16.10.2020 - 11:17 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Sexueller Missbrauch im Internet: "Alles, was komisch klingt, ist auch komisch"

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Das Urteil des Landgerichts Schwandorf zum Missbrauch eines 13-Jährigen im Internet wirft Fragen auf: Wann sind Grenzen überschritten und wie reagieren Eltern richtig? Barbara Arendt, Präventionsexpertin der Oberpfälzer Polizei, klärt auf.

Täter benutzen oft Foren im Internet, um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen herzustellen - und einen Missbrauch vorzubereiten.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Sexueller Missbrauch bahnt sich oft im Internet an. Die Täter besuchen gezielt Spielplattformen und Chats, in denen Kinder unterwegs sind. Überall, wo eine Kontaktaufnahme möglich ist, bestehen auch Gefahren, zumindest potentiell. Wie sich diese besser erkennen lassen, erklärt Barbara Arendt, Expertin des Oberpfälzer Polizeipräsidiums für Kriminalitätsopfer.

ONETZ: Wann sollten Kinder und Jugendliche im Netz Verdacht schöpfen?

Barbara Arendt: Sexualstraftäter gehen sehr geschickt vor, sie manipulieren Kinder und missbrauchen Vertrauen. Ihr Vorgehen ist meistens strikt geplant, sie gehen stufenweise vor und fordern Geheimhaltung. Das ist ein wichtiges Alarmsignal. Kinder sollten den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Geheimnis kennen. Es gilt: Alles, was komisch klingt, ist auch komisch.

ONETZ: Wie können Eltern Missbrauch oder den Versuch dazu erkennen?

Barbara Arendt: Ein stabiles Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kinder ist essentiell. Natürlich können Eltern bei Pubertierenden nicht mehr das Handy kontrollieren. Umso wichtiger ist Aufklärung Zuhause und in der Schule. Kinder müssen selbst Risiken erkennen lernen. Dazu zählt auch Sexting, das Hin- und Herschicken von Nacktfotos.

Polizeihauptkommissarin Barbara Arendt ist Beauftragte der Oberpfälzer Polizei für Kriminalitätsopfer.

ONETZ: Wie sollten Eltern im Verdachtsfall konkret reagieren?

Barbara Arendt: Eltern sollten dem Kind in einem offenen Gespräch zuhören und ihm Glauben schenken. Auf keinen Fall dürfen Schuldvorwürfe gemacht oder dem Kind ein schlechtes Gewissen eingeredet werden. Die weiteren Schritte sollten gemeinsam besprochen und nicht über den Kopf des Kindes hinweg die Polizei informiert werden. Ganz wichtig: Chatverläufe und Bilder sichern als Beweismittel für die Polizei.

Hilfen und Rat finden betroffene Kinder, Jugendliche und Eltern bei folgenden Beratungsstellen:

  • Barbara Arendt, Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer: 0941/5061333
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111
  • Nummer gegen Kummer für Eltern und Erwachsene: 0800 111 0550

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Weiden in der Oberpfalz
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