10.09.2020 - 17:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Späte Einsicht reicht nicht für Bewährungs-Chance

Ein mehrfach vorbestrafter 28-Jähriger aus dem Kreis Schwandorf muss unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Angriff auf Polizeibeamte hinter Gitter. Alkohol und Drogen sind im Spiel.

Ein 28-Jähriger aus dem Landkreis musste sich vor dem Schwandorfer Schöffengericht verantworten. Er muss in Haft.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Bierflaschen als Waffe, die Freundin gewürgt, Polizeibeamte verletzt und beleidigt, dazu Hitlergruß und Sieg-Heil-Rufe: Da hilft am Ende vor Gericht auch die beste Prognose nichts. Ein 28-Jähriger aus dem Landkreis muss hinter Gitter. Nicht zum ersten Mal.

Bisher ist es ein eher vermurkstes Leben, das der junge Mann hinter sich hat: Seit seinem 17. Lebensjahr musste er sich immer wieder vor Gericht verantworten, oft als Gewalttäter: Schläge oder Würfe mit Bierflaschen, Stiefeltritte gegen Kontrahenten, am Ende sogar eine Messerstecherei. Mehrjährige Jugendstrafen, Maßregelvollzug sind die Folge. Der rote Faden bei den Gewalttaten: Immer sind Alkohol und Drogen im Spiel. So auch im Mai und im August des vergangenen Jahres.

Ein paar Monate frei

Da war der 28-Jährige gerade ein paar Monate aus dem Maßregelvollzug entlassen. "Stress mit den Eltern" habe es da wieder einmal gegeben, hörte am Dienstag das Schwandorfer Schöffengericht unter Vorsitz vom Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer. Den "Stress", gepaart mit Suff und Frust, musste ein Nachbar büßen: Es pochte an seiner Tür und als er öffnete, hatte er schon die Faust des 28-Jährigen im Gesicht. Ein Bekannter, der zu Hilfe eilte, bekam eine Bierflasche an den Kopf. "So groß wie ein halbes Ei" war die Beule, die der Mann davon zog, konstatierte Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad. Auf seiner Tour, bei der er angeblich einen entlaufenen Hund suchte, warf der 28-Jährige auch noch einen Stein auf ein Auto.

Nach Prügelei in Handschellen

Schwarzenfeld

Offenbar sah sich der 28-Jährige an diesem Abend in einer ausweglosen Situation. Jedenfalls erfuhr die Polizei von Suizidgedanken, fasste den 28-Jährigen auf nahe gelegenen Bahngleisen. Die Beamten mussten übelste Beleidigungen und Drohungen über sich ergehen lassen, wurden als Nazis beschimpft, samt Hitlergruß. In der Nabburger Inspektion randalierte der 28-Jährige weiter, musste zu Boden gerungen werden, verletzte dabei einen Beamten.

Nur wenige Monate später im August: Wieder Stress, diesmal mit der (damals Ex-) Freundin. Der Vater der jungen Frau bekam eine Bierflasche an den Kopf, die junge Frau wurde gewürgt, lange Sekunden. Heute ist das vergeben: Die Frau und der 28-Jährige sind verlobt, dennoch sagte sie gegen ihren Freund aus. Freilich weit milder, als bei ihrer Vernehmung vor der Polizei. Ihr Vater ebenfalls: "Der Bub tut mir leid. Die Eltern brauchen ihn nur, wenn sie Geld von ihm wollen. Das ist doch nix." Eine Gutachterin rechnete dem Gericht vor, dass der 28-Jährige bei dieser Tat rund 1,9 Promille Alkohol im Blut gehabt haben dürfte, außerdem unter Crystal Meth stand. "Der war total weg, der kannte sich selber nicht ", sagte der angehende Schwiegervater.

Bis er das auch amtlich ist, dürfte einige Zeit vergehen. Denn das Schöffengericht schickte den 28-jährigen, künftigen Schwiegersohn für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Da half es nichts, dass der 28-Jährige nach den beiden Taten freiwillig zur Krisenintervention in ein Bezirkskrankenhaus ging, für ein halbes Jahr. Seither läuft alles tadellos: Er hat eine Arbeit gefunden, lebt mit seiner Verlobten in einer eigenen Wohnung. "Alles sehr geordnet", sagte seine Bewährungshelferin. Die betreut ihn seit langem, denn aus Maßregelvollzug und einer Haftstrafe waren noch ein Jahr und neun Monate Haft zur Bewährung offen.

"Die Bierflaschen fliegen geradezu durchs BZR (Bundeszentralregister; Anm. d. Red.)", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad zum Vorstrafenregister des Angeklagten. Dessen Geständnis und die Tatsache, dass der erheblich unter Alkohol und Drogen stand, rechnete Konrad dem 28-Jährigen strafmildernd an - forderte aber dennoch drei Jahre Haft. Verteidiger Gunther Haberl wollte eine Bewährung für seinen Mandanten erreichen, also eine Strafe unter zwei Jahren, pochte auf die Einsicht des Angeklagten, die gute Prognose, die sowohl psychiatrische Gutachterin als auch Bewährungshelferin darlegten.

"Nicht nochmal streicheln"

Da führte für das Schöffengericht aber kein Weg hin. Ein ganzer Berg Straftaten unter offener Bewährung: "Da können wir Sie nicht noch einmal streicheln", sagte Vorsitzende Petra Froschauer. Zumal die Bierflaschen-Schläge und das Würgen der junge Frau als gefährliche Körperverletzungen zu werten waren. "Dass es jetzt klappt, kann die Taten von damals nicht gutmachen", sagte Froschauer, "dafür haben Sie in der Vergangenheit einfach zu viel kaputt geschlagen."

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