Bei der Verbandsversammlung zum 36. Bundestreffen des Heimatverbandes der Falkenauer am Sonntag im Konrad-Max-Kunz-Saal in Schwandorf bestimmten die Mitglieder die beiden Vorsitzenden Gerhard Hampl und Otto Ulsperger zu Liquidatoren und beauftragten sie mit der Abwicklung der Vereinsgeschäfte bis zum Ende des Jahres. Im Auflösungsvertrag verpflichtet sich die Stadt Schwandorf, die "kulturhistorisch wertvollen Gegenstände des Heimatverbandes" zu bewahren.
Der Fundus besteht aus 2400 Büchern und Schriften, unzähligen Fotos und Urkunden sowie Schautafeln und in Vitrinen gelagerten Gegenständen. "Alles ist archiviert und katalogisiert", versichert Willi Dörfler. Der 1935 in Pürgles im Kreis Falkenau geborene Museumsleiter wurde mit seiner Familie nach dem Krieg in das Landesinnere verschleppt, kam 1949 auf Umwegen zu Verwandten nach Schwandorf und arbeitete bei der Eisenbahn. Er ist jeden ersten Donnerstag im Monat von 9 bis 16 Uhr vor Ort und bietet eine Führung durch die drei Räume im Stettnerhaus an. Der knapp 300 Mitglieder zählende Heimatverband hinterlässt ein mittleres fünfstelliges Vermögen, das nun in den Besitz der Stadt übergeht. Mit dem Geld soll der Nachlass verwaltet werden.
Das 36. Bundestreffen der Vertriebenen und Spätaussiedler begann am Sonntagfrüh mit der Kranzniederlegung am "Wastl" in der Kreuzbergallee. Die Stadt Schwandorf stehe in der Pflicht, das Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung aufrecht zu erhalten, betonte Oberbürgermeister Andreas Feller in seiner Ansprache. Verbandsvorsitzender Gerhard Hampl verneigte sich vor den Opfern, "die in den Todesmärschen und in den Lagern ihr Leben verloren haben". Sie hätten "unmenschliches Leid erfahren, nur weil sie Deutsche waren". Hampl gedachte auch derer, die wegen ihres Glaubens, ihrer Kultur und ihrer Rasse verfolgt und getötet wurden. Stadtpfarrer Christian Kalis verurteilte "menschenverachtende Ideologien" und mahnte zum Ausstieg aus dem "Teufelskreis der Gewalt".
Am 13. September 1959 unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Dr. Josef Pichl (Schwandorf) und Dr. Hermann Bekker (Sokolov) eine Patenschaftsurkunde und legten den Grundstein für die Gründung des Heimatverbandes der Falkenauer drei Jahre später. Am 17. April 2000 unterschrieben dann deren Nachfolger Hans Kraus (Schwandorf) und Karel Cernik (Sokolov) einen Partnerschaftsvertrag und vertieften eine Beziehung, die heute als beispielhaft gilt für den bayerisch-böhmischen Kulturraum. Die Mitglieder der beiden Partnerschaftskomitees Schwandorf und Sokolov pflegen einen regen Austausch auf sportlichem und kulturellem Gebiet.
Die nächste gemeinsame Veranstaltung ist das Benefizkonzert "Herbstzauber" zugunsten des "Bruder-Gerhard-Hospiz", das Chöre aus den beiden Partnerstädten am 27. Oktober in der Kreuzbergkirche gestalten werden.
Geschichte der Partnerschaft Schwandorf-Sokolov
- 1959: Gründung einer Patenschaft
- 1962: Gründung des Heimatverbandes der Falkenauer
- 2000: Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages
- Ende 2023: Auflösung des Heimatverbandes und Übernahme des Erbes durch die Stadt Schwandorf













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