25.06.2019 - 11:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tierwohl-Konflikt bei Kuhhandel

Die Kühe sind zwar aus juristischer Sicht vom Eis. Was aber zurück bleibt nach eintägigem Prozess, ist die Frage, warum zwei Rinder eingeschläfert werden mussten.

Der Prozess gegen einen Metzger endete mit der Einstellung des Verfahrens.
von Externer BeitragProfil

Am 8. Juni 2017, es war ein Samstag, fuhr ein Metzger (26) aus dem Kreis Schwandorf in die Bereiche Schnaittenbach und Regensburg, um dort zwei Kühe von Bauern abzuholen. Die Tiere, so versicherten nun beide Landwirte der Schwandorfer Amtsrichterin Franziska Bücherl, seien nicht krank gewesen und sie hätten sich auch mühelos auf den Viehanhänger treiben lassen. Eine Kuh sei sogar vorher noch vom Veterinär angeschaut und für transportfähig erklärt worden.

Nach dem seinerzeit bevorstehenden Wochenende sollten die Rinder wohl in einer Anlage des Metzgers geschlachtet und danach vermarktet werden. Doch dazu kam es nicht. Denn am 10. Juni trafen plötzlich zwei Veterinärinnen vom Landratsamt ein. Sie hatten im Vorfeld bereits "unhygienische Zustände" in dem Betrieb festgestellt und deshalb eine der beiden Schlachtanlagen vorläufig geschlossen. Nun wollten sie erneut Präsenz zeigen.

Die promovierten Tierärztinnen, die sich nun tatsächlich von einem der beiden Verteidiger die Frage nach ihrer Qualifikation gefallen lassen mussten, schauten sich um und stießen, abseits vom Betrieb, auf einen Schafstall. Den sahen sie genauer an und fanden neben Lämmern auch zwei am Boden liegende Kühe. Sie wiesen Wunden an den Hinterläufen auf, hatten Geschwüre. In einem Fall war der blanke Knochen sichtbar, sagten sie. Die Amtsveterinärinnen erkannten einen "bedauerlichen Zustand". Um den Tieren noch längeres Leiden zu ersparen, ordneten sie deren Einschläferung an. Das besorgte ein von ihnen gerufener und in diesem Raum praktizierender Tierarzt. "Die Wunden konnten nicht erst nach dem Transport entstanden sein", waren sich die Frauen vom Schwandorfer Landratsamt einig. Sie hatten während ihrer Kontrolle auch noch ein weiteres Rind gefunden, das tot in einem Hänger lag.

Die Amberger Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen ausschließlich darauf konzentriert, ob den beiden später eingeschläferten Kühen während der Transporte am 8. Juni 2017 vermeidbare Schmerzen zugefügt wurden. Genau darin lag nun, wenn man so will, der Knackpunkt des Prozesses. Die Veterinärinnen hatten dies in einer Anzeige bejaht. Doch der Metzger und die beiden Bauern versicherten, sie hätten von Wunden und lahmer Gangart nichts bemerkt. Von daher wurde das Verfahren gegen den Rinderaufkäufer letztlich eingestellt. Seine beiden Anwälte muss der Mann selber bezahlen, alle anderen Kosten des aufwendig betriebenen Verfahrens trägt die Staatskasse.

Info:

Hintergrund

Ist ein Stück Vieh mehr als nur Fleischgeber? Diese Frage blieb vor dem Amtsgericht unbeantwortet. Aber Richterin Franziska Bücherl bekam Eindrücke vermittelt, die sich genau genommen nur am Rande des Verfahrens abspielten.

Das Landratsamt Schwandorf hatte als Überwachungsbehörde offenbar schon mehrfach mit dem jetzt im Fokus stehenden Metzgereibetrieb zu tun. "Das Unternehmen ist auffällig", sagte jetzt eine Amtsveterinärin und berichtete über Nachforschungen bei der Konfiskatbeseitigung im niederbayerischen Plattling. Dort seien im Laufe eines Jahres 20 Tiere angeliefert worden, die ihr Leben nicht mit einer Schlachtung beendeten.

Das sei eine ungewöhnlich hohe Zahl.

Bei dem Vieh- und Fleischhändler waren eklatante hygienische Missstände in einer von zwei Schlachtanlagen festgestellt und diese Stätte bis zu grundlegenden Renovierung geschlossen worden. Seitens der Verteidigung des angeklagten Metzgers wurden die Tierärztinnen regelrecht examiniert.

Das ging von der Qualifikation bis hin zur Rechtsgrundlage für die von ihnen angeordnete Einschläferung zweier Kühe. Dies mochte Richterin Franziska Bücherl nicht länger dulden. Ihr Einwand: "Wir sind hier nicht in der Prüfung an einer Hochschule."

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