01.01.2021 - 14:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Raketen-Vorrat im Landkreis Schwandorf schnell aufgezehrt

Nur vereinzelt krachen Böller, wenige Raketen erleuchten den nächtlichen Himmel. Im Landkreis Schwandorf haben Feuerwehr und Polizei heuer mehr als einen Grund, bei diesem ruhigen Jahreswechsel aufzuatmen.

Von Raketen und Böllern keine Spur: So ruhig war es auf dem Platz Am Kreuz in Schwarzenfeld zum Jahreswechsel wohl seit Jahrzehnten nicht mehr.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Silvester 2020/2021 wird als extrem ruhiger Jahreswechsel in die Geschichte eingehen. Das geht aus der Bilanz von Polizei und Feuerwehr am Neujahrstag hervor. Ganz so leise, wie mancher sich das nach dem Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ausgemalt hat, war es dann aber doch nicht. Immerhin einen Garagenbrand gab es in Nabburg in dieser Silvesternacht, hier vermutet man laut Bericht des Polizeipräsidiums aber eine Ursache, die nichts mit dem Start ins neue Jahr zu tun hat. Die genaueren Umstände soll in den nächsten Tagen die Kriminalpolizei Amberg klären, aktuell wird von einem technischen Defekt ausgegangen.

"Ich war überrascht, dass dann doch so viel geballert wurde", berichtet Hauptkommissar Franz Schönberger von der Polizeiinspektion in Nabburg, der die Silvesternacht in Pfreimd erlebte. Ein Grund zum Eingreifen war das aber nicht. "Das Schießen war ja erlaubt, zumindest von Privatgrundstücken aus." Möglich, dass sich einige im Ausland eingedeckt hatten. Auf jeden Fall war der Krach von Böllern schnell verhallt, der nächtliche Himmel nach wenigen Minuten wieder ohne Funkenregen. Einen einzigen Verstoß gegen die Ausgangssperre registrierten die Nabburger Beamten. Außerdem mussten sie bei einem Familienstreit eingreifen.

Anzeigen nach Party

"Relativ ruhig" ist die Silvesternacht auch in der Kreisstadt Schwandorf verlaufen. Polizeihauptkommissar Christian Kosel berichtet auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien von neun Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz. Dabei handelte es sich um Besucher von Partys, die gegen die geltenden Regeln verstießen. "Wir melden diese Fälle weiter ans Landratsamt", so Kosel, die Behörde entscheide dann über ein Bußgeld. Ansonsten gab es auch in der Kreisstadt laut Nachtschicht der Polizei "wenig Böller, kaum Raketen". "Es war auf jeden Fall die mit Abstand ruhigste Silvesternacht", konstatiert der Polizeihauptkommissar.

"Die Straßen waren leer, die Leute halten sich tatsächlich an die Ausgangssperre", meldet der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizei Oberviechtach. "Keine Verstöße, nur vereinzelt Böller und Raketen, es war wirklich ganz ruhig", zeigt sich Georg Pfannenstein erleichtert. Bei den Kontrollen der wenigem Personen, die in der Zeit zwischen 21 und 5 Uhr unterwegs waren, habe sich gezeigt, dass alle einen plausiblen Grund dafür hatten.

"Fehlanzeige": So bringt der Pressebericht der Polizei Neunburg die Nacht zum 1. Januar auf den Punkt. Dass zum Jahreswechsel dann doch ein paar Raketen und Böller die nächtliche Ruhe unterbrachen, erstaunte den Neunburger Polizeioberkommissar Siegfried Richter, der in Bruck das neue Jahr begrüßte. "Ich hab mich gewundert, dass da einige doch eine richtige Batterie abschießen konnten", stellt er fest und meint mit einem Schmunzeln: "Das war dann aber schnell erledigt, mit dem Nachschub hat es heuer nicht geklappt." Richter sieht das ohne Bedauern, denn nach dem kurzen Spektakel würden sich auch die Tiere schneller von dem ungewohnten Krach erholen.

