Update 20.10.2020 - 16:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Seltsame Geschichte um Raubüberfall und Drogenhandel

Seltsamer geht es kaum. Nachts ruft ein Mann laut um Hilfe, teilt eintreffenden Polizisten einen an ihm verübten Raubüberfall mit und hat, als man ihn durchsucht, knapp 80 Gramm Heroin dabei.

von Autor HWOProfil

Heuer am 21. April ertönten kurz nach 22.30 Uhr laute Hilferufe auf einer Straße im südlichen Landkreis. Ein Anwohner hörte diese Schreie, eilte hinaus ins Freie und sah dort einen 42-Jährigen, der aufgeregt von einem Raubüberfall erzählte. Daraufhin nahm ihn der Helfer fürsorglich mit in seine Wohnung und rief die Polizei. Unmittelbar darauf löste die Einsatzzentrale eine Fahndung aus, an der sich Streifenwagen aus zahlreichen Revieren beteiligten. Gesucht wurden zwei unbekannte männliche Gestalten, die den 42-Jährigen angeblich massiv geschlagen und ihm neben einer Monatskarte für die Bahn auch den Geldbeutel und sein Handy abgenommen hatten. "Die Angaben wirkten zunächst sehr glaubhaft", erzählten nun mehrere Uniformierte vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Doch dann, so erfuhren die Richter weiter, sei man stutzig geworden.

Plötzlich gab es eklatante Widersprüche. Der 42-Jährige wurde deshalb aufgefordert, seine Taschen zu leeren. Zum Vorschein kam ein Beutel, in dem sich eine bräunliche Substanz befand. Es handelte sich um knapp 80 Gramm Heroin. Daraufhin nahm man den während seiner Befragungen immer wieder weinenden Mann fest. Noch in der gleichen Nacht wurde seine Wohnung durchsucht. Dabei fanden Beamte des Kriminaldauerdienstes weitere zwei Gramm Heroin und eine offenbar zum Drogenhandel benutzte Feinwaage.

Warum geht jemand her und erfindet einen Überfall, wenn er Heroin im Schwarzmarktwert von etlichen tausend Euro bei sich trägt? Auf diese Frage bekam der die Erste Strafkammer führende Richter Christian Frey keine Antwort. Verteidiger Peter Grau (Burglengenfeld) ließ im Auftrag seines Mandanten lediglich erkennen: "Der Sachverhalt ist im Wesentlichen so richtig." Ansonsten gab es keine weiteren Angaben. Auch nicht dazu, woher das Heroin stammte und wer es hätte erhalten sollen.

Die Zeugen in dem Verfahren stammten nahezu ausschließlich aus den Reihen der Polizei. Sie schilderten ihre Erlebnisse in der fraglichen Nacht und ließen erkennen, dass man zunächst von einem Überfall ausgehen musste. Später wussten die Ordnungshüter dann aber auch, dass es in den davor liegenden Jahren mehrfach Ermittlungen im Zusammenhang mit Drogen gegen den 42-Jährigen gegeben hatte. Sie endeten in einem Fall mit 16 Monaten Haft zur Bewährung. Der Beschuldigte ist offenbar selbst rauschgiftabhängig. Darauf deutete eine Äußerung von Richter Frey hin. "Es könnte", so ließ er anklingen, "eine Unterbringung in der Entzugstherapie im Raum stehen." So kam es dann nach eintägigem Prozess. Der Mann erhielt drei Jahre und neun Monate Haft. Er darf allerdings parallel dazu eine langfristige Entzugsmaßnahme antreten. Dazu hatte eine Sachverständige geraten.

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