25.06.2021 - 09:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Sonntagsdichter" fassen Heimat in Worte

Die „Sonntagsdichter“ erinnern sich in ihren Geschichten gerne an ihre Kindheit. Das historische Wahrzeichen der Stadt Schwandorf, der Blasturm, bildete bei der jüngsten Lesung die passende Kulisse.

Die "Sonntagsdichter" Gesine Jaehnert, Fritz Buchfink, Lorna Simone Baier, Christine Voigt und Ingeborg Baier (sitzend von links) machten sich Gedanken zur Heimat. Musikalisch begleitet von Günter Schmid und Johannes Bauer (stehend von links).
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Oberpfälzer Waldverein (OWV) hat das Türmerhaus zur Wanderstation ausgebaut und pflegt auch die Außenanlagen. Kürzlich überließ er das Blasturm-Gelände den Hobby-Autoren für eine Lesung. „Sonntagsdichterin“ Lorna Simone Baier ist Mitglied im OWV und hatte den Kontakt hergestellt. Die Musiker Günter Schmid (Akkordeon) und Johannes Bauer (Kontrabass) sind ständige Begleiter des Literaturkreises und eröffneten die Lesung mit dem Klassiker: „Wochenend und Sonnenschein“. Passend zum Sommerabend im Garten des Türmerhauses.

Die Sonntagsdichter feiern heuer das 25-jährige Bestehen. Fritz Buchfink war damals Gründungsmitglied und hat sich die Begeisterung am Schreiben bis heute erhalten. Er denkt an die Schulzeit zurück: „Wir bekamen Tatzen und Arschprügel, und keiner hat sich dabei etwas gedacht“. Todmüde fiel er abends mit einem „Jesu Kindlein komm zu mir“ ins Bett. Dankbar erinnert er sich heute: „Mei, war des schee“. Fritz Buchfink thematisiert die „stillstehenden Wasserräder“ an der Naab und ruft zu einer „Bürgeraktion mit Wassereimern“ auf. „Vielleicht drehen sich dann auch die Räder in den Amtszimmern schneller“.

Auch die Leiterin des Literaturkreises, Ingeborg Baier, erinnert sich an ihre Kindheit in Schwandorf zwischen Spiel und Pflicht. „Die Straße gehörte uns, es gab keinen Fernseher und kein Handy“. Die Eltern nahmen das Bibel-Wort ernst: „Wer sein Kind liebt, züchtigt es“. In ihrem Beitrag „Schwandorf, mein Schwandorf“ blickt Ingeborg Baier auf schlimme Schicksalsschläge zurück, stellt aber fest: „Die Stadt hat aber auch schöne Tage gesehen“. Geblieben seien die Menschen, „die einander begleiten und Liebe und Kraft schenken“.

Die Berlinerin Gesine Jaehnert verbindet „Heimat“ mit Sprache. Sie ist zu ihrem Sohn in die Oberpfalz gezogen und fühlt sich hier wohl, auch wenn sie den Dialekt „nur schwer versteht und nie lernen wird“. Mit ihrer Sprache werde sie mit ihrer Heimatstadt immer verbunden bleiben.

Christine Voigt huldigt in ihren „Heimatgedanken“ der „schönen Oberpfalz mit ihren Hügeln, Burgen, Klöstern und Bachläufen“. Im Vergleich dazu sei Oberbayern „ein künstlicher Freizeitpark“. Da ist ihr „die Oberpfalz schon ehrlicher“. Lorna Simone Baier setzt sich gerne „auf a Bankerl“ und beobachtet die Leute. Wenn sich niemand dazu setzt, nutzt sie die Sitzgelegenheit auch als Liege. Da fallen ihr „Gute-Nacht-Gedanken und Grüße an die liebe Sonne“ ein.

"Sonntagsdichter" erinnern an frühere Zeiten

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