28.02.2019 - 16:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schulen in den Startlöchern

Digitale Klassenzimmer sind auch im Landkreis keine Utopie, sondern ein Ziel, an dem beständig konkret gearbeitet wird. Der vom Bundestag beschlossene "Digitalpakt Schule" ist ein weiterer Baustein.

Bis an allen Schulen im Landkreis an vernetzten Tablets gearbeitet werden kann, wird es noch etwas dauern. Mit dem Digitalpakt wird zur Ausstattung einiges Geld in die zahlreichen Bildungseinrichtungen des Landkreises fließen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Bundestag hat den Digitalpakt Schulen auf den Weg gebracht, der Bundesrat muss noch zustimmen, damit 5 Milliarden Euro an die Schulen fließen können. Rechnerisch etwa 130 000 Euro bleiben da für jede der etwa 40 000 Schulen im Bundesgebiet. Förderfähig sind laut Bundesbildungsministerium besonders die breitbandige Verkabelung der Schulen, die W-Lan-Ausstattung sowie stationäre Endgeräte wie zum Beispiel interaktive Tafeln. Hinzu kommen erhebliche Bundesmittel aus dem Breitbandförderprogramm für den schnellen Internet-Anschluss der Schulstandorte.Wie das Geld aus dem Pakt verteilt wird, steht noch nicht fest. In den Landkreis mit seinen über 70 Schulen dürften einige Zuschüsse fließen.

Ans Glasfasernetz

Bedarf gibt es so gut wie überall. Zunächst für die entsprechende Bandbreite. Jede Schule soll ans Glasfasernetz, was über ein Bundesprogramm gefördert wird. Das erläuterte der Sprecher des Landratsamts, Hans Prechtl. Die Schulen haben Medienkonzepte erarbeitet, die Grundlage für die Ausstattung bilden. Ziel sei, dass pro Klassenraum, der digital ausgestattet wird, 30 Mbit zur Verfügung stehen. Von den 22 Schulen in der Trägerschaft des Landkreises sind an 18 mindestens 50 Mbit Gesamt-Bandbreite möglich. Ziel ist der Glasfaseranschluss mit beinahe unbegrenzter Bandbreite an allen Schulen. Der Landkreis setzt derzeit das Bundesförderprogramm zusammen mit 27 Kommunen um, um die Versorgung weiter zu verbessern.

Davon können auch die Grund- und Mittelschulen profitieren, für die die Gemeinden zuständig sind. Probleme gibt es laut Prechtl noch an den Gymnasien in Burglengenfeld und Oberviechtach und an der Berufsschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege Oberviechtach. "Hier haben wir nur 16 Mbit zur Verfügung", so Prechtl. Das bayerische "Digitalbudget - digitales Klassenzimmer" soll den Kauf von Geräten unterstützen. Die Kommunen haben aber erreicht, dass zehn Prozent des Budgets auch für die teure Verkabelung und Netzwerkausstattung verwendet werden kann. Hier könnte aus Sicht der Kommunen des Geld des Bundes helfen. Denn das schönste Tablet hilft nichts, wenn die Infrastruktur im Schulhaus fehlt.

Die wird bei den laufenden Sanierungen natürlich mit eingerichtet. Schwerpunkte sind laut Prechtl derzeit die Realschulen in Nabburg und Burglengenfeld sowie das Berufliche Schulzentrum Schwandorf. "Der flächendeckende W-Lan Ausbau ist an allen unseren Landkreisschulen geplant und soll bis 2022 umgesetzt werden," so Prechtl.

Mehrwert bieten

"Wir sind schon relativ weit", sagt der Leiter des Schulamts, Georg Kick, mit Blick auf den Digitalpakt. Auch die 49 Grund- und Mittelschulen im Landkreis haben Medienkonzepte erarbeitet, die den jeweiligen Bedarf abbilden. "Wir haben die Konzepte den Schulen überlassen." Wichtig für den Schulamtsdirektor: Das "digitale Klassenzimmer" ist kein Selbstzweck, sondern soll den Kindern und Lehrern einen Mehrwert bieten. Klassischer Unterricht mit Tafel, Bildung mit Stift und Heft würde nicht abgelöst, sondern ergänzt, auf "Einmaleins und Rechtschreibung" weiter großer Wert gelegt. Bei Kindern wie Eltern und Lehrern solle das Bewusstsein dafür geschärft werden, wo digitale Medien sinnvolle Hilfen bieten können. Die Ausstattung der Schulen mit schnellem Internet gehe dank der Unterstützung des Landkreises gut voran, sagte Kick. Das Schulamt könne den Schulen und Kommunen auch kompetente Beratung bieten. Die hat der Koordinator für digitale Bildung, Konrektor Alexander Friedl (Mittelschule Neunburg) übernommen. Neben der Ausstattung ist natürlich auch die entsprechende Fortbildung der Lehrer ein wichtiges Thema. "Das ist ein riesiger Aufwand. Aber wir haben eine motivierte Mannschaft", sagt Kick.

Das ist ein riesiger Aufwand. Aber wir haben eine motivierte Mannschaft.

Schulamtsdirektor Georg Kick

Stellen für Systembetreuer nötig:

Kommunen hoffen auf Zuschüsse

Eine Aufgabe, mit der sich die Sachaufwandsträger - also der Landkreis und die Kommunen - für die Schulen noch konfrontiert sehen, ist die technische Betreuung der IT-Anlagen und -Geräte. Das übernehmen derzeit in erster Linie Lehrer oder die EDV-Beauftragten der Rathäuser. Über kurz oder lang werden hier aber Stellen geschaffen werden müssen. Die Frage sei nicht das ob, sondern eher das "wie viele", meint Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl, der mit dem Thema auch als Bürgermeister von Stulln konfrontiert ist. Schulamtsdirektor Kick stellte aus seiner Sicht klar, dass diese Aufgabe künftig nicht mehr komplett vom pädagogischen Personal - das der Freistaat bezahlt - erledigt werden könne. Der Landkreis hat bislang drei feste Schulbetreuer (IT Fachkräfte) für die Landkreisschulen im Einsatz. Die kommunale Familie dränge darauf, dass der Freistaat zumindest Zuschüsse für Systembetreuer bezahlt, sagte Prechtl. Da sind aber offenbar noch dicke Bretter zu bohren. (ch)

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