28.07.2020 - 17:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rad-Boom im Kreis Schwandorf: Händler am Limit

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Scheinbar jeder im Kreis Schwandorf will aufs Rad. Corona, Umwelt und Fitness dürften Gründe sein. Doch was nach vollen Kassen bei Händlern klingt, hat nicht nur Sonnenseiten. Der Nachschub fehlt. Und auch sonst kommen sie kaum hinterher.

Robert Kostner ist Fahrradhändler in Nabburg. Er bekommt täglich zu spüren, dass die Menschen mehr radeln wollen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Ob alt, ob jung, ob schnell oder eher gemütlich: Radfahren liegt voll im Trend. Die Radhändler in der Region haben alle Hände voll zu tun, um den Kunden ihre Wünsche zu erfüllen.

Robert Kostner hat sein Geschäft in Nabburg. Ihm zufolge fahren immer mehr Leute mit dem Rad. "Ich merke besonders, dass viele ihre alten Räder zum wieder herrichten vorbeibringen", sagt er. Dabei kämen vor allem Leute zu ihm, die zwar schon ein Rad hätten, das aber mehrere Jahre im Keller gestanden habe. Ihm zufolge wird die Region rund um Nabburg mehr und mehr zum Ziel von Radfahrern, die teils von weit weg kommen, um hier eine Tour zu machen. "Wir hatten vor kurzem ein Paar aus Holland bei uns, das schon Tage lang unterwegs war", sagt er.

E-Biker werden jünger

Wer auch das Gefühl kennt, auf einem langen, steilen Berg von älteren Fahrern auf dem E-Bike überholt zu werden, die gemütlich an einem vorbeiziehen, der ist nicht allein. Kostner zufolge hält der Trend zum E-Bike an. Kostner: "Beim E-Bike ist das Durchschnittsalter in den vergangenen Jahren geschrumpft." Immer mehr junge Menschen interessierten sich mittlerweile ebenfalls für E-Räder. Allerdings bevorzugen sie ihm zufolge elektrische Mountain-Cross-Bikes. Die Zeiten, in denen jemand jenseits der 50 ausgelacht wurde, weil er sich ein E-Bike angeschafft hat, sind längst vorbei.

Mehr Körperbewusstsein

Das Coronavirus habe das Interesse der Menschen am Rad verstärkt. "Wenn ich schon nicht in den Urlaub fahren kann, dann sagen sich viele, dass sie hier Urlaub daheim machen", berichtet er. Doch das Virus allein sei nicht ausschlaggebend. Vielmehr beobachte er seit rund zwei Jahren, dass immer mehr Menschen auf das Fahrrad steigen. "Zum Teil glaube ich, dass das damit zu tun hat, dass es heute ein größeres Umweltbewusstsein vorhanden ist", sagt er. Zum anderen meint er, dass die Menschen mittlerweile einfach mehr auf ihre Gesundheit achten würden. "Viele gehen mehr in die Muckibude, da ist es auch nicht verwunderlich, dass sie mehr mit dem Rad fahren", sagt Kostner.

Die Ferienzeit dagegen schlägt bei ihm kaum zu Buche. Die Kunden kämen meist vor deren Beginn, um etwas reparieren zu lassen oder zu kaufen. In den Ferien selbst werde es eher ziemlich ruhig.

Ein ganz anders Thema bringt Rainer Schwinger von der Bike-Station in Oberviechtach zur Sprache. "Als wir wieder öffnen durften, wurden wir wie alle anderen in Branche von Kunden überrannt", sagt er. Das Problem sein momentan vor allem, dass die Hersteller keine neuen Räder liefern können. Das betrifft besonders E-Bikes. "Die Branche brummt. Wenn aber nichts nachkommt, dann können wir auch nichts verkaufen", bedauert er. Ihm als Geschäftsinhaber gehe die Situation an die Psyche, wenn Kunden mit bestimmten Vorstellungen zu ihm kämen, er ihnen aber nicht verkaufen könne, was sie sich wünschen. Dass es einen Rad-Engpass gibt, habe sich in der Region bereits herumgesprochen. Im Gespräch mit Kollegen aus der Branche sei das schon öfter Thema gewesen. Schwinger: "Es kommt jetzt ganz drauf an, wann die Ware für die Saison 2021 kommt. Dann haben die Verkäufer wieder mehr Spaß an der Sache und die Kunden bekommen wieder das, was sie sich wünschen."

