07.02.2020 - 16:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Trotz verquerer Lage selbstbewusste Schwandorfer Bäuerinnen

Die Zeiten für Landwirte sind bewegt. Dennoch lassen sie sich nicht unterkriegen, vor allem die Landfrauen nicht entmutigen. Der Schwandorfer Kreisbäuerin Sabine Schindler gelingt es, den Landfrauentag unter ein positives Licht zu stellen.

Kreisbäuerin Sabine Schindler rät beim Landfrauentag den Gästen, stolz auf sich zu sein und sich auch mal selbst zu applaudieren.
von Irma Held Kontakt Profil

Die aus Bad Tölz stammende Kreisbäuerin gewinnt die Herzen am Freitagvormittag in der Schwandorfer Oberpfalzhalle schnell für sich. "Schöi, dass ihr alle da seid", sagt sie und fügt lächelnd an, "wie ich das schon kann." Sie verhehlt vor den vielen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Bauernschaft nicht, welch bewegte Monate seit dem Volksbegehren hinter den bäuerlichen Betrieben und Familien liegen. "Das Volksbegehren saß bei uns am Frühstückstisch", macht sie deutlich. Sie spricht von einer verquerten Lage in der Landwirtschaft, ist aber überzeugt, "wir alle gemeinsam besitzen die Kraft, um am System etwas verändern zu können". Sie fordert alle Anwesenden auf, sich einmal richtig stolz zu füllen und sich danach selbst zu applaudieren.

Fleißige Menschen

Oberbürgermeister Andreas Feller spricht von den Bäuerinnen als "den fleißigsten Menschen, die ich überhaupt kenne" und nennt als Beispiel Schwandorfs dritte Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf mit landwirtschaftlichem Betrieb, Familie, Beruf und Politik. Landrat Thomas Ebeling stellt den engen Kontakt zu Landfrauen und Bauernverband heraus. Es gebe einen steten Austausch zu aktuellen Themen. Der Leiter des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Georg Mayer stellt heraus. "Unsere Studierenden haben die Thematik vor dem Volksbegehren aufgegriffen." Sie hätten bereits aktiv für Artenvielfalt gearbeitet.

Mutig bleiben

Für Landtagsabgeordneten Joachim Hanisch (FW) wurde das Volksbegehren auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen. Landtagsabgeordneter Alexander Flierl (CSU) sagt: "Bäuerinnen leisten Herausragendes, auch für die Gesellschaft und das Leben im ländlichen Raum. Seien Sie selbstbewusst und gehen Sie mutig die Herausforderungen an." Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (CSU) davor, sich bei der Lebensmittelversorgung vom Ausland abhängig zu machen, wie bei der Arzneimittel- und Energieversorgung. Europaabgeordnete Marlene Mortler, Mitglied im Ausschuss für ländliche Entwicklung, geht davon aus, bei den Bauern werde erst wieder Ruhe einkehren, wenn sicher sei, dass es fair zugehe und Beschlüsse nachvollziehbar würden.

Die Düngeverordnung bezeichnet sie als Riesenbaustelle. "Im Moment stehen wir im Zweitverfahren." Deutschland habe zu spät gemeldet, weshalb Brüssel ein Verfahren einleiten musste, lässt die für die erkrankte bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kurzfristig eingesprungene Abgeordnete wissen. "Wir wollen kein zurück zu Bullerbü und zur angeblich heilen bäuerlichen Welt. Die gab's nämlich nie".

Marlene Mortler - für sie ist Kreisbäuerin Sabine Schindler die perfekte Verbindung von Tradition und Moderne - sitzt mit auf dem Podium als Landrat Thomas Ebeling, Ehrenkreisbäuerin Barbara Hanauer, Junglandwirtin Eva-Maria Bäuml und Junglandwirt Matthias Dirmeier unter der Moderation von Anna Maria Ascherl das Thema "Region gestalten" diskutieren. Barbara Hanauer weiß um die Glaubwürdigkeit von Direktvermarktern, wenn sie ihre Waren selbst präsentieren. Marlene Mortler, Matthias Dirmeirer und Eva-Maria Bäuml sehen auch die Verbraucher in der Pflicht. Für den Landrat steckt im Tourismus noch Potenzial. Landwirtschaft und Industrie ließen sich gut ausbalancieren. Eine Modenschau zeigt anschließend flotte Kreationen. Den musikalischen Part übernimmt der Landfrauenchor.

"Wir wollen kein zurück zu Bullerbü und zur angeblich heilen bäuerlichen Welt", sagt Europaabgeordnete Marlene Mortler.

Landwirte protestieren in Schwandorf

Mit einer Schlepper-Demo machten Bauern aus dem gesamten Landkreis am Freitagnachmittag in Schwandorf auf sich aufmerksam. Der Zug formierte sich beim Tierzuchtzentrum, führte hupend durch die Innenstadt zum Volksfestplatz.

Dutzende Bauern beteiligten sich an dem Protest in der Stadt Schwandorf.

Veranstalter war die Landschaftsverbindung, in der jeder Betriebszweig sowie auch Bio- und konventionelle Bauern seit Oktober 2019 vertreten sind. „Unser Markenzeichen sind Schlepper mit Banner und Bewegung durch die Städte“, sagt Stefan Kiener aus Münchshöf zu Oberpfalz-Medien.

Er gehört dem Organisationsteam an. Die Bauern wollen so ein positives Ansehen bei der Bevölkerung zurück gewinnen und die Politik auffordern, „mit uns zu arbeiten und nicht gegen uns“.

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