25.07.2018 - 15:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwere Folgen, dennoch Rabatt

Der Richter reduziert die Dauer eines Fahrverbots. Denn er möchte einen angeklagten Berufskraftfahrer nicht in Existenznot bringen.

Justiz
von Autor HOUProfil

Stau auf der A 93. Ein Lkw-Fahrer bemerkt die stehenden Fahrzeuge zu spät, rammt einen Personenwagen und schiebt ihn unter den davor haltenden Sattelzug. Drei Schwerverletzte müssen geborgen werden. Der Verursacher (69) sagt vor Gericht: "Es tut mir unendlich leid."

Es ist kurz vor 15 Uhr an diesem 26. Juli letzten Jahres. Auf der Autobahn A 93 unweit der Ausfahrt Schwandorf-Nord hat sich baustellenbedingt ein Fahrzeugstau gebildet. Es kommt zu dem Unfall. Alarmierte Feuerwehrleute müssen die drei Insassen des Autos mit teilweise schwersten Verletzungen aus dem Wrack bergen. Am schlimmsten hat es eine 28-Jährige aus dem Raum Nabburg erwischt. Sie muss mit einem Helicopter nach Regensburg ins Uniklinikum geflogen werden. Auf weit über 100 000 Euro wird der Schaden geschätzt.

Vor Amtsrichter Thomas Heydn saß nun der Verursacher des Verkehrsunfalls. Der Mann aus Ingolstadt hatte über seinen Regensburger Anwalt Shervin Ameri Einspruch gegen einen Strafbefehl einlegen lassen. Nicht, weil er sich unschuldig fühlte. Worum ging es? Die Staatsanwaltschaft Amberg hatte nach Abschluss ihrer Ermittlungen eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro und zwei Monate Fahrverbot beim zuständigen Richter erwirkt. Eine achtwöchige Lizenzsperre aber hätte den Oberbayern seinen Job bei einer Spedition gekostet.

Sein Mandant, so führte Verteidiger Ameri vor Augen, brauche aber trotz seines fortgeschrittenen Alters diese Arbeit als Kraftfahrer. Er lebe von 900 Euro Rente, habe eine kranke Frau und müsse über 800 Euro Miete monatlich zahlen. Da sei er auf ein Zubrot dringend angewiesen. Das aber entfalle, wenn man ihn im Unternehmen nicht länger beschäftige.

Staatsanwältin Franziska Meinl beharrte darauf: "Es müssen schon zwei Monate sein." Anwalt Ameri unterstrich: "Es genügen auch vier Wochen. In dieser Zeit kann er Urlaub nehmen." Richter Heydn sah die Existenznot des Mannes und reduzierte das Fahrverbot auf einen Monat. Unbenommen bleibt die Geldstrafe bei 3000 Euro. Ob weitere Forderungen zivilrechtlicher Art auf den 69-Jährigen zukommen, wurde im Prozess nicht erörtert.

Am Unfallort war es seinerzeit noch zu einem Zwischenfall gekommen, der nichts mit dem Auffahrunfall zu tun hatte. Ein Einsatzfahrzeug geriet damals gegen einen gelandeten Rettungshubschrauber. Dessen Rotorblätter wurden dabei so in Mitleidenschaft gezogen, dass man den Schaden auf rund 300 000 Euro schätzte.

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