Die Benteler-Gruppe, die rund 80 Stellen in ihrem Werk in Schwandorf abbaut, hat einen neuen Finanzvorstand. Wie der Konzern am Montag mitteilt, wird Thomas Glynn mit sofortiger Wirkung CFO (Chief Financial Officer) der Unternehmensgruppe. In dieser Funktion werde Glynn, der laut der Mitteilung als Sanierer gilt, auch Geschäftsführer der Benteler International Austria GmbH, der Holdinggesellschaft der Gruppe. Mit CEO Ralf Göttel bilde er künftig die Unternehmensleitung der Benteler-Gruppe.
Glynns Vorgänger Tobias Braun verlasse das Unternehmen „auf eigenen Wunsch und im besten beiderseitigen Einvernehmen“, heißt es in der Meldung weiter. Er wolle sich „neuen beruflichen Herausforderungen“ widmen. In den kommenden Wochen sollen Braun und Nachfolger Glynn eng zusammenarbeiten, „um eine reibungslose und geordnete Übergabe“ sicherzustellen.
Glynn, 64, kommt laut seinem Linkedin-Profil aus den Vereinigten Staaten. Dort war er zuletzt auch tätig – als „Experte für Banken und Kapitalmärkte“ bei der Topside-Group, wie Benteler in seiner Mitteilung schreibt. Der US-Amerikaner bringe „umfassende Erfahrung in den Bereichen Unternehmensfinanzierung, Treasury, Kapitalmärkte und Performance-Management in internationalen Märkten“ mit. Laut Benteler habe er „weltweit mehrere CEO- und Vorstandspositionen in Finanzdienstleistungsunternehmen“ innegehabt. Unter anderem habe er „Turnaround-Programme“ im Bankensektor für KPMG geleitet und sei CEO der DEPFA-Bank in Irland gewesen. Hubertus Benteler, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Benteler-Gruppe, spricht in der Mitteilung von einem „erfahrenen Finanzmanager“, dessen „fundierte Expertise“ helfen werde, „unsere finanzielle Performance weiter zu stärken“.
Als Autozulieferer steht auch Benteler unter Druck. Weil die Auslastung des Werks in Schwandorf „seit Längerem unter den Erwartungen“ liegt, hat der Konzern zuletzt 80 Stellen an dem Standort gestrichen. In Schwandorf werden vor allem Komponenten für E-Fahrzeuge, beispielsweise Batteriewannen, produziert. „Diese werden aktuell aufgrund der bestehenden Unsicherheit und der langsameren Entwicklung der E-Mobilität in geringeren Volumina abgerufen als geplant“, erklärte ein Benteler-Sprecher Ende des vergangenen Jahres. Der Stellenabbau wurde von der IG Metall scharf kritisiert.
Auch in der Belegschaft vor Ort herrscht Unzufriedenheit – auch vor dem Hintergrund, dass Benteler drei Monate nach dem Bekanntwerden des Stellenabbaus ein erfolgreiches Geschäftsjahr mit einem Gewinn von rund 640 Millionen Euro vermeldete. Benteler ist laut eigenen Angaben eine weltweit agierende Unternehmensgruppe für Kunden aus den Bereichen Automobiltechnik, Energie und Maschinenbau. Als Metall-Prozess-Spezialist entwickle, produziere und vertreibe man weltweit sicherheitsrelevante Produkte, Systeme und Dienstleistungen. An weltweit rund 90 Standorten beschäftige das Unternehmen 20.000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025 betrug der Umsatz rund 8 Milliarden Euro.

















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