Schwandorf
18.10.2018 - 15:11 Uhr

Über tausend Rehe auf Schwandorfer Straßen getötet

1724 Tiere starben im vergangenen Jahr bei Wildunfällen im Kreis Schwandorf. Wie Autofahrer sich dagegen wappnen können.

Das Verkehrsschild „Wildwechsel“ wird von vielen Autofahrern oft gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Dabei erreicht die Zahl der Wildunfälle jedes Jahr ein enorme Größe. Bild: Petra Hartl
Das Verkehrsschild „Wildwechsel“ wird von vielen Autofahrern oft gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Dabei erreicht die Zahl der Wildunfälle jedes Jahr ein enorme Größe.

Im Herbst passieren während der Dämmerung und bei Dunkelheit im Bereich von Wald- und Feldrändern die meisten Wildunfälle. Wildtiere gehen zumeist in der Dämmerung auf Nahrungssuche, also genau dann, wenn in der dunklen Jahreszeit auch der Berufsverkehr auf der Straße ist.

Jahreszeitlich bedingt ist das Rehwild sehr aktiv. Hauptsächlich liegt es an den abgeernteten Feldern. Dem Wild wird das "Wohnzimmer" und damit verbunden die "Deckung" genommen. Man sieht es wegen des bis an den Fahrbahnrand heranreichenden, hohen Grases oft erst im letzten Augenblick. Dazu kommt ein hoher Bestand an Rehwild.

Meist Rehe die Opfer

"Somit ist es nicht verwunderlich, dass heuer schon wieder zahlreiche Rehe ein Opfer des Straßenverkehrs wurden", heißt es in einer Stellungnahme der Oberviechtacher Polizeiinspektion.

Hauptkommissar Dieter Jäger aus Schwandorf weiß, dass Wildunfälle "ein großes Thema im Landkreis" sind. Im zurück liegenden Dreivierteljahr kam es zu über 1400 Kollisionen, meist zwischen Autos und Rehen (1121), aber auch Wildschweinen (46), Füchsen (49), Dachsen (27) und größeren Greifvögeln (14). Im gesamten letzten Jahr waren es 1724 tote Tiere im Landkreis Schwandorf.

Nach einem Wildunfall

"Nach einem Wildunfall muss man sofort die Polizei anrufen", betont Jäger, "sonst gilt es als Unfallflucht oder als Wildfrevel". Wenn das Tier erkennbar tot ist, soll man bei dem Anruf mitteilen, wer man ist und wo man ist. Die Polizei stellt dann eine Wildunfall-Bescheinigung aus, die man sich in den folgenden Tagen auf der Inspektion abholen kann. "Die kostet acht Euro und man kann sie der Versicherung vorlegen, falls am Auto ein Schaden entstanden ist." Ist das Tier allerdings noch nicht tot, kommen die Polizei oder der zuständige Jäger, um es zu erlösen.

Mit der "Wild-App"

Leider, so der Hauptkommissar, hätten sich die bisherigen Versuche, die Tiere am Straßenrand abzuhalten, als erfolglos herausgestellt - von den Wildschutzzäunen an den Autobahnen abgesehen. Aber Duftstoffe, Leuchtdioden und blinkende CD-Scheiben hätten nichts gebracht. "Allerdings gibt es derzeit einen akustischen Versuch in Sachsen-Anhalt", berichtet Jäger von einem neuen Ansatz, zu dem aber noch keine Ergebnisse vorliegen.

So appelliert der Verkehrsexperte der Schwandorfer Polizei an die Autofahrer. "Wenn man durch den Wald fährt oder an Feldern und Wiesen vorbei, dann muss man immer auch den Seitenraum beobachten." Und wenn auf der Landstraße das Verkehrszeichen "Achtung Wildwechsel" auftauche, "muss man nicht 100 fahren, da reichen auch 80". Da einem dieses Warnsignal aber nicht immer auffalle, gebe es für Smartphones eine "Wild-App" zum herunterladen. Die signalisiert, wenn man einen Bereich mit Wildwechsel durchfährt.

Ähnliche Hinweise gibt auch die Oberviechtacher Polizeiinspektion. "Sollte ein Tier auf der Straße oder am Fahrbahnrand auftauchen, dann abbremsen, abblenden, Lenkrad festhalten und langsam vorbeifahren", heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Ausweichen sollte vermieden werden: "Häufig sind die Folgen dabei wesentlich höher, als bei einer Kollision mit einem Tier."

Auf dem Schreibtisch von Hauptkommissar Dieter Jäger in Schwandorf laufen alle Daten über Wildunfälle zusammen, die sich im Landkreis ereignen. Heuer gab es bereits über 1400 Kollissionen zwischen Fahrzeugen und Tieren, die gemeldet wurden. Bild: Thomas Dobler
Auf dem Schreibtisch von Hauptkommissar Dieter Jäger in Schwandorf laufen alle Daten über Wildunfälle zusammen, die sich im Landkreis ereignen. Heuer gab es bereits über 1400 Kollissionen zwischen Fahrzeugen und Tieren, die gemeldet wurden.
 
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