13.10.2021 - 09:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Unverpackt-Laden in Schwandorf als Öko-Einkaufserlebnis

"Quantum satis" heißt das Geschäft in der Shopzone des Schwandorfer Warenhauses Globus. Das ist Lateinisch, bedeutet "so viel wie nötig". Und das ist Programm bei dieser neuartigen Verkaufsidee. Zugegeben, sie ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Im Unverpackt-Laden "Quantum satis" in Schwandorf kann man auch kleine Mengen erwerben, etwa Reis oder Nudeln in Bio-Qualität, wie sie dieser Kunde gerade in ein eigenes Gefäß abfüllt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

In der Shopzone des Warenhauses im Schwandorfer Osten werden hin und wieder Verkaufsflächen frei und so hat sich vor einiger Zeit Globus-Geschäftsleiter Stefan Schmid an eine Frau gewandt, deren Angebot zum großen Handelsgeschäft passen könnte. Carola Benz aus Regenstauf hat nämlich vor zwei Jahren in ihrer Heimatgemeinde an der Hauptstraße einen sogenannten Unverpackt-Laden eröffnet und von Schmid das Angebot bekommen, so ein Geschäft auch in Schwandorf aufzumachen.

In Regenstauf läuft der Umsatz mit unverpackten Lebensmitteln, Toilettenartikeln und nachhaltigen Haushaltsreinigern offenbar ganz gut. Seit einem halben Jahr gibt es dieses Angebot auch in der Großen Kreisstadt. Als einziges dieser Art im ganzen Landkreis.

Die beiden Läden von Carola Benz in Regenstauf und Schwandorf gehören dem vor wenigen Jahren gegründeten Unverpackt-Bundesverband an und teilen dessen Vorgaben. Ein Laden, der dem Verband beitreten möchte, muss mindestens 70 Prozent des Sortiments unverpackt oder in Mehrwegsystemen anbieten und mindestens 50 Prozent seines Umsatzes mit diesen Waren erzielen.

Aus biologischer Produktion

Die Bevorzugung von Waren aus kontrolliert biologischer Produktion ist dabei selbstverständlich. Darüber hinaus sollten sich die Händler aktiv darum bemühen, nachhaltige Verpackungsmaterialien zu verwenden und Verpackungsmüll sowie unnötige Marketing-Materialien in der gesamten Lieferkette zu reduzieren.

Carola Benz ist eine studierte Ökotrophologin, befasst sich also mit Aufbau und Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und kennt deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Freiberuflich arbeitet sie als Bio-Auditorin, sie überprüft dabei die Produzenten von Bio-Lebensmitteln. Dabei ist sie viel unterwegs, so dass der Laden in Schwandorf in dieser Zeit von Bettina Buckley betreut wird.

Auch hinter diesem Geschäft steht das Bewusstsein für Umweltprobleme sowie müllvermeidende Wege des Konsumierens und Wirtschaftens. "Man muss etwas für die Umwelt tun," ist die 42-Jährige überzeugt und will mit ihrem Geschäft diesen Weg beschreiten. Wobei auch die Kunden gefordert sind: "Bei uns einzukaufen bedeutet ja für die Leute, dass sie sich ein bisschen umstellen und ihre eigenen Behälter mitbringen müssen."

Das spart nicht nur Unmengen von Hartplastik, Folien oder Kartonagen, sondern schützt auch vor dem Wegwerf-Wahn. Eines der wichtigsten Geräte bei „Quantum satis“ ist daher die Waage an der Kasse. Man zahlt nach Menge und Gewicht. Das Mehl kann in der Getreidemühle frisch gemahlen werden. Und wer auf süße Leckereien schwört, kann sich an der Nussmus-Maschine bedienen.

Die Sache hat Gewicht. "Wenn man bei uns einkauft und seine Vorratsgläser zum Befüllen mitbringt, hat man am Ende eines Wocheneinkaufs 15 bis 20 Kilo." Schon, weil allein die Gläser ein Pfund wiegen. Da ist es gut, dass man im Globus mit Einkaufwägen unterwegs ist und seine Einkäufe im "Quantum satis" bequem verstauen und zum Fahrzeug bringen kann. "Das haben wir in Regenstauf zum Beispiel nicht," sagt die Öko-Händlerin.

Trend zu mehr Umweltschutz

Trotzdem sei der Standort Schwandorf laut Carola Benz "schwieriger als in Regenstauf". Denn der "klassische Globus-Einkäufer" sei "nicht unbedingt derjenige, der bei uns kaufen wird". Doch gebe es den Trend hin zu mehr Umweltschutz, der auch im Landkreis Schwandorf gesehen werde. "Wir merken auch auf Facebook, dass viele begeistert sind. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Leute zu mobilisieren, dass sie auch hierher kommen."

Neugierig auf den neuen Landen scheinen die Menschen jedenfalls zu sein, wie sich während des Interviews mit Carola Benz im "Quantum satis" zeigt. Immer wieder kommen welche herein, um sich umzusehen und das Gespräch zu suchen – unter ihnen eine Frau und ihre Tochter aus Wernberg-Köblitz, die gerade ihren Globus-Einkauf hinter sich haben und sich als Veganer zu erkennen geben. Es kommen laut Benz nicht nur junge Leute, es gibt auch ältere Kunden, "weil sie es toll finden, dass sie bei uns auch kleine Mengen kaufen können und nicht immer die große Familienpackung".

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"Bei uns einzukaufen bedeutet ja für die Leute, dass sie sich ein bisschen umstellen und ihre eigenen Behälter mitbringen müssen."

Carola Benz, Unverpackt-Laden

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