In Deutschland gilt seit 46 Jahren Gurtpflicht. Vor dem verpflichtenden Einbau des Sicherheitsgurts in Neuwagen starben in der damaligen Bundesrepublik zwischen 1953 und 1974 pro Jahr weit über 15 000 Menschen in Verkehrsunfällen. Erst Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre sank die Zahl der Verkehrstoten, doch blieb sie bis etwa Anfang der 1980er Jahre bei über 15 000 jährlich.
Der Sicherheitsgurt rettet statistisch gesehen Leben – und das trotz des anfänglichen Widerstands in großen Teilen der Bevölkerung. Seit 2013 liegt die Zahl der Verkehrstoten bei gerundet 3000 Menschen – noch immer viel zu hoch, doch dank des Sicherheitsgurts und der in den Jahren nach dessen Einführung weiteren Novellen in der Straßenverkehrs-Ordnung deutlich niedriger als in den Jahrzehnten zuvor.
Um die Anschnallmoral der Fahrer zu prüfen, veranstaltet die Schwandorfer Polizei immer wieder allgemeine Verkehrskontrollen, bei denen das Augenmerk auf der Frage liegt: angegurtet oder nicht? Dazu gibt es an einem Tag in Schwandorf mehrere Kontrollstellen, am nächsten Tag folgen dann Stichproben in den Gemeinden Steinberg und Wackersdorf.
Beim letzten Mal 129 „ohne“
Am ersten Tag nach dem Pfingstwochenende standen Florian Hermann, der Verkehrssachbearbeiter der PI Schwandorf, und sein Kollege Bernhard Fuchs zuerst am Fuß der Adenauerbrücke stadtauswärts. Kontrolliert wurden Fahrzeuge, die seitlich der Brücke durch die schmale Straße Am Graben nach oben Richtung Regensburger Straße unterwegs waren. Unter der Brücke stand ein „Späher“, ein Kollege der zwei Kontrolleure, und gab per Funk durch, wer gerade ohne Gurt an ihm vorbei gefahren war. 100 Meter weiter wurde der Gurtmuffel dann mit der Polizeikelle zur Seite gewinkt.
Schon nach wenigen Minuten gab es mehrere „Treffer“. Ein älterer Herr argumentierte, sein Bekannter sei bei einem Unfall verbrannt, weil er angeschnallt war - weshalb er selbst es nicht tue. „Das kann schon sein,“ zeigte sich Bernhard Fuchs verständig, „aber die Anschnallpflicht gilt trotzdem“. Der Senior musste also vor der Weiterfahrt 30 Euro bezahlen.
Florian Hermann kann nicht nachvollziehen, wie manche Fahrer das Piepen aushalten, das moderne Wagen beginnen, wenn man sich nicht anschnallt. Einige wenden auch Tricks an, um das elektronische System zu überlisten. „Dann kostet es aber das Doppelte, weil es Vorsatz ist,“ erklärte der Verkehrssachbearbeiter. Wie viele Fahrer in den beiden Tagen der Schwerpunktkontrollen tatsächlich „erwischt“ wurden, wird erst am Donnerstag bilanziert. Bei der letzten Kontrolle dieser Art waren es 129.
Übersicht über die Bußgelder
- Nicht angeschnallt während der Fahrt: 30 Euro
- Kind nicht angeschnallt mitgenommen: 30 Euro
- Mehrere Kinder nicht angeschnallt mitgenommen: 35 Euro
- Kind ohne Sicherung (ohne Gurt, ohne Kindersitz) mitgenommen: 1 Punkt in Flensburg, 60 Euro
- Mehrere Kinder ohne Sicherung (ohne Gurt, ohne Kindersitz) mitgenommen: 1 Punkt in Flensburg, 70 Euro
















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