09.07.2019 - 16:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

„Verbotene Liebe“ vor dem Kadi

Den Stein bringt eine Aussage vor Gericht ins Rollen: Als damals 20-Jähriger habe ein junger Mann eine sexuelle Beziehung zu einer Zwölfjährigen gehabt. Nun sitzt dieser auf Anklagebank - wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern muss sich ein 22-Jähriger vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten.
von Autor AHSProfil

Drei Richter nebst Protokollführerin, ein Staatsanwalt, ein Verteidiger und eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe warteten am Dienstag im Amtsgericht Regensburg vergeblich auf einen heute 22-jährigen Landkreisbewohner. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben. Ein Verbrechen, das bei Erwachsenen mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr geahndet wird.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen war eine Gerichtsverhandlung im vergangenen Jahr. Damals musste sich der nun Angeklagte wegen eines Körperverletzungsdelikts vor dem Amtsgericht verantworten.

Ganz nebenbei erzählte der Geschädigte im Zeugenstand auch, dass der Angeklagte im Januar vergangenen Jahres eine Beziehung zu einer Zwölfjährigen gehabt habe, mit der er auch den Beischlaf vollzogen haben soll, obwohl ihm deren Alter bekannt gewesen sei.

Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf und erhob Anklage beim Jugendschöffengericht als Jugendschutzgericht. Verteidiger Tobias Töpfer konnte nichts über den Verbleib seines Mandanten sagen. Er habe ihn während des Ermittlungsverfahrens nur zwei Mal am Handy erreicht, wo er abgewimmelt worden sei. Alle weiteren Versuche seien gescheitert.

Auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass sie ihn drei Mal angeschrieben hatte und darüber hinaus mehrmals versucht habe, ihn telefonisch zu erreichen. Doch der Angeklagte habe sich "tot gestellt". Auch bei der Gerichtsvorsitzenden ist der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt. Sie hatte persönlich Kontakt mit ihm in einem offenen Vollstreckungsverfahren, da er von den ihm auferlegten Bewährungsauflagen "gar nichts erledigt hatte".

Schließlich konnte Verteidiger Töpfer im Gerichtssaal seinen Mandanten am Handy erreichen. Er sei gerade mit dem Zug in Richtung München unterwegs und im Übrigen vor zwei Monaten nach Regensburg umgezogen, lies dieser verlauten.

Daraufhin wollte der Staatsanwalt einen Haftbefehl gegen ihn beantragen. Doch die Gerichtsvorsitzende gab ihm noch einmal eine Chance. Sie setzte das Verfahren bis August aus. Erscheint er allerdings auch bei dem neuen Termin nicht, wandert er unweigerlich ins Gefängnis.

Da der Angeklagte zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war muss in der Verhandlung dann auch geklärt werden, ob er nach dem Erwachsenenstrafrecht oder nach dem milderen Jugendstrafrecht zu verurteilen ist.

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