15.07.2021 - 17:55 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Unschuldig auf der Anklagebank

Dem Freispruch lag die einhellige Meinung zugrunde, dass man da den Falschen auf der Anklagebank in Schwandorf hatte. Dem 44-Jährigen aus dem Bayerwald hatte die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung und Bedrohung angelastet.

Ein 44-Jähriger soll eine zehn Jahre jüngere Frau in deren Wohnung angegriffen haben. Bei der Gerichtsverhandlung machte der Angeklagte jedoch glaubhaft klar, gar nicht vor Ort gewesen zu sein.
von Autor HWOProfil

Zum Schluss war klar: Es gab zweifellos erhebliche Verletzungen bei einer 34 Jahre alten Frau aus Schwandorf. Gebrochene Rippen, blaue Stellen am ganzen Körper, dazu Bedrohungen mit einer leeren Glasflasche. Erst Tage nach dem schmerzhaften Ereignis hatte sie Anzeige bei der Polizei erstattet und dabei den Namen eines Bekannten aus der Stadt Cham genannt.

Am ersten Prozesstag hatte die 34-Jährige vor der Schwandorfer Amtsrichterin Bücherl den Mann erneut beschuldigt. Allerdings mit einigen Unstimmigkeiten zwischen polizeilich niedergelegten Angaben und ihrer Aussage vor Gericht. Zusammenfassend wurde dann festgehalten: Die Frau, als rauschgiftsüchtig geltend, hatte im Juli 2020 eine Drogentherapie abgebrochen und war nach ihren Darlegungen von dem Bekannten aus Cham in einer fränkischen Klinik mit dessen Auto abgeholt worden.

In ihrer Schwandorfer Wohnung, so ließ sie ferner verlauten, sei es dann über drei Tage und Nächte hinweg zu einer exzessiven Feier gekommen. Mit Drogenkonsum und Alkoholgenuss. Plötzlich habe sich dann Folgendes ereignet: "Er ist über mich hergefallen und hat zugeschlagen." Grund der jähen Attacke seien kleinere Bestände von Amphetamin gewesen, die sie angeblich noch aufbewahrt hatte.

Der Angeklagte hatte bereits bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung bestritten, jemals in dieser Wohnung gewesen zu sein. "Das alles trifft nicht zu", versicherte er jetzt auch der Richterin und bekam Unterstützung von seinem Anwalt Michael Haizmann (Regensburg). Der Verteidiger bohrte nach und erreichte so, dass ein Zeuge aus Cham geladen wurde.

Zur zweiten Verhandlungsrunde erschien nun der 49-Jährige, konnte sich genau an den fraglichen Zeitraum im Sommer letzten Jahres erinnern und berichtete: "Da war er bei mir und hat Renovierungsarbeiten in meiner Wohnung erledigt". Das klang so glaubhaft, dass die Richterin keinen Anlass sah, das Verfahren noch weiter fortzusetzen. Sie kam den Anträgen von Staatsanwältin Teresa Steiner und Verteidiger Haizmann nach, schrieb den von beiden gewünschten Freispruch in ihre Entscheidung.

"Richtig ist, dass die Frau Verletzungen hatte", beschrieb die Vorsitzende ihre Eindrücke. "Doch der Angeklagte kann es nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht gewesen sein." Nun liegt es im Bereich der Wahrscheinlichkeit, dass der 34-Jährigen ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung droht.

Frau im Drogenrausch attackiert?

Schwandorf

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.