21.09.2018 - 15:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Als Trojaner mit üblen Zielen unterwegs

Cyber-Kriminalität und zugleich versuchter sexueller Kindesmissbrauch: Ein langwieriger Prozess endet mit einer Bewährungsstrafe.

Das Gericht entschied auf eine Strafe mit Bewährung.
von Autor HOUProfil

Finale in einem Fall von Cyber-Kriminalität. Wegen des Vorbereitens der Ausspähung von Daten gibt es nach zahlreichen Prozesstagen eine achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung. Integriert in das Urteil ist auch der versuchte sexuelle Missbrauch eines Kindes. Was Amtsrichter Hans-Christopher Theißen seit dem 18. Juni an mehreren Tagen verhandelte, war ein Delikt, an dessen Möglichkeit vor wenigen Jahren noch keiner gedacht hätte.

Dabei wurde deutlich, wie Legalität und Illegalität heutzutage eng beieinander liegen. Im Jahr 2015 hatten zahlreiche Bundesbürger aus dem Internet sogenannte Überwachungs-Softwares erworben. Das war noch in der Grauzone, obgleich sich eben diese Programme auf die Handys anderer Leute transferieren ließen. Mit dem Ziel, diese Geräte unter die eigene Kontrolle zu bekommen, ohne dass es die Handybesitzer merkten. Und dies geschah gesetzeswidrig. Deswegen ermittelte das Bundeskriminalamt.

Mit drei Programmen

Ein damals bei Schwandorf wohnender Mann, heute 49 Jahre hat, hatte drei solcher Programme gekauft und sie in einem Fall wohl auch tatsächlich eingesetzt. Dass er dabei wirklich Daten unter seine Kontrolle brachte, konnte ihm der Richter nun nicht nachweisen. Aber: Was an dem Angeklagten hängen blieb, waren drei Fälle des Vorbereitens zur Datenausspähung. Denn was er sich von Anbietern hatte kommen lassen, waren nach Ansicht von Hans-Christopher Theißen "klassische Trojaner". Der 49-Jährige behielt sein Schweigen bis zum Prozessende bei. Er sagte auch nichts zum weiteren Vorwurf, der ebenfalls etwas mit dem Generalbegriff Computer zu tun hatte. Er nahm über ein Chat-Portal Verbindung zu einer 13-Jährigen auf und legte ihr nahe, sexuelle Kontakte zu ihrem Stiefvater herzustellen. Entsprechende Bilder und Informationen wollte er dann übermittelt bekommen.

Mädchen kommt nicht

Das in Österreich wohnende Mädchen weigerte sich, als Zeugin zu kommen. Als dann in ihrer Heimat ein Richter bereit war, sie protokollarisch zu vernehmen, reisten auch der 49-Jährige und sein Anwalt in die Alpenrepublik. "Sie hätten dort Fragen stellen können", unterstrich jetzt am letzten Verhandlungstag Staatsanwalt Wolfgang Doblinger, als Vertreidiger Marko Heimann (Cham) den Beweisantrag stellte, mit Richter Theißen an der Spitze nach Österreich zu reisen, um bei einer erneuten Befragung offene Themen zu erörtern. Doblinger stellte sich dem Wunsch Heimanns entgegen, Richter Theißen lehnte den Antrag ab. Begründung: "Es ist alles geklärt." Fakt war, dass die junge Dame ihren dreieinhalb Jahrzehnte jüngeren Chatpartner schwer belastet hatte.

Für die seiner Meinung nach erwiesenen Delikte verlangte Staatsanwalt Doblinger acht Monate Haft mit Bewährung und 2700 Euro Geldauflage für den nicht vorbestraften Mann, der heute in Franken lebt. Danach kam es zu einem Vorgang, der in deutschen Gerichtssälen Seltenheitswert besitzt: Verteidiger Heimann verzichtete auf ein Plädoyer.

Eine Stunde lang überlegte sich der Richter das Urteil. Dann entschied er: Acht Monate mit Bewährung und 2000 Euro Geldauflage. An der Vorbereitung zur Datenausspähung hatte er ebenso keinen Zweifel wie am versuchten sexuellen Kindesmissbrauch. Dass der 49-Jährige allerdings tatsächlich in den Besitz von Daten einer ihm beruflich unterstehenden Frau gelangte, auf deren Handy eines der Programe mit dem Namen "Flexispy" aufgespielt worden war, hielt Hans-Christopher Theißen für nicht erwiesen.

Kommentar zum Prozess

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.