Auch bei der Feuerwehr ist man dankbar über den "sehr, sehr ruhigen Jahreswechsel", gerade in Relation zu den Jahren davor. Zwei Brandeinsätze hat Hans-Jürgen Schlosser, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion heuer auf seiner Liste, in einem Fall war es ein Fehlalarm aus dem Nabburger Industriegebiet. Der zweite Einsatz betraf gegen 0.45 Uhr einen Garagenbrand am Jägerring, der laut Polizeipräsidium "vermutlich durch einen Defekt an einem technischen Gerät" ausgelöst wurde. "Der Eigentümer fuhr sein Auto noch aus der Garage und erlitt dabei eine leichte Rauchgasvergiftung", so die Polizei, die den Schaden auf etwa 10.000 Euro beziffert.

Die Feuerwehr war aber zum Jahreswechsel bei drei technischen Hilfeleistungen zur Stelle: Sie leuchtete den Landeplatz für einen Rettungshubschrauber aus, stellte eine Tragehilfe und half bei einer Türöffnung. Zweimal waren außerdem die First Responder gefragt, die den Rettungsdienst unterstützen. "Wir können von Glück sagen, dass es heuer so ruhig war", meint Schlosser, wenn er an die etwa 10 bis 15 Brandeinsätze in den Vorjahren denkt. Wie viele es sind, das hänge in normalen Jahren sehr davon ab, wie trocken die Vegetation zu dieser Zeit sei.

Prekär auch mit Maske

"Dafür, dass wir flächenmäßig einer der größten Landkreise in Bayern sind, war das wirklich minimal", so der Pressesprecher der Feuerwehr. Denn neben den bislang üblichen Gefahren muss auch die Feuerwehr seit Monaten noch einen Faktor mehr im Blick haben: Corona. Gerade in den Fahrzeugen sei die Situation für die Einsatzkräfte trotz FFP-2-Masken immer prekär. "Die Führungskräfte im Landkreis sind sehr bedacht darauf, immer ein Auge auf den Einsatz und ein Auge auf den Infektionsschutz zu haben", sagt Schlosser und prophezeit: "Es werden noch anstrengende Monate auf uns zukommen. "

Wunderkerzen malen die Jahreszahl 2021.
Wer in der Silvesternacht von der Polizei kontrolliert wurde, hatte in den meisten Fällen eine glaubwürdige Begründung für seinen Aufenthalt im öffentlichen Raum vorzuweisen. Ein paar unerlaubte Partys gab es aber schon, die Schwandorfer Polizei berichtet von neun Anzeigen.
Hintergrund:

Fehlanzeige bei Randale

Der Jahreswechsel 2019/2020 hatte Polizei und Feuerwehr wesentlich mehr Arbeit beschert: Hier zum Vergleich ein Rückblick:

  • Brand in Maxhütte-Haidhof: Ein Holzschuppen, eine Garage und ein Wohnhaus wurden in den Morgenstunden des Neujahrstags ein Raub der Flammen; Es gab drei leicht verletzte Personen. Schaden: 250.000 Euro; 200 Einsatzkräfte, 8 Feuerwehren sowie THW und Rettungsdienste waren vor Ort.
  • Schlägerei: Mehrere Streifenbesatzungen mussten in Schwandorf in der Nacht zum 1. Januar 2020 ausrücken, weil es am Naab-Parkhaus eine Auseinandersetzung gab, an der mehrere angetrunkene Personen beteiligt waren, die später auch die Polizisten beleidigten. Die Ausgangssperre erwies sich da heuer als präventiv.
  • Verletzung: Die Polizei suchte an Neujahr 2020 nach Zeugen, die in der Silvesternacht in Nabburg eine Person beim Werfen einer Weinflasche beobachtet hatten: Ein Frau wurde durch Splitter verletzt.
  • Sachbeschädigung: Mehrere Personen hatten in der Silvesternacht vor einem Jahr in Schwandorf ein Fahrrad gegen ein Auto geworfen, in Wackersdorf wurde ein Mülltonne durch Böller zerstört. Heuer gab es bislang keine einzige Sachbeschädigung.

"Die Führungskräfte im Landkreis sind sehr bedacht darauf, immer ein Auge auf den Einsatz und ein Auge auf den Infektionsschutz zu haben."

Hans-Jürgen Schlosser, Pressesprecher der Feuerwehr

Hans-Jürgen Schlosser, Pressesprecher der Feuerwehr

Weniger Verkehrsunfälle, aber Ärger wegen Infektionsschutz

Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.