17.09.2019 - 15:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Räuberpistole führt ins Gefängnis

An ein Wunder mag die Richterin nicht glauben. Sie sperrt den Angeklagten ein und verweist dessen Version darüber, wie plötzlich drei Gramm Crystal Meth in seiner Jackentasche steckten, in den Bereich der Fabel.

Die Geschichte vom Unbekannten glaubten ihm die Richter nicht: Ein 30-Jähriger muss ins Gefängnis, nachdem drei Gramm Crystal Meth bei ihm gefunden wurden.
von Autor HWOProfil

Der 30-Jährige ist als Drogenkonsument bei den Behörden bekannt. Mit dem Nachteil für ihn, dass er öfter mal kontrolliert wird. Zivilfahnder nahmen den 30-Jährigen ins Visier, als er mit einem Fahrrad im Schwandorfer Stadtgebiet des Weges kam und fischten Tütchen mit insgesamt drei Gramm Crystal Meth aus seiner Jackentasche. Zum Sachverhalt vernahm nun Amtsrichterin Franziska Bücherl eine Geschichte, die sich wundersam anhörte. Denn diesmal, so versicherte der 30-Jährige, sei er wirklich schuldlos in die Mühlen der Justiz geraten. Denn kurze Zeit vor der Kontrolle sei für ihn, den Angeklagten, etwas höchst Erfreuliches geschehen.

"Wochenlang war meine Jacke verschollen", berichtete der Mann. "Und plötzlich hing sie dann draußen am Gartenzaun". Jemand habe das von ihm sehr vermisste Kleidungsstück zurückgebracht. Allerdings mit der Hinterlist, die Tütchen mit Crystal Meth in eine der Taschen zu stecken.

Die Richterin staunte. Das taten auch die als Zeugen gehörten Polizeibeamten, die im Dezember letzten Jahres zur Kontrolle des ihnen bekannten Drogenkonsumenten geschritten waren und dabei nichts von einer soeben an den Gartenzaun gehängten Jacke gehört hatten.

"Völlig unglaubwürdig", befand Staatsanwältin Vanessa Merl und wollte angesichts zweier noch laufender Bewährungen und insgesamt zehn Vorstrafen eine spürbare Sanktion gegen den Schwandorfer verhängt sehen. Sie beantragte sieben Monate Haft ohne Bewährung und stieß dabei auf Widerspruch bei Verteidiger Uwe Müller. Das mit der Jacke könne doch durchaus so gewesen sein, ließ der Anwalt anklingen und fügte hinzu, im Fall einer Verurteilung sei eine neuerliche Strafaussetzung zur Bewährung vertretbar.

Die Richterin mochte allerdings nicht an Wunder glauben. "Kann sein, dass jemand die Jacke an den Zaun gehängt hat", beschrieb sie ihren Eindruck. "Aber doch nicht mit mehreren Tütchen Rauschgift". Die seien schon von dem 30-Jährigen eingesteckt worden. Dafür bekam der Mann vier Monate Gefängnis. "Ohne Bewährung", wie die Vorsitzende ausdrücklich betonte. Denn irgendwann sei Schluss mit immer neuen Chancen.

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