30.09.2020 - 12:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Arbeitsmarkt: Pandemie ist noch nicht ausgestanden

Die Zahl der Arbeitslosen ist im September im Landkreis Schwandorf spürbar gesunken. Ein Blick auf die Vorjahreswerte offenbart aber die heftigen Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Die Zahl der Arbeitslosen im Schwandorfer Bezirk der Agentur für Arbeit ist im September leicht gesunken, liegt aber um mehr als ein Drittel über dem Vorjahreswert.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Im Bezirk der Geschäftsstelle Schwandorf der Agentur für Arbeit (Landkreis ohne Oberviechtach) ging die Arbeitslosigkeit von August auf September spürbar zurück. Mitte des Monats waren knapp 2850 Personen arbeitslos gemeldet, rund 210 Arbeitnehmer oder 6,8 Prozent weniger als im August. Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres stieg die Arbeitslosigkeit allerdings stark an: Um rund 760 Personen oder 36,2 Prozent.

„Die Pandemie ist noch nicht ausgestanden, aber die Lage hat sich wie in den Vormonaten weiter entspannt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie stark sich die aktuell wieder steigenden Infektionszahlen in den Folgemonaten auf den Schwandorfer Arbeitsmarkt auswirken“, wird Markus Nitsch, Chef der Agentur für Arbeit Schwandorf, in einer Pressemitteilung zitiert. Im Laufe des Monats beendeten rund 330 Personen ihre Arbeitslosigkeit und nahmen eine Beschäftigung auf. Das war genau eine Person weniger als im Vorjahresmonat. Im Gegenzug meldeten sich aus einer Beschäftigung heraus zirka 300 Personen arbeitslos, das waren rund 20 Arbeitnehmer oder 7,4 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Saisontypisch sei vor allem die Zahl der jüngeren Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen, so die Agentur. Viele Jugendliche haben nach der Ferien- und Urlaubszeit eine Anstellung gefunden oder eine Ausbildung aufgenommen und beendeten so ihre Arbeitslosigkeit. So ging die Zahl der 15- bis unter 25-jährigen Arbeitslosen binnen Monatsfrist um 20 Prozent zurück.

Die Arbeitslosenquote sank von 3,9 Prozent im August auf 3,6 Prozent im September. Vor einem Jahr hatte die Quote noch 2,7 Prozent betragen. Die Kräftenachfrage der Arbeitgeber liegt unter dem Niveau des Vorjahres. Im gemeinsamen Stellenpool der Arbeitsagentur und des Jobcenters waren im September rund 1470 Angebote gemeldet, knapp 460 Offerten oder 23,7 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Seit Jahresbeginn meldeten die Betriebe und Verwaltungen rund 2570 offene Stellen und somit etwa ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. "Der Rückgang der offenen Stellen hängt zwar teilweise, aber nicht nur mit der Pandemie zusammen. Auch die Schwächephase im verarbeitenden Gewerbe wirkt sich bis jetzt aus. Diese hatte sich im Agenturbezirk bereits in der zweiten Hälfte des Vorjahres bemerkbar gemacht", sagte Markus Nitsch. Getroffen habe diese Entwicklung vor allem Arbeitnehmer in Helferjobs. Durch die Coronakrise nahm das Risiko des Jobverlusts für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss noch weiter zu.

"Fachkräfte haben noch immer gute Einstellungsaussichten auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Für Geringqualifizierte ist die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz hingegen deutlich herausfordernder. Die Agentur für Arbeit unterstützt daher arbeitslose Menschen und Beschäftigte auf dem Weg der beruflichen Weiterbildung. Durch einen Berufsabschluss sinkt sowohl das Risiko des Jobverlustes als auch einer längeren Arbeitslosigkeit", berichtet der Agenturleiter.

Im Blickpunkt:

11650 Beschäftigte in Kurzarbeit

Erstmals liegen zum Thema Kurzarbeit nun endgültige Statistik-Zahlen für einen Krisenmonat vor und nicht mehr nur noch Hochrechnungen. Im März gab es im Agenturbezirk (Kreise Amberg-Sulzbach, Schwandorf und Cham sowie Stadt Amberg) rund 12900 Kurzarbeiter in 1580 Betrieben. Bei den Zahlen für April und Mai handelt es sich hingegen noch um Hochrechnungen. Laut Agentur für Arbeit waren im April demnach alleine im Landkreis Schwandorf 11650 Beschäftigte in rund 960 Betrieben von Kurzarbeit betroffen. Im Gsamtbezirk waren es im April rund 33300 Kurzarbeiter in rund 2940 Betrieben, im Mai rund 31410 Kurzarbeiter in etwa 2560 Betrieben. „Die Zahlen geben eine grobe Orientierung, wie stark die Krise die Region im April und Mai getroffen hat. In Tausenden Betrieben konnte gar nicht oder nur sehr eingeschränkt gearbeitet werden. Zehntausende Arbeitnehmer mussten Einkommenseinbußen hinnehmen. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens bleibt zu hoffen, dass im Herbst und Winter keine Wiederholung folgt“, sagt Agenturchef Markus Nitsch.

Der Rückgang der offenen Stellen hängt zwar teilweise, aber nicht nur mit der Pandemie zusammen. Auch die Schwächephase im verarbeitenden Gewerbe wirkt sich bis jetzt aus.

Markus Nitsch, Chef der Agentur für Arbeit

Markus Nitsch, Chef der Agentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt im August

Schwandorf
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