Schwandorf
08.04.2019 - 07:51 Uhr

Raus aus der "Sandwich-Rolle"

Den Schulterschluss zwischen CSU und Landwirten fordert Marlene Mortler, Landesvorsitzende der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, bei der Landesversammlung. Ministerin Michaela Kaniber widerspricht der Amtskollegin auf Bundesebene.

Die Landesversammlung der CSU-Arbeitsgemeinschaft "Enährung, Landwirtschaft und Forsten" auf dem Gelände der Firma Horsch bestreiten (von links) Martina Englhardt-Kopf, Hubert Heigl, Landrat Thomas Ebeling, Cornelia Horsch, Manfred Wendl, Barbara Ruhland, Michael Horsch, Landesvorsitzende Marlene Mortler, Martin Schöffel, Ministerin Michaela Kaniber, Artur Auernhammer, BBV-Präseident Walter Heidl und Rita Blümel. Bild: Hirsch
Die Landesversammlung der CSU-Arbeitsgemeinschaft "Enährung, Landwirtschaft und Forsten" auf dem Gelände der Firma Horsch bestreiten (von links) Martina Englhardt-Kopf, Hubert Heigl, Landrat Thomas Ebeling, Cornelia Horsch, Manfred Wendl, Barbara Ruhland, Michael Horsch, Landesvorsitzende Marlene Mortler, Martin Schöffel, Ministerin Michaela Kaniber, Artur Auernhammer, BBV-Präseident Walter Heidl und Rita Blümel.

Marlene Mortler, Landesvorsitzende der CSU-Arbeitsgemeinschaft „Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“, hatte drei bäuerliche Direktvermarkter mit dem Catering beauftragt und brachte damit ihre Wertschätzung für regionale Produkte zum Ausdruck. Bei der Landesversammlung auf dem Gelände der Firma Horsch wies die Bundestagsabgeordnete den Landwirten den Weg heraus aus der Isolation und gab ihnen zu verstehen: „Die CSU ist die Bauernpartei, wir müssen zusammenhalten“. Mortler möchte die bayerischen Landwirte aus ihrer „Sandwich-Rolle“ befreien und in einen Dialog mit dem Verbraucher treten.

Damit will sich Bauernverbandspräsident Walter Heidl aber nicht zufrieden geben. „Wir werden Sie beim Wort nehmen und hartnäckig dranbleiben“, gab er der bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mit auf den Weg. Sie stellte den Bauern bei der Landesversammlung „Ausgleichszahlungen bei Nutzungsbeschränkungen“ in Aussicht. Der BBV-Präsident begrüßte das Begleitgesetz zum Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“, forderte die bayerische Staatsregierung aber gleichzeitig auf, Schwachstellen des Bürgerbegehrens zu reparieren, den Flächenverlusten gegenzusteuern und die „Wertschöpfung aus regionalen Produkten“ zu fördern. Walter Heidl wünscht sich einen „Gesellschaftsvertrag für Artenschutz und Landwirtschaft“ und eine Änderung des Verbraucherverhaltens.

Der BBV-Präsident räumte Versäumnisse seines Verbandes bei der Öffentlichkeitsarbeit ein, „die zu einer Entfremdung der Erzeuger vom Verbraucher geführt haben“. Er will nun bereits in der Grundschule ansetzen und die „Alltagskompetenz“ zum Schulfach und Unterrichtsprinzip erklären. Mit dieser Forderung rannte er bei Ministerin Michaela Kaniber offene Türen ein. Sie stellte fest: „Die Zeit ist reif für neue Wege“. Sie will im Sinne des Volksbegehrens „Oasen, grüne Bänder und Blühflächen“ schaffen, den ökologischen Landbau fördern und einen „gesamtgesellschaftlichen Konsens“ erreichen.

Michaela Kaniber nimmt den bayerischen Bauernverband in Schutz und verurteilt die Angriffe auf die Landwirte in den sozialen Netzwerken. Sie kündigt ein „Begleitgesetz pro Bauernschaft“ an. Bei der Düngeverordnung kritisiert die CSU-Politikerin den Alleingang ihrer Unionskollegin Julia Klöckner und ist überzeugt, „dass die Bundeslandwirtschaftsministerin auch beim Tierwohl auf der falschen Welle reitet“. Kaniber setzt dem „den bayerischen Weg mit praxisgerechten Lösungen zugunsten der bäuerlichen Familienbetriebe“ entgegen. AG-Vorsitzende Marlene Mortler kündigte eine „Kampagne bis hin hinein in alle Gesellschaftsschichten“ an. Eva-Maria Haas, Geschäftsführerin der Initiative „Unsere bayerischen Bauern“, stellte das Konzept vor, mit dem der Bauernverband in den Dialog mit den Konsumenten treten will.

Landrat Thomas Ebeling will den Landkreis „in seiner landwirtschaftlichen Prägung“ erhalten und machte dem Gastgeber ein Kompliment: „Wir sind alle stolz auf die Firma Horsch“. Zweite Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf brach eine Lanze für die bäuerlichen Familienbetriebe. Die Kreisvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“, Barbara Ruhland, sieht im Volksbegehren die Chance zum Umdenken, mahnte aber gleichzeitig den Verbraucher: „Qualität gibt es nicht zum Nulltarif“. Die angespannte Stimmung unter den Bauern brachte sie auf den Punkt: „Zu viel Bürokratie, zu hohe Auflagen, immer mehr Arbeit“.

Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau, betreibt in der Nähe von Regensburg einen Vollerwerbsbetrieb und ist der Meinung: „Die ökologische Bewirtschaftung ist näher an der Verbraucher-Erwartung dran“. Vom Volksbegehren erwartet er „eine Versöhnung der Bevölkerung mit der Landwirtschaft“.

Die CSU ist die Bauernpartei.

AG-Landesvorsitzende Marlene Mortler

 
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