07.09.2018 - 17:43 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nicht zum Stechen herausfordern

Draußen sitzen, grillen und sich ein kühles Getränk gönnen: Perfekte Vorstellung - wären da nicht die schwarz-gelb-gestreiften Tierchen, die sich auf Speisen stürzen und an Gläser setzen. Arnold Kimmerl weiß, wie man ihnen begegnet.

Der Pfreimder Naturschützer Arnold Kimmerl kennt sich aus mit Wespen und Hornissen. Er weiß, wie es am besten gelingt, ein ganzes Volk mit Hilfe eines Kastens umzusiedeln.

Von diesen ungeladenen Gästen - den Wespen und Hornissen, deren schmerzhafte Stiche auf jeder Grillparty gefürchtet sind - gibt es dieses Jahr sogar besonders viele. Der milde Winter hat es ihnen ermöglicht, ihn besonders gut zu überstehen und ihre Völker im Frühjahr erfolgreich aufzubauen. Ein weiterer Grund für ihr zahlreiches Erscheinen findet man laut Arnold Kimmerl (Pfreimd), Imker und Hornissenberater im Landkreis Schwandorf, im sehr warmen und trockenem Sommer: "Die Temperaturen haben perfekte Bedingungen für die Verbreitung der Wespen und Hornissen geschaffen, deshalb gibt es dieses Jahr auch vergleichsweise mehr als in den vergangenen Jahren."

Ruhig bleiben

Seit 35 Jahren ist Arnold Kimmerl Hornissenberater. Während die meisten Leute schreiend weglaufen oder wild um sich fuchteln, sobald Wespe oder Hornisse in der Nähe sind, setzt er sich seit Jahrzehnten freiwillig mit den Tierchen auseinander: "Es gibt in Bayern ungefähr 450 Wespenarten, die ebenso wie die Bienen zur Ordnung der Hautflügler gehören. Lästig werden uns davon nur die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, denn dass sind die, die von unseren süßen Speisen angelockt werden." Auch die Hornisse ernährt sich von Zucker - allerdings erst das ausgewachsene Tier.

Entgegen dem Vorurteil sind Hornissen und Wespen keineswegs angriffslustig. Trotzdem soll man auf gewisse Punkte achten, um die Tiere nicht unnötig zum Stechen herauszufordern. Demnach sollte man in ihrer Anwesenheit keine hastigen oder schnellen Bewegungen machen, sondern sich - im Gegenteil - ruhig verhalten. Die Tiere werden außerdem durch Licht angezogen. Sollten sie ums Essen draußen herumschwirren, kann man sie zum Beispiel mit einer Schale voll altem Obst ablenken.

Gerne werden Witze darüber gemacht, dass nach dem Töten einer Wespe weitere Wespen kämen, um sie zu betrauern. Doch dieses Gerücht stimmt tatsächlich: "Die tote Wespe sendet Duftstoffe ab, die ihre Angehörigen anlockt, damit hat man das Problem dann nur verschlimmbessert", bestätigt der Experte.

Laut Arnold Kimmerl unterscheidet sich das Wespengift nur geringfügig vom Bienengift, die Dosis ist jedoch bei einem Bienenstich höher als bei einem Wespenstich, denn der Stachel einer Biene bleibt dank eines Widerhakens in der Haut des Menschen zurück und somit wird der gesamte Giftstoff, den die Biene mit sich trägt, ausgesetzt. Trotzdem - für eine tödliche Giftdosis müsste man von etwa 800 bis 1000 Tieren gestochen werden - das gelte sowohl für Bienen, Wespen als auch für Hornissen. Da selbst in einem ganzen Nest nicht so viele Tiere leben, müsse man also keine Angst haben, von den Insekten getötet zu werden.

Kühlen ist falsch

Im Normalfall reiche es, die Schwellung mit Zwiebelsaft oder Aloe-Vera-Produkten zu behandeln. Ein Irrglauben ist es außerdem, so Arnold Kimmerl, den Stich zu kühlen: "Man sollte die Einstichstelle am besten mit Wärme behandeln, denn das Gift besteht zum Teil aus Eiweißen, die der Körper abbauen muss, und Wärme fördert den Abbauprozess."

Zu Kimmerls Aufgaben gehört es auch, Wespen- und Hornissennester zu begutachten und - wenn nötig - zu entfernen oder umzusetzen. "Schwierigkeiten gab es in letzter Zeit häufig mit Hornissennestern, die in Rollokästen waren.", erzählt er und beschreibt den Ablauf nach dem Fund eines solchen Nestes: "In einem ersten Schritt wenden sich die Finder an die Naturschutzbehörde im Landratsamt, denn Hornissen stehen unter Naturschutz. Danach komme dann ich oder einer meiner Kollegen als Hornissenberater ins Spiel. Wir begutachten das Nest und entscheiden, ob es überhaupt umgesetzt werden muss. In vielen Fällen dienen wir auch nur der Beratung, wie man am besten mit den Tieren umgeht. Sollte eine Umsetzung tatsächlich nötig sein, wird dafür zunächst eine Genehmigung benötigt. Wie genau man dann die Umsetzung bewerkstelligt, wird für den Einzelfall entschieden. Hintergrund

Die Tierchen müssen in einen Kasten gelockt werden, um sie umsiedeln zu können.

Hintergrund:

Normalerweise wird das Insekten-Volk in einem Kasten umgesiedelt, um es von einem ungünstigen Standort entfernen zu können. Wenn die Hornissen „umgezogen“ sind, wird dann der Deckel vom Kasten geschlossen und das Nest kann an einen anderen Ort gebracht werden. Wichtig ist bei der Umsiedlung, dass die Königin im Kasten ist, denn von ihr werden die anderen Tiere angelockt. Für Arnold Kimmerl ist bei solchen Aktionen der Imker-Anzug seine Arbeitsuniform. Trotzdem geht fast kein Eingriff ohne Stiche von statten: „Ich wurde auch schon mal von elf Hornissen gleichzeitig gestochen. Das ist natürlich schon schmerzhaft, aber aufgrund meiner Arbeit als Imker bin ich immun gegen die Stiche. Der Schmerz bleibt mir zwar trotzdem nicht erspart, aber es schwillt nicht mehr so an“, erzählte er uns.

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