17.10.2019 - 14:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verärgerter Vermieter geht einen Schritt zu weit

Der Zorn des Mannes ist irgendwie verständlich. Als Vermieter kriegt er über Monate hinweg keinen Euro. Da öffnet der 58-Jährige mit einem bei ihm aufbewahrten Schlüssel die Wohnung. "Hausfriedensbruch" steht nun in der Anklageschrift.

Das Gericht stand vor der Frage: Wie weit darf ein enttäuschter Vermieter gehen?
von Autor HOUProfil

Die Ausgangsbasis war zutiefst ärgerlich für den 58-jährigen Besitzer eines Schwandorfer Hauses. Er hatte eine der Wohnungen an eine junge Frau und deren Lebenspartner vermietet und wartete vergeblich auf Zahlungen. Den Hintergrund der zunächst nicht absehbaren Misere schilderte nun Verteidiger Erwin Hollmann (Tännesberg) dem Amtsrichter Hans-Christopher Theißen: "Die Frau hatte kein Geld, und ihr Partner hätte, weil unter Betreuung stehend, von sich aus keinen Mietvertrag abschließen dürfen."

Der Hausherr wurde unwirsch. Nach längerem Warten auf seine Mietgelder nahm er einen Schlüssel, fuhr zu dem Anwesen und öffnete die Wohnung. Die Räumlichkeiten betrat der Mann nicht, weil er noch unter dem Türrahmen auf die Mieterin traf, mit ihr in einen Disput geriet und sie als "dumm" bezeichnete. Dann zog er ohne die ausstehenden Mietschulden wieder ab.

Die Staatsanwaltschaft ging nun in ihrer Anklage von Hausfriedensbruch aus, sie wertete außerdem die Bezeichnung "dumm" als Beleidigung. Die Diskussion darüber, ob das nun wirklich ein nicht hinnehmbares Schimpfwort war, unterblieb allerdings im weiteren Verlauf der Verhandlung. Eine richterliche Meinung dazu wäre aber durchaus interessant gewesen.

Richter Theißen erfuhr im Prozess, dass es anschließend schon noch einige Zeit dauerte, bis das weitgehend zahlungsunfähige Paar die Wohnung räumte. Bis heute wartet der 58-Jährige auf drei fällige Monatsmieten. "Die werden wohl kaum mehr kommen", mutmaßte der Vorsitzende und wog ab: Zum einen die eigentlich nicht erlaubte Benutzung des Wohnungsschlüssels, zum anderen die durchaus verständliche Lage des Mannes, der nach Darlegung seines Anwalts "einfach nur feststellen wollte, ob die Leute überhaupt noch da sind."

Noch bevor die säumigen Zahler als Zeugen gehört wurden, schlug der Richter vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Mit Zustimmung von Staatsanwältin Kathrin Heitzer zahlt der 58-Jährige nun 1600 Euro. Hans-Christopher Theißen wusste, an wen: "Die Feuerwehr Hohentreswitz, weil sie Ausrüstung braucht." Zurück blieb eine Feststellung von Verteidiger Hollmann: "Das war ein von vornherein beabsichtigter Einmietbetrug." Mit dem Konter der Staatsanwältin: "Dann hätte der Vermieter das über einen Anwalt klären lassen müssen."

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