18.10.2021 - 18:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Suff Wirtin verprügelt und Polizisten geschlagen: 53-Jähriger vor dem Strafrichter

Kurz vor Weihnachten 2018 eskaliert ein Streit in einer Schwarzenfelder Kneipe. Ein 53-Jähriger schlägt zu, legt sich auch mit der Polizei an. Vor dem Schwandorfer Amtsgericht gesteht der Mann. Bewährungs-Chancen hat er nicht.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ein Faustschlag gegen die Wirtin, dann eine heftige Auseinandersetzung mit der Polizei: Mit Weihnachtsfrieden hatte ein heute 53-Jähriger nicht viel im Sinn. Wenige Tage vor dem Heiligen Abend 2018 legte er im Rausch eine ganze Serie von Straftaten hin, wegen derer er sich am Montag vor dem Schwandorfer Amtsgericht verantworten musste.

Offenbar entbrannte an jenem Abend ein Streit um Geld in einer Kneipe in Schwarzenfeld. Der 53-Jährige hatte sich dort als Pensionsgast eingemietet, kräftig gebechert: Von einer Flasche Wodka "und ein, zwei Bier dazu" war die Rede. Der Mann bezichtigte die Wirtin des Diebstahls - und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Die Frau rief die Polizei.

Als die Nabburger Beamten eintrafen, torkelte ihnen der 53-Jährige schon entgegen, zusammen mit der Wirtin. Die schilderte den Beamten damals den Vorfall - den sie jetzt, knapp drei Jahre später, offenbar nicht mehr so einschneidend empfand: Als Zeugin ließ sie sich am Montag jedenfalls nicht blicken.

"Er war augenscheinlich stark betrunken", bestätigte eine Polizeibeamtin als Zeugin vor Strafrichter Holger Vogl. Sie suchte im Zimmer des Mannes nach einem Ausweis, während ihr Kollege den Betrunkenen auf den Boden setzte. Zunächst schien die Situation bereinigt.

Da legte der Mann los: Er spuckte dem Polizisten auf die Stiefel. Als der Beamte sich hinunterbeugte, schlug ihn der Angeklagte mit der Faust an den Kopf. Der Polizist wehrte sich. Dabei prallte der 53-Jährige mit dem Kopf gegen eine Tür, zog sich eine stark blutende Platzwunde an der Schläfe zu. Sanitäter wurden gerufen.

Mit Händen und Füßen gewehrt

Unter Polizeibegleitung landete der 53-Jährige schließlich in einem Amberger Krankenhaus. Dort wehrte er sich mit Händen und Füßen gegen Hilfe und Blutentnahme. Wieder bekam der Polizist einen Tritt ab. "Uns war klar, dass wir ihn in die Ausnüchterungszelle bringen müssen", sagte die Polizeibeamtin. Natürlich erst, nachdem die Platzwunde des 53-Jährigen genäht war.

Tätlicher Angriff und Widerstand gegen Polizeibeamte, Körperverletzung, dazu Bedrohung: Staatsanwalt Fabian Hoffmann klagte den 53-Jährigen einer ganzen Reihe von Straftaten an. Der 53-Jährige gestand diese unumwunden. "Im Kopf war nur Nebel," sagte er auf die Frage, an was er sich erinnern könne. Als der Kopf wieder klarer war, hatte sich der Mann Tage nach der Tat bei den Beamten entschuldigt.

Lieber ins Gefängnis

Zehn Monate Haft beantragte Hoffmann in seinem Plädoyer für die Taten. Allerdings: Der 53-Jährige hatte an jedem Abend 2,81 Promille Alkohol im Blut. Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel attestierte dem Angeklagten in seinem Gutachten Alkoholanhängigkeit. Zwar hat der Angeklagte seit der Tat zwei Therapien absolviert, trocken blieb er nur für ein paar Monate. "Er würde das Gefängnis einer Therapie vorziehen", berichtete Miedel. Wohl aus zwei Gründen: Einerseits hat der 53-Jährige jetzt eine Beschäftigung in einem Arbeitslosenprojekt und eine Wohnung gefunden. Andererseits würde eine drohende Unterbringung länger dauern als eine mögliche Haftstrafe. Der Arzt indes empfahl eine Suchttherapie in einer geschlossenen Entzugsklinik. Dieser Empfehlung folgte der Staatsanwalt. Hoffmann sah die Gefahr, dass der 53-Jährige im Rausch erneut die Kontrolle verliert. "Ich müsste für Sie meine Hand ins Feuer legen, und das kann ich nicht", sagte Hoffmann. Verteidiger Dr. Gunther Haberl wollte für einen Mandanten eine Bewährungs-Chance erreichen. Schließlich habe sein Mandant jetzt ein geregeltes Leben. Haft oder Unterbringung würden das wieder zerstören.

Strafrichter Holger Vogl verurteilte den 53-Jährigen zu zehn Monaten Haft wegen Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Beleidigung. Er ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. "Wenn Sie erheblich alkoholisiert sind, werden Sie aggressiv", sagte er zum Angeklagten. Eine Bewährungs-Chance hätte es vielleicht gegeben - wenn der 53-Jährige nach seiner freiwilligen Therapie trocken geblieben wäre. "Wenn Sie abstinent sind, haben Sie auch kein Problem mit Straftaten", sagte Vogl angesichts der einschlägigen Vorstrafen des 53-Jährigen. Wie lange der Mann in Therapie bleiben muss, hängt vom Erfolg ab. Eineinhalb Jahre dürfen als Mindestdauer gelten.

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