Viele gehen mehr in die Muckibude, da ist es auch nicht verwunderlich, dass sie mehr mit dem Rad fahren.

Robert Kostner, Radhändler in Nabburg

Robert Kostner, Radhändler in Nabburg

Eine Reparatur nach der anderen

Aber auch so hat Schwinger alle Hände voll zu tun. "Es kommen Reparaturen ohne Ende rein", sagt er. Das gehe so weit, dass er Reparaturanfragen von Leuten zeitweilig ablehnen muss, die ihr altes Fahrrad nach Jahren wieder aus der Garage geholt haben, weil er sonst einfach nicht mehr hinterher kommt. "Ich muss mich um die Sachen kümmern, die ich verkauft habe. Die Leute fahren viel Rad, da gibt es ordentlich Verschleiß", sagt er.

Lesen Sie hier aus unserer Radserie OnTour: Mit dem Rad durch den Stiftländer Egergraben

Tirschenreuth

Bombenjahr in Schwandorf

Von einem wirklichen "Bombenjahr" spricht Sibylle Lang von Fahrrad Schißlbauer in Schwandorf. "Das ist gar nicht beschreibbar. Wir wurden förmlich überrannt", sagt sie. Vergangene Woche sei es etwas ruhiger gewesen, nun aber sei wieder die Hölle los. "Ich glaube, viele Menschen machen jetzt einfach Urlaub daheim", erzählt sie.

Auch in Schwandorf macht sich der Trend zum E-Bike bemerkbar. "Gestern habe ich vier E-Bikes am Stück verkauft", sagt Lang. Dabei seien es auch junge, sportliche Radfahrer, die sich für ein elektrisches Fahrrad entscheiden. "Das sind Mountainbiker, die die Räder für ihre Trips durch die Berge kaufen", sagt sie. Auch sie ist überzeugt, dass es unmöglich ist, noch 2020-Modelle nachzubestellen. "Die neuen kommen wahrscheinlich so im Januar oder Februar", erwartet sie. Die Modelle für die kommende Saison sind schon bestellt. Anders als bei Kostner und Schwinger kommen in Schwandorf nur wenige Kunden, die ihre alten Drahtesel wieder fit machen wollen. "Wir machen viel Kundendienst an E-Bikes. Reparaturen haben wir aktuell auch viele", sagt die erfahrene Radhändlerin.

Info:

Wen nun auch Sie Lust aufs Fahrradfahren gepackt hat, findet hier eine Auswahl der Radwege im Landkreis Schwandorf:

  • Der Naab-Regen-Radweg führt von Schwarzenfeld über Bodenwöhr und Bruck bis nach Nittenau. Den 33 Kilometer langen Weg legt man im Schnitt in rund 3,5 Stunden zurück. Auf ihm kommt der Fahrer bis zu 127 Höhenmeter nach oben. Wer will, hat zwischendurch auch die Möglichkeit, einen Sprung in den Murner See zu wagen.
  • Wer sich etwas mehr zutraut, kann den Vier-Flüsse-Radrundweg von Pfreimd über Nabburg, Schwarzenfeld, Altendorf, Gleiritsch, Trausnitz und wieder zurück nach Pfreimd in Angriff nehmen. 57 Kilometer lang strampelt man rund 450 Höhenmeter ab. Dabei kommt man an den namensgebenden Flüssen Naab, Pfreimd, Schwarzach und Murach vorbei und erlebt die Umwelt im Naturpark Oberpfälzer Wald hautnah. Sechs Stunden sollten im Schnitt dafür eingeplant werden.
  • Wer noch mehr Herausforderung möchte, kann sich am Naabtal-Radweg von Weiden bis nach Regensburg versuchen. Man kann auch auf der Hälfte der Strecke in Schwandorf einsteigen. Der Weg lohnt sich, denn die Radler kommen vorbei an der Burg Wernberg, der Burg Lengenfeld und der Burgruine Kallmünz. Besonderer Hinweis:Sollten Sie die ganze Strecke runter radeln wollen, nehmen Sie sich am besten den ganzen Tag Zeit, denn durchschnittlich sind Sie auf den 93 Kilometern neun Stunden unterwegs.

Hier finden Sie die schönsten Radstrecken durch die Oberpfalz aus unserer Radserie OnTour

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