinen Kindern im Schwandorfer Asylbewerberheim an der Egelseer Straße mit Covid-19 infiziert ist, laufen bei Hilfsorganisationen die Drähte heiß. Rund 100 Personen stehen für mindestens zwei Wochen unter Quarantäne. Es ist das zweite Mal, schon im Mai waren die Asylsuchenden dort isoliert worden. Das Schema ist so ziemlich das gleiche: Die Infizierten wurden in eine gesonderte Unterkunft nach Regensburg verlegt. Die Gemeinschaftsküchen sind geschlossen, Security und Catering sind jetzt angesagt, die Bewohner sollen möglichst auf ihrem Zimmer bleiben.

"Die Unterkunft ist nicht überfüllt, wir halten die Vorgaben ein und mussten auch keine Anpassung vornehmen", so Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt Schwandorf auf die Frage, ob die Voraussetzungen diesmal günstiger sind als im Mai. Am Samstag, 10. Oktober, soll eine mobile Teststation hier anrücken. "Solange alle negativ sind, ist das beruhigend", sagt Lischka, ob hier ein neuer Hotspot zu erwarten sei, das könne man momentan nicht absehen: "Wir rechnen ehrlich gesagt nicht damit."

Für die Bewohner der Unterkunft in der Egelseer Straße ist diese zweite Quarantäne aus unterschiedlichen Gründen besonders bitter. "Dort gibt es kein Wlan, das über das Büro hinaus reichen würde, dadurch sind viele von der Außenwelt komplett abgeschnitten", berichtet Uschi Maxim vom Jugendmigrationsdienst der Katholischen Jugendfürsorge. Schüler und Azubis sind ohne Computer. "Die verpassen jetzt wieder alles", klagt Maxim, "und die Arbeitgeber laufen langsam Amok, wenn ihre Arbeitskräfte schon wieder nicht kommen können".

Alle haben ein Problem, als Flüchtlingshelfer weiß man schon nicht mehr, wo einem der Kopf steht.

Renate Raab-Postler

Vorbei ist es jetzt auch mit der Kinderkrippe, ausgerechnet mitten in der Eingewöhnungsphase. "Nächste Woche hätte der Deutsch-Kurs für Mütter starten sollen", seufzt Renate Raab-Postler. "Alle haben ein Problem, als Flüchtlingshelfer weiß man schon nicht mehr, wo einem der Kopf steht." "Die wenigsten haben einen Fernseher", zeigt Maxim die beschränkten Ablenkungsmöglichkeiten auf. Sie sorgt sich aber auch ums Essen. Während der Quarantäne im Mai habe der Caterer weder Obst und Gemüse noch Milchprodukte geliefert, zu trinken gab es nur Wasser. Und nur mit Hilfe der Ehrenamtlichen konnten Babynahrung, Windeln und Hygiene-Artikel organisiert werden. "Brot, Käse Wurst, das sind alles Sachen, die hier kaum einer normalerweise isst, erst recht nicht die Kinder", sagt die Sozialpädagogin. "Eigentlich hätte man sich auf diesen neuen Fall besser vorbereiten müssen", meint sie. Weil sich Mai weitere Asylsuchende infiziert hatten, dauerte die Quarantäne damals sechs Wochen.

Unterdessen wurden für den Landkreis am Freitag vier neue Corona-Fälle gemeldet, und zwar aus Schwandorf, Schwarzenfeld und zweimal aus Teunz.

Die Probleme bei der ersten Quarantäne im Mai

Schwandorf
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