26.08.2020 - 18:38 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Dank Corona plötzlich tierlieb

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Die Coronakrise hat auch dort Auswirkungen, wo man sie nicht unbedingt erwarten würde: auf dem Tiermarkt zum Beispiel. Manch Lockdown-Geschädigter hat in der Isolation plötzlich seine Tierliebe entdeckt.

Ein Tier aus dem Heim holen - auf diese Idee kamen in der Coronakrise offensichtlich viele, die plötzlich mehr Zeit hatten als gewöhnlich.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

"Der Tiermarkt ist wie leer gefegt", sagt eine Weidener Amtstierärztin auf Nachfrage. "Und auch die Preise für Hunde oder Katzen sind enorm gestiegen." Das sei wohl eine unmittelbare Folge von Kurzarbeit und Homeoffice, "denn das ermöglicht vielen eben die Tierhaltung, gerade auch Familien". Fraglich bleibt dabei, ob die frischgebackenen Tierhalter auch daran gedacht haben, wie es nach der Rückkehr in normale Arbeits- und Unterrichtsverhältnisse weitergeht. "Hunde und Katzen sollten schließlich nicht regelmäßig länger allein gelassen werden", betont die Veterinärin.

Tierheime schauen "genau hin"

Regionale Tierheime bestätigen den Trend. "Tatsächlich kommen viele, die jetzt zu Hause sind, auf die Idee, sich ein Tier anzuschaffen", sagt die stellvertretende Leiterin des Amberger Tierheims, Jennifer Caudill. "Erst gestern haben drei Leute nach Welpen gefragt. Viele machen sich aber keine rechten Gedanken, was ein Tier bedeutet." Es sei schwierig festzustellen, wie ernsthaft das neu entdeckte Interesse an einem Hund oder einer Katze ist. "Deshalb müssen wir ganz genau hinschauen und Vorgespräche führen." Denn die Vierbeiner sollen schließlich auf einem "guten Platz" landen. Caudill betont: "Wir müssen abklären, ob die Leute arbeiten, wie ihre Arbeitszeiten sind und wer sich um das Tier kümmert, wenn acht, neun Stunden am Tag niemand zu Hause ist." Sorgen bereiten Caudill auch Eltern, die in der Coronakrise Meerschweinchen und Kaninchen "als Kinderbeschäftigung anschaffen wollen. Denn das sind in Wirklichkeit gar keine Kuscheltiere, da sind viele einfach schlecht informiert". Das Tierheim Amberg vermittle daher in solchen Fällen keine Tiere. "Außerdem braucht ein einziges Kaninchen mindestens vier Quadratmeter Platz." Und Käfighaltung gehe gar nicht.

Auch im Schwandorfer Tierheim mehrten sich in den vergangenen Monaten die Anfragen, sagt die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Renate Müller. "Es waren viele Leute da und haben gesagt, sie hätten jetzt Zeit für einen Hund." Bekommen hätten sie allein deshalb keinen: "Denn was machen sie dann später mit dem Tier? Wir haben weiter ganz normal vermittelt." Dabei seien die Käfige voll, "momentan haben wir allein 15 Hunde da". Wegen Corona sei ein Besuch im Tierheim momentan nur nach vorheriger Terminabsprache möglich. "Deshalb ist bei uns eigentlich trotzdem alles ruhig verlaufen", glaubt Müller.

Weiden in der Oberpfalz

Weiden nicht betroffen

Einzig am Tierheim Weiden scheint die Coronakrise völlig spurlos vorüberzugehen. Leiterin Jutta Böhm kann nicht von vermehrten Anfragen berichten, "das ist vielleicht in Großstädten so, aber nicht bei uns". Hunde würde sie ohnehin schon seit Jahren kaum noch vermitteln, sagt Böhm: "Wir haben gar keine mehr da bis auf ein paar schwierige Fälle, die bei uns quasi ihr Gnadenbrot bekommen." Diese Tiere seien schon seit Jahren im Heim und nicht mehr vermittelbar. "Katzen haben wir immer genügend. Aber bei Hunden ist es nicht mehr wie früher, dass da was übers Tierheim läuft, das geht heutzutage alles über Facebook und Ebay", sagt Böhm.

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