03.06.2020 - 14:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wie eine Trunkenheitsfahrt die Arbeitsstelle kosten kann

Der Fall war exemplarisch für das, was geschehen kann, wenn sich jemand betrunken ans Steuer setzt und von der Polizei bei einer Routinekontrolle gestoppt wird. Der Arbeitsplatz ist weg, der Führerschein auch.

Trotz eines Geständnisses: An einer Geldstrafe führte kein Weg vorbei.
von Autor HOUProfil

Auf dem Konto liegt wenig, wovon man eine Geldstrafe bezahlen kann. Ein solches Geständnis, bei dem sich der Angeklagte an die eigene Brust klopft, hat die Schwandorfer Amtsrichterin Bücherl bisher selten bekommen. Der 50-Jährige auf der Anklagebank gab alles sofort zu und schilderte dann, wie ihm eine Trunkenheitsfahrt den Job kostete. Der Mann aus dem Raum Regensburg hatte im südlichen Kreis Schwandorf an einer Party teilgenommen. In einer Septembernacht letzten Jahres soff er dort alles in sich hinein, was angeboten wurde. Vornehmlich Wodka und Bier. Dann gab es offenbar Streit, und er ging. Vor dem Haus stand der Transporter des Handwerkers. "Ich wollte im Fahrzeug übernachten", berichtete der Familienvater und konnte nicht sagen, weshalb er sich trotzdem zur Heimfahrt entschloss. Ein paar Kilometer weiter wurden Funkstreifenbeamte auf den Transporter aufmerksam. "Ungewöhnlich nachts um 2 Uhr, noch dazu an einem Wochenende", erzählte jetzt einer der Uniformierten und begründete damit die Stoppsignale am Dienstfahrzeug. Der Fahrer hatte, wie eine Blutentnahme ergab, stattliche 2,44 Promille. Er gab seinen Führerschein sofort zu den Akten und erkundigte sich, ob die Ordnungshüter "nicht ein Auge zudrücken könnten". Das konnten sie nicht. Im Prozess vor dem Amtsgericht wurde nun deutlich, was diese Trunkenheitsfahrt für den bis dahin nie vorbestraften Handwerker bedeutete: Entlassen aus dem sicheren Arbeitsvertrag, drohende Schwierigkeiten bei der Rückzahlung des Wohnhauskredits, kaum Geld für die Begleichung einer Geldstrafe. Sie beträgt nach dem Urteil der Richterin 1800 Euro und pendelte sich damit erheblich niedriger als beim erfolgreich angefochtenen Strafbefehl ein. Darin standen 3500 Euro. Seit September letzten Jahres ist der Führerschein bereits bei den Akten. Die Verwaltung ist nun angewiesen, ihn noch vier weitere Monate nicht herauszugeben.

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