04.01.2019 - 09:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verdrängung im Dialekt: Aus drei mal zwei wird eins

Ein dialektales Wortschatzphänomen, das auf den ersten Blick sehr verblüfft, liegt bei den Entsprechungen für das standardsprachliche Zahlwort „zwei“ vor. Im (nordbairischen) Dialekt existieren dafür drei Formen.

Auf „zwej Schdöl“ liegen „zwoa Bejcher“ – eine Unterscheidung hinsichtlich der dialektalen Aussprache der Zahl „zwei“, die heutzutage kaum mehr üblich ist.
von Autor SLUProfil

Nämlich „zwej“, „zwou“ und „zwoa“. Diese richten sich nach dem Geschlecht des jeweiligen Namenworts. Während „zwej“ bei männlichen Substantiven verwendet wird, taucht „zwou“ bei weiblichen und „zwoa“ bei sächlichen auf. Demzufolge heißt es im Nordbairischen „zwej Maner“ (zwei Männer), „zwou Kej“ (zwei Kühe) und „zwoa Haiser“ (zwei Häuser), jedoch ist diese Unterscheidung anhand der so genannten gestürzten Diphthonge „ej“ und „ou“ sowie des Diphthongs „oa“, wenn überhaupt, mittlerweile nur mehr bei sehr wenigen Mundartsprechern bekannt bzw. gebräuchlich.

Diese Unterscheidung geht auf das Alt- und Mittelhochdeutsche zurück, wo für das Zahlwort „zwei“ drei eigene Formen für die drei Geschlechter existierten. Heutzutage ist es üblich, in den drei genannten Fällen die einheitliche Bezeichnung „zwoa“ zu bevorzugen, das heißt, die männliche und die weibliche Form wurden durch die sächliche verdrängt.

Dieser Verdrängungs- bzw. Veränderungsprozess ist gerade auf dem Gebiet des Dialektwortschatzes in sehr ausgeprägter Form zu beobachten. Einer Umfrage des Pädagogischen Forums der Schulregion Oberviechtach aus dem Jahr 2001 unter mehr als 2.400 Probanden aller Altersstufen ergab, dass die Generation der bis 20-Jährigen nur mehr rund 20 Prozent des typischen Mundartvokabulars aktiv beherrscht.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: In dem Maße, in dem Gegenstände und Sachverhalte aus einer längst vergangenen Zeit aus dem Alltag verschwinden, verschwinden auch die Bezeichnungen dafür. Dazu kommt, dass sich sowohl in der Gesellschaft allgemein als auch in der Bevölkerungsstruktur in den vergangenen Jahrzehnten in jeder Hinsicht ein starker Wandel vollzogen hat, der nicht dazu angetan ist, ausgefallene Mundartausdrücke zu bewahren.

Was bleibt, ist, Phänomene wie das Zahlwort „zwei“ im Dialekt zu dokumentieren und damit einen Sprachzustand in Erinnerung zu behalten, der zu einer bestimmten Zeit Allgemeingut war. In diesem Zusammenhang ist auch das Wort „zwander“ erwähnenswert. Es bedeutet „zu zweit“.

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