Genau 68 Menschen wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Schwandorf bei Verkehrsunfällen verletzt, bei denen eindeutig überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache war. Ein Mensch verlor sein Leben. Besondere "Rennstrecken" sind den Statistikern dabei nicht aufgefallen, aber auf einen Abschnitt im Bereich Oberviechtach richten die Beamten ihr besonderes Augenmerk.
Die "Teunzer Kreuzung", also die Einfahrt zur Gemeinde Teunz, gleichzeitig Einmündung der Staatsstraße von Nabburg her in die Bundesstraße 22. "In diesem Bereich wird von den Verkehrsteilnehmern auf der B 22 häufig die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h überschritten", weiß Corinna Wild, Hauptkommissarin und Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Ihr Kollege Armin Ismael, Verkehrs-Sachbearbeiter an der Inspektion Oberviechtach, sieht das genauso. "Das ist unser einziger Schwerpunkt", sagt der Oberkommissar im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Zehn Raser-Unfälle registrierte die Oberviechtacher Polizei 2022, dabei wurden zwei Menschen schwer- und 5 leichtverletzt.
Egal ob seine Kollegen mit dem Handmessgerät – der "Laserpistole" – oder die Verkehrspolizei mit der Radarfalle kontrollieren: Regelmäßig gehen Fahrer ins Netz, die bei erlaubten "70" zu schnell unterwegs sind. "Es sind aber fast nur Auswärtige", sagt Ismail. Was seiner Meinung nach auch daran liegen kann, dass es im Raum Oberviechtach eine Social-Media-Gruppe mit rund 1000 Mitgliedern gibt, die sich gegenseitig über "Blitzer" informieren. "Wir stehen kaum zehn Minuten da, dann wissen das alle." Zumindest dann halten sich alle an die Begrenzung.
Das sollte generell so sein, betont der Schwandorfer Polizeichef Markus Duschl. "Die Begrenzungen haben ja alle einen Sinn", betont der Oberkommissar. Hauptmeister Florian Hermann hat als Sachbearbeiter Verkehr für das vergangene Jahr 21 Geschwindigkeitsunfälle registriert, zehn Menschen wurden dabei verletzt. Im Dienstbereich wurden zwei Schwerpunkte, an denen es auch wegen zu viel Tempo häufig zu Unfällen kam, baulich entschärft: Die Oder-Kreuzung am Steinberger See wurde zum Kreisverkehr umgebaut, an der Grünwald-Kreuzung nach jahrzehntelanger Diskussion eine Ampelanlage installiert. Größere Unglücke gab's an den beiden Kreuzungen seither nicht mehr.
"Nicht angepasste Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfall-Ursachen", bestätigt Duschl. Mit wachsendem Tempo steigt - besonders auch bei schlechten Bedingungen – natürlich das Risiko, die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. "Deshalb ist das auch Teil der Aktion ,Bayern mobil-sicher ans Ziel‘". Doch selbst beim Blitz-Marathon, bei dem die Kontrollorte bekannt sind, gehen noch genügend Verkehrsteilnehmer ins Netz, die zu schnell unterwegs sind. Knapp 125 Stunden waren die Schwandorfer Beamten vergangenes Jahr mit dem Handmessgerät im Einsatz. Dabei mussten 136 Anzeigen erstattet werden – die Fahrer waren also mehr als 16 km/h zu schnell. 15 Fahrverbote resultierten daraus. Die werden fällig, wenn ein Fahrer außerorts mehr als 41 km/h zu schnell unterwegs ist. Dazu kommen dann 320 Euro Geldbuße und zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei. Was Hermann auffällt: Häufig sind es im Schwandorfer Bereich Einheimische, die außerorts zu schnell sind.
Die Nabburger Polizei hatte im vergangenen Jahr 16 Unfälle zu bearbeiten, bei denen zu hohe Geschwindigkeit als Ursache gilt – nachdem das auch beweissicher festgestellt ist, wie Erste Hauptkommissarin Sabine Roidl betont. Ein Mensch verlor einem so eingestuften Unfall nahe Schwarzenfeld sein Leben, 13 Menschen wurden verletzt. Schwerpunkte gibt es auch im Nabburger PI-Bereich nicht. Obwohl die Tempo-Unglücke nur knapp 2 Prozent aller registrierten Unfälle mit Personenschaden ausmachen, gehen 13 Prozent der Verletzten auf diese Unfälle zurück. Die Kollegen in Neunburg vor Wald haben neun Unfälle registriert, bei denen nicht angepasste Geschwindigkeit Auslöser war. Sieben Menschen wurden verletzt. 130 Tempo-Sünder haben die Neunburger Polizisten im vergangenen Jahr erwischt, vier Fahrverbote wurden fällig. Auf der Bundesstraße 85 bei Bodenwöhr wurde ein Fahrer geblitzt, der mit 172 km/h bei erlaubten 100 unterwegs war. 700 Euro Strafe, 2 Monate Fahrverbot und 2 Punkte waren die Folge. Die schärferen Strafen, meint der Neunburger Polizeichef Erster Hauptkommissar Markus Schmitt, hätten zwar Wirkung gezeigt. "Zu schnell gefahren wird aber noch immer."
Das belegt auch der Blick auf den gesamten Landkreis Schwandorf. 4786 Unfälle wurden im vergangenen Jahr registriert, dabei wurden 691 Menschen verletzt und 5 getötet. Tempo-Verstöße galten bei 122 Unfällen mit 68 Verletzten und einem Getöteten als Ursache. Bei Geschwindigkeitskontrollen der Polizei wurden 6403 Fahrer beanstandet. "Hierbei wurden 130 Fahrverbote ausgesprochen", teilte Corinna Wild vom Präsidium mit.


















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