02.08.2018 - 15:35 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verwahrlost im Schweinestall

Der Schweinestall ist zehn Quadratmeter groß, hat eine niedrige Decke und kein Fenster. Darin eingesperrt: zwei Hunde, die unter diesen verheerenden Bedingungen verwahrlosen. Nun hat die lange Leidenszeit der Labrador-Mix-Hunde ein Ende.

Tierpflegerin Sophie Peters kümmert sich um den weiblichen Labrador-Mischling (links) und den männlichen weißen Schäferhunde-Mischling (rechts), brachte sie heute zum Tierarzt und wird sie wohl wegen des Ungezieferbefalls scheren müssen. Die Hunde befinden sich in der Quarantäne-Station des Tierheimes in Schwandorf.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Auf dem Grundstück in einem Dorf im nordöstlichen Landkreis leben eine Frau und ihre drei Hunde. Während einer davon scheinbar relativ artgerecht gehalten wurde, durchlebten die anderen beiden - ein Rüde und eine Hündin - offenbar ein Martyrium.

Eingesperrt in einem Schweinestall vegetierten die Tiere bei großer Hitze dahin und verwahrlosten völlig. Der Stall ist nach Auskunft von Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl lediglich etwa zehn Quadratmeter groß und hat nur eine sehr niedrige Decke. Ein Fenster an der Türe sei abgeklebt gewesen, ein weiteres an der Wand so klein, dass kein Hund hätte hinausschauen können. "Man könnte es auch als Verlies bezeichnen", schildert Prechtl. Die Hunde hätten keinerlei Kontakt nach außen gehabt.

Ihre Rettung nahte nach dem Hinweis eines ehemaligen Nachbarn der Halterin beim zuständigen Veterinäramt in Schwandorf. Die Mitarbeiter nahmen den geschilderten Sachverhalt ernst und rückten zu einer Tierschutzkontrolle aus, wie der Pressesprecher des Landratsamtes, Hans Prechtl, auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt.

Am Haus der Halterin angekommen, bestätigte sich der Verdacht: Die Behördenvertreter stießen zwar nicht auf die Besitzerin der Tiere, im Schweinestall aber laut Prechtl auf zwei erwachsene Hunde, die sich in einem sehr schlechten Allgemeinzustand befanden und dort alles andere als tier- und artgerecht gehalten wurden. Ein dritter Hund war im Wohnhaus untergebracht und dem Anschein nach in einem deutlich vitaleren Zustand. "Dieser Hund hat wesentlich besser ausgesehen", legte der Behördensprecher dar.

Gefahr für die Tiere

Der Fokus des Veterinäramtes lag deshalb auf den beiden Tieren im Schweinestall. Ein großes Problem: Die Türe zum Stall war mit einem massiven Schloss gesichert. Die Behördenvertreter erkannten aber den Ernst der Situation und die Gefahr für die Tiere. "Die Lage war so, dass die Mitarbeiter der Überzeugung waren, dass den Hunden geholfen werden muss", schilderte Pressesprecher Prechtl. Es sei zum Beispiel nicht gewährleistet gewesen, dass die beiden Hunde bei der derzeit herrschenden großen Hitze überhaupt etwas zu Trinken gehabt hätten.

Die Veterinäre kamen zu dem Schluss, dass eine konkrete Gefahr vorliegt und forderten polizeiliche Unterstützung an: Die Beamten sollten im Zuge der Vollzugshilfe das Schloss öffnen und die Tiere aus ihrer katastrophalen und gesundheitsgefährdenden Lage befreien.

Doch das Schloss war laut Prechtl derart massiv, dass die Feuerwehr ebenfalls alarmiert werden musste. Mit schwerem Gerät gelang es den Aktiven schließlich, das Schloss zu knacken und die beiden Mischlinge aus ihrem Gefängnis zu befreien.

Ins Tierheim gebracht

Die beiden Vierbeiner wurden in die Obhut des Schwandorfer Tierheims gegeben, wo sie nun zunächst aufgepäppelt werden. Das kann laut Tierpflegerin Sophie Peters durchaus einige Wochen dauern. Noch unklar ist es, welche genauen gesundheitlichen Folgen die Leidenszeit im Schweinestall für die beiden Hunde hatte. Eine tierärztliche Untersuchung war erst am späteren Donnerstagnachmittag angesetzt.

Ekzeme und Ungeziefer

Fest steht aber: "Sie sind verhaltensauffällig als würden sie keine Menschen kennen", schilderte Tierpflegerin Peters und betonte: "Man merkt, dass sie nichts Schönes hatten in ihrem Leben". Darüberhinaus sei das Fell der Tiere ziemlich verwahrlost: "Es besteht eigentlich nur aus Filz".

Laut Landratsamts-Sprecher Prechtl waren die beiden Tiere zwar nicht abgemagert, wurden aber ansonsten massiv vernachlässigt. Sie hätten Ekzeme gehabt, seien von Ungeziefer befallen und kotbeschmiert gewesen. Darüberhinaus seien die Augen verklebt gewesen, was ebenfalls ein Zeichen für eine Krankheit sei. Auch die Krallen der beiden Tiere seien wohl schon seit Langem nicht mehr geschnitten worden.

Dem Vernehmen nach dauert das Martyrium der beiden Tiere wohl schon länger. Die Besitzerin ist wohl zwar erst vor Kurzem aus einem Ort im westlichen Landkreis umgezogen, doch auch an ihrem früheren Wohnort gab es - so war aus sicherer Quelle zu erfahren - Beschwerden über die Art, wie sie ihre Hunde hielt und mit ihnen umging. Aus diesen Reihen kam nun auch die Anzeige beim Veterinäramt in Schwandorf.

Richter entscheidet

Wie es mit den beiden Hunden weitergeht, ist indes noch offen: Es wird in der nächsten Zeit eine richterliche Entscheidung geben, ob die Tiere wieder zurück an ihre Halterin gehen, oder ob sie aus dem Tierheim an neue Herrchen und Frauchen weitervermittelt werden.

Auch für die Besitzerin könnte die nicht tiergerechte Haltung ihrer Hunde Folgen haben. "Es gilt aber zunächst, sich um das Wohl der Hunde zu kümmern", unterstrich Landratsamts-Sprecher Prechtl. Dann aber könnte die Besitzerin im Zuge einer Ordnungswidrigkeit durchaus auch mit einer Geldbuße belegt werden.

Außerdem wird sie bald wieder Besuch vom Veterinäramt bekommen: Dann wollen die Mitarbeiter den dritten Hund - der auf den ersten Blick besser ausgesehen hat - genau unter die Lupe nehmen und begutachten.

Man merkt, dass sie nichts Schönes hatten in ihrem Leben.

Tierpflegerin Sophie Peters

Hintergrund:

Appell an Hundebesitzer

Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl richtete abschließend einen eindringlichen Appell an alle Hundebesitzer, gerade jetzt in den glutheißen Sommermonaten auf ihre Tiere gut aufzupassen. "Man liest leider immer wieder von Leuten, die ihren Hund im Auto zurücklassen", bedauerte Prechtl. Oftmals würden die Besitzer wohl auch nicht bedenken, dass die Sonne wandert - und ein Auto, das eben noch im Schatten geparkt stand, plötzlich in der prallen Sonne steht, was bei den derzeit herrschenden Temperaturen schnell zu einer großen Gefahr für die Hunde werden kann. (tib)

Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl

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