02.09.2020 - 16:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Experten über Gassigeh-Pflicht

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will Hundehalter zum Gassigehen und verpflichten und Hunde von der Kette nehmen. Ein Plan, der Zweifel bei den Hundeexperten im Kreis Schwandorf hervorruft. Besonders die Kette macht Sorgen.

Hundehalter sollen ab nächstem Jahr dazu verpflichtet werden, ihrem Hund genügend Auslauf zu garantieren.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Immer mehr Menschen in der Region sind auf den Hund gekommen. Die Coronakrise war bei vielen der Auslöser dafür, sich ein Haustier anzuschaffen. Doch nicht alle Hunde haben ein artgerechtes Leben. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht Handlungsbedarf und möchte den Tieren mit einer Verordnung genügend Auslauf und Betreuung garantieren. Der Ansatz ist gut, meinen Experten aus der Region, ob der Vorstoß aber auch in der Praxis Früchte trägt, muss sich erst zeigen.

Klöckner zufolge soll die Verordnung garantieren, dass Hunde mindestens zwei Mal am Tag für insgesamt mindestens eine Stunde am Tag ausgeführt werden. Eine Sache, die laut Gabi Hahn, der Vorsitzenden des Schwandorfer Tierschutzvereins, für "85 Prozent der Hundehalter" sowieso selbstverständlich ist. "Diese Leute gehen anständig mit ihren Tieren um", sagt sie. Sie glaubt aber, dass es auch mit Verordnung nicht möglich sein wird, zu kontrollieren, ob sich andere Halter an die Vorgaben halten.

Nicht über einen Kamm scheren

"Wir machen immer wieder Besuche, wenn uns mitgeteilt wird, dass ein Hund nie rauskommt", sagt Hahn. "Die lügen dann einfach. Wenn wir sie damit konfrontieren, sagen sie, dass das nicht stimmt." Der Tierschutz kann keine Tiere wegnehmen. Das geht nur über das Veterinäramt. Das Amt aber kann auch nur dann handeln, wenn es jemanden gibt, der bezeugt, dass das Tierwohl in Gefahr ist.

Jürgen Schwarz vom Verein für deutsche Schäferhunde in Wernberg-Köblitz gibt zudem zu Bedenken, dass eine pauschale Gassi-Geh-Zeit nicht unbedingt sinnvoll ist. "Eine Rentnerin mit 85, die einen acht Jahre alten Mops hat, kann nicht so lange mit dem Hund raus. Das schafft das Tier auch nicht", sagt der Veterinär. Besitzer und Hunderassen ließen sich nicht über einen Kamm scheren.

In dasselbe Horn stößt auch Erich Bösl vom Schwandorfer Verein für Deutsche Schäferhunde. "Ich bin der Meinung der Hund fühlt sich genau so wohl, wenn er im großen Garten mit seinem Herrchen oder Frauchen Ball spielen darf als wenn er eintönig spazieren gehen darf, soll oder muss. Sicherlich kommt es auch auf die Größe des Hundes an", sagt er. Er erinnert auch daran, dass bei den Hundebesitzern zum Teil Schichtarbeiter dabei sind, die ihre Hunde vielleicht schon morgens um fünf Uhr ausführen. So etwas zu kontrollieren, sei nur schwer vorstellbar. Er ist allgemein skeptisch, ob Klöckners Verordnung etwas bewirkt, denn eine Tierschutzverordnung gibt es bereits. Bösl: "Nach meinem Dafürhalten ist hier alles geregelt. Wann und wie sich der Hund wohl fühlt, können wir nicht entscheiden."

Mehr Interesse seit Corona

Hahn und ihre Kollegen haben ebenfalls gemerkt, dass das Interesse der Menschen an einem Haustier während der Coronapandemie gestiegen ist. "Bei uns ist rund die Hälfte der Interessenten abgeblitzt", sagt die Tierschützerin. Grund sei, dass sie den Eindruck hatte, dass einige Leute nur aus einer Laune heraus einen Hund oder eine Katze zulegen wollten. "Viele sagten, sie säßen gerade im Homeoffice, hatten aber keinen rechten Plan, wie es in der Zeit danach weitergehen soll", sagt Hahn. Ob und wie viele Hunde in den nächsten Monaten in den Tierheimen unterkommen werden, kann Hahn nicht sagen. "Wir haben jedenfalls nicht dazu beigetragen."

Begrüßenswert findet Hahn die Regelung, dass sich sowohl private als auch professionelle Hundezüchter künftig mindestens vier Stunden um Welpen kümmern müssen und pro Person höchstens drei Würfe betreuen dürfen. "Das ist sinnvoll, um den Massenvermehrern Einhalt zu gebieten", sagt Hahn. Dabei handelt es sich zum Züchter, die verschiedene Hunderassen auf einmal züchten, um Kunden das bieten zu können, was gerade angesagt ist. Eine Praxis, die sich laut Hahn sowieso komplett verboten gehöre.

Viele sagten, sie säßen gerade im Homeoffice, hatten aber keinen rechten Plan, wie es in der Zeit danach weitergehen soll.

Gabi Hahn, Vorsitzende des Schwandorfer Tierschutzvereins

Gabi Hahn, Vorsitzende des Schwandorfer Tierschutzvereins

Hobby-Züchter sind gewissenhaft

Jürgen Schwarz bricht eine Lanze für die Hobby-Züchter in der Region. "Die, die das als Hobby machen, machen das gerne und deshalb auch gewissenhaft. Davon leben können sie auch nicht", sagt der Tierarzt. Problematischer sieht er die Züchter, die ihre Hunde im Ausland züchten und sie dann an der Grenze verkaufen. Solche Geschäfte haben seit Beginn der Coronapandemie zugenommen. Sie wären von der neuen Regelung nicht betroffen. Schwarz befürchtet, dass solche Händler sogar noch mehr Auftrieb bekommen könnten.

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Problemhund Kettenhund

Klöckner sieht vor, dass Kettenhunde von der Leine kommen. Hunde ununterbrochen anzuketten, soll grundsätzlich verboten werden. Hahn sagt dazu: "Das ist sicherlich gut gemeint." Ob das aber auch funktioniert, bezweifelt sie. Hahn kennt auch Kettenhunde im Landkreis Schwandorf. Dabei handle es sich zumeist um Hofhunde auf landwirtschaftlichen Anwesen. Was die Besitzer machen, wenn sie das Tier nicht mehr an der Kette halten dürfen, kann Hahn nicht genau sagen. "Wenn sie nett sind, dann bauen sie dem Hund einen Zwinger", sagt sie. Sollten die Besitzer ihrem Tier nicht so wohlgesonnen sein, befürchtet sie, dass manche ihren Hund töten könnten.

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