04.08.2021 - 19:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

An Schulkinder denken: Impfen lassen

Mit einem dringenden Appell wenden sich die Kinderärzte des Landkreises zum Schuljahresende an alle Eltern: "Nutzen Sie den Sommer und nehmen Sie die aktuellen Impfangebote wahr." Auch Kinder können sich impfen lassen.

Der schützende Piks vor dem Coronavirus ist nur noch eine Frage von Millimetern. Oberarm freimachen, Piks, Tupfer, Heftpflaster – fertig.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der Aufruf stammt aus dem Gesundheitsamt Schwandorf und wurde verfasst von Abteilungsleiterin Daniela Hierhammer und Stefanie Bauer. Stellvertretend für die Mediziner Andrea Högl und Gregor Zuj, sowie Kathrin Mothes, die ihre Kinderarztpraxen in Schwandorf haben, für Stefan Weickardt und Regina Schwindler von der Kinderarztpraxis Nabburg, den Burglengenfelder Kinderärzten Bernd Aulinger und Anja Litzka und der Kinderarztpraxis Neunburg vorm Wald von Diana Boudova sprechen sie zunächst von einem "turbulenten und für uns alle anstrengenden Schul- oder Kindergartenjahr 2020/2021". Alle Ärzte würden sich wünschen, "dass unsere Kinder- und Jugendlichen im kommenden Jahr 2021/2022 wieder täglich die Schule oder den Kindergarten besuchen können".

Da "die allermeisten Kinder und Jugendlichen" im nächsten Schuljahr noch nicht gegen Covid-19 geimpft sein werden, sei auch im kommenden Herbst mit Infektionen zu rechnen, die nach den aktuellen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben zu Klassen-/Gruppen- oder Schulschließungen führen werden. "Sollte die Fallzahl unter den Kindern und Jugendlichen sehr groß sein, sind unseres Erachtens auch Wechsel- oder Distanzunterricht nicht völlig auszuschließen," macht Daniela Hierhammer deutlich.

Da die politischen Entscheidungen zu Quarantäne oder Wechsel- und Distanzunterricht vor Ort nur gering beeinflusst werden könnten, bleibe Eltern nur die Möglichkeit, die Kinder- und Jugendlichen soweit es geht vor Erkrankungen zu schützen. Hier sei es "wichtig, dass im Umfeld der Kinder- und Jugendlichen so viele Menschen wie möglich immun gegen Covid-19 sind, also geimpft oder genesen". So lautet die Bitte der Ärzte: "Nutzen Sie den Sommer und nehmen Sie die aktuellen Impfangebote wahr." In den Impfzentren in Nabburg und Maxhütte-Haidhof sowie bei den niedergelassenen Ärzten sei aktuell genügend Impfstoff vorhanden, um alle erwachsenen Familienmitglieder, also Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel gegen Covid-19 impfen zu können.

Dr. Regina Schwindler, die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin aus Nabburg, die den Appell mit unterschrieben hat, blickt beim Thema Impfen auch auf die Kinder und Jugendlichen. Sie sieht derzeit allerdings geringen Impfbedarf. Jugendliche mit chronischen Vorerkrankungen seien bereits geimpft worden, berichtet sie. Grundsätzlich könnten sich junge Leute ab 12 Jahren bei ihr in der Praxis für eine Impfung entscheiden, wofür ein Impfstoff von BioNTech zur Verfügung stehe. "Wir orientieren uns dabei an den Empfehlungen der Stän­digen Impf­kom­mis­sion," versichert die Medizinerin und verweist auf individuelle Arztgespräche mit den jungen Impfwilligen.

Die Ärztin weiß aus ihrer Erfahrung, "dass wir bei Kindern und Jugendlichen kaum schwere Fälle durch Corona erleben". Und auch, dass man keine Langzeit- oder Spätfolgen sehen könne, sei "sehr erfreulich". Grundsätzlich ruft Dr. Regina Schwindler alle jungen Menschen zwischen 18 und 20 Jahren dazu auf, sich impfen zu lassen. Sie hat dabei auch die sogenannte Herdenimmunität im Blick. Sie wird erzielt, wenn so viele durch Impfung oder frühere Erkrankung immun gegen die Krankheit geworden sind, dass jede Infektionskette schnell wieder abbricht. So kann sich die Krankheit nicht weiter ausbreiten und auch Nicht-Geimpfte sind geschützt. Den Aufruf aus dem Gesundheitsamt unterstützt sie voll und ganz. Ziel sei doch, "dass auch im neuen Schuljahr die Kinder wieder in die Schule gehen können".

Corona-Situation und aktuelle Impfzahlen

Schwandorf
Hintergrund:

Empfehlungen der Stiko

  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung gegen Covid-19 mit einem der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe (Comirnaty von BioNTech/Pfizer, Covid-19-Vaccine von Moderna) oder einer der beiden zugelassenen Vektor-basierten Impfstoffe (Vaxzevria von AstraZeneca, Covid-19 Vaccine Janssen von Janssen-Cilag International).
  • Die Stiko empfiehlt bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer).
  • Der Einsatz von Comirnaty bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich.

"Grundsätzlich könnten sich junge Leute ab zwölf Jahren bei uns in der Praxis für eine Impfung entscheiden."

Dr. Regina Schwindler, Nabburg, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

Dr. Regina Schwindler, Nabburg, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

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