09.05.2022 - 17:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Söder zum Schwandorfer Landkreisjubiläum: „Vom Brennpunkt zum Zugpferd“

Einst strukturschwach, heute bärenstark: Ministerpräsident Markus Söder spart in seiner Gratulation zum Jubiläum des Landkreises Schwandorf nicht mit Lob. Zum Festakt in der Oberpfalzhalle hat er auch eine Zusage dabei.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Mit Städten allein ist kein Staat zu machen. Deshalb sei der ländliche Raum so wichtig, betonte Ministerpräsident Markus Söder am Montag beim Festakt "50 Jahre Landkreis Schwandorf" im Kunz-Saal der Oberpfalzhalle. Er zollte all denjenigen Respekt, die in diesem halben Jahrhundert aus der einst strukturschwachen eine jetzt bärenstarke Region geformt haben. Auf dem Weg des Strukturwandels von Braunkohle und Metallindustrie über die "emotional schwierige Zeit der WAA" bis hin zum wirtschaftlichen Zugpferd der Oberpfalz "hätte man auch oft scheitern können", meinte Söder. Dem neuen Landkreis sei es aber gelungen, den Charakter zu behalten und nach vorne zu blicken. Auch mit einem beeindruckenden Landratsamt, "direkt neben dem Bad, da stimmt die Work-Life-Balance für den Landrat".

Landrat Thomas Ebeling und seine Vorgänger Hans Schuierer und Volker Liedtke hörten das Lob für die Arbeit in der ersten Reihe, zusammen mit vielen aktuell und ehemals Verantwortlichen. Viele haben in Erinnerung, welche Kämpfe die Gebietsreform 1972 ausgelöst hatte. Söder erinnerte daran, dass von einst 7053 Gemeinden gerade noch gut 2000 selbstständig blieben, die Zahl der Landkreise halbiert wurde. Schwer vorstellbar heute, meinte Söder, heute zur Hälfte der Landräte zu sagen: "War eine schöne Zeit mit dir, aber künftig machst du stellvertretenden Landrat".

Eine Gebietsreform jedenfalls plane die Staatsregierung nicht, sagte Söder. Die Zusammenlegung, angetrieben vom damaligen Ministerpräsident Alfons Goppel und Innenminister Bruno Merk, nannte er eine "Montgelas'sche Aufgabe" - nur dass die Fehler des Ministers aus dem frühen 19. Jahrhundert nicht wiederholt werden sollten. "Die bayerische Seele war in Aufruhr", meinte Söder mit Blick auf die 1970er-Jahre. Aber, wie häufig in der Politik: "Alle waren zuerst dagegen, dann alle dafür." Die mutige Entscheidung, aus den Landkreisen Burglengenfeld, Nabburg, Oberviechtach, Neunburg, Teilen von Roding und der kreisfreien Stadt Schwandorf ein neues Ganzes zu schaffen, habe sich bewährt.

50 Prozent Wachstum seit 2009

"Ohne Schwandorf ginge es Deutschland schlechter", sagte Söder und nannte Zahlen. Seit 2009 sei das Bruttoinlandsprodukt im Landkreis um 50 Prozent gewachsen. Mehr als im Schnitt Bayerns und auch Deutschlands. "Hier lässt es sich sensationell leben," lobte Söder, auch mit Blick auf das touristische Angebot im Seenland, den robusten Arbeitsmarkt, Chancen für junge Menschen. "Die Oberpfalz hatte nie die besten Böden," sagte der Ministerpräsident, "aber immer eine kluge Strategie". Vom politischen Brennpunkt zu WAA-Zeiten (Söder: "So wie es am Ende ausgegangen ist, sind wir alle ganz zufrieden damit") sei Schwandorf zum Zugpferd der Oberpfalz geworden. Nach 50 Jahren sei die positive Entwicklung längst nicht zu Ende.

Die Staatsregierung wolle die ländlichen Regionen weiter fördern - etwa wenn es um den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) geht. Da konnte ein Seitenhieb auf die Bundespolitik nicht fehlen. Ein Neun-Euro-Ticket werde die Probleme nicht lösen. Im ländlichen Raum werde das Auto weiter seine wichtige Bedeutung behalten. Söder befürwortete den Anschluss an den Regensburger Verkehrsverbund samt Regio-S-Bahn-Strategie.

"Bei Technologie, Technologietransfer, Entwicklung von Hochschulen in die Wirtschaft hinein , da haben wir noch nach oben. Wenn ihr da ein Projekt habt, meine feste Zusage, werden wir uns sehr stark finanziell daran beteiligen", versicherte der Ministerpräsident. Zum konkreten Projekt wollte Landrat Thomas Ebeling noch nichts sagen.

Planungssicherheit, so Söder, könne angesichts des "brutalen Angriffskrieges" gegen die Ukraine niemand geben. Bei aller Unterstützung für die Ukraine: Es gelte zu verhindern, dass Deutschland Kriegspartei werde. Es gelte, nicht zu jammern, sondern den Menschen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen, Hoffnung zu geben.

Nicht jammern, Hoffnung geben

Die Coronakrise habe aus seiner Sicht bewiesen: "Wenn man irgendwo ganz gut durchkommen kann, dann kann man das bei uns." Ehe im Konrad-Max-Kunz-Saal natürlich die Bayernhymne des Schwandorfer Komponisten erklang, und Landrat Ebeling den Ministerpräsidenten mit einer Mega-Flasche Weißbier verabschiedete (Söder lachend: "Wenn ich das konsumiere, mache ich heute keine Termine mehr"), reihten sich Bezirkstags-Vizepräsident Thomas Thumann, Regierungspräsident Walter Jonas und Oberbürgermeister Andreas Feller in die Reihe der Gratulanten ein. "Schwandorf ist zur Stelle, wenn man es braucht", sagte Jonas angesichts der Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme von Geflüchteten, sei es 2015 oder heute.

Hintergrund:

Blick in die Gästeliste

  • Ministerpräsident Markus Södergratulierte dem Landkreis als Festredner
  • Landrat Thomas Ebeling hatte zum Festakt rund 100 Gäste geladen, darunter auch:
  • die Altlandräte Hans Schuierer und Volker Liedtke,
  • die Bundestagsabgeordneten Martina Englhardt-Kopf und Marianne Schieder und die ehemaligen Abgeordneten Karl Holmeier und Georg Pfannenstein,
  • Regierungspräsident Walter Jonas und Bezirkstags-Vize Thomas Thumann,
  • den Partnerlandkreis Görlitzmit Landrat Bernd Lange,
  • IHK und Handwerkskammer mit Hubert Döpfer und Florian Danzl.
  • Das Adhoc Streichquartett mit Sebastian Casleanu, Anna Sophia Kraus (Violinen), Susanne Zippe (Viola) und Christoph Pickelmann (Cello) sorgte für die Musik.
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