Schwandorf
03.04.2023 - 11:47 Uhr
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Zu viele Ungereimtheiten: 21.000 Euro bleiben in der Justizkasse

Bei einer Kontrolle fanden Polizeibeamte im Auto zweier junger Osteuropäer 21.000 Euro. Das Geld wurde beschlagnahmt. Nun entschied das Amtsgericht Schwandorf, dass die beiden Rumänen die Summe auch nicht zurückerhalten – aus einem Grund.

Bei einer Kontrolle fanden Polizeibeamte 21.000 Euro im Kofferraum eines Autos. Die Frage, woher die Summe stammt, beschäftigte nun das Schwandorfer Amtsgericht. Symbolbild: Götz
Bei einer Kontrolle fanden Polizeibeamte 21.000 Euro im Kofferraum eines Autos. Die Frage, woher die Summe stammt, beschäftigte nun das Schwandorfer Amtsgericht.

Draußen vor dem Schwandorfer Amtsgericht stand am zweiten Prozesstag eine Limousine aus der 50.000-Euro-Kategorie. Mit ihr hatte ein 24-Jähriger samt Beifahrerin erneut den 1500 Kilometer langen Weg aus Rumänien nach Schwandorf angetreten. Sein Bruder (22) blieb auch diesmal daheim, obgleich auch er jene 21.000 Euro zurückhaben wollte, die von Polizisten an einem Junitag 2022 im Auto der beiden Rumänen gefunden und sichergestellt worden waren.

Das auch in polizeilicher Tätigkeit eher seltene Intermezzo ereignete sich an einem Rastplatz neben der A6 unweit der Anschlussstelle Nabburg/Kemnath am Buchberg. "Woher ist das Geld?", fragten die Polizisten, als sie auf einen dicken Packen Scheine im Handschuhfach stießen.

Angebliches Geburtstagsgeschenk

Die Antwort lautete: Einer der Brüder habe die 21.000 Euro von seinen Eltern in Rumänien zum 21. Geburtstag für einen Autokauf in Deutschland zum Geschenk erhalten. Ferner bekamen die Fahnder zu hören: Erst sei man gemeinsam nach Berlin gefahren, habe dort keinen passenden Pkw gefunden und befinde sich zum Zeitpunkt der Kontrolle auf dem Weg in Richtung Amberg.

Wieso Amberg? Dort, so wurde mitgeteilt, halte sich gegenwärtig ein Kumpel aus Rumänien auf, der telefonisch zugesagt habe, einen Autokauf in der Vilsstadt zu organisieren. Schon da wurde die Sache abenteuerlich. Doch sie nahm noch weitaus verwirrendere Züge an. Der Freund namens "Robert" hätte nun zum zweiten Verfahrenstag nach Schwandorf kommen sollen. Doch der Mann erschien nicht. Ob es ihn überhaupt gibt, blieb fraglich.

"Eigentlich ist doch alles zu Gunsten meines Mandanten erwiesen", beschrieb Verteidiger Christian Ciurea (Augsburg) nach zusammengerechnet achtstündigem Verhandlungsverlauf seine Eindrücke. Doch da irrte sich der Jurist. Denn auf dem Tisch von Richterin Kathrin Heitzer lag das Protokoll zu einem Vorgang, der sich am 23. Juni 2021 um 18.30 Uhr am Rand einer Stadt in Oberbayern ereignet hatte. Dort stoppte die Polizei einen Wagen, in dem die angeblich mit höherer Schulbildung versehenen Studenten aus Rumänien saßen. Was sie dabei hatten, war nahezu das komplette Werkzeug zum illegalen Auslesen von Geldautomaten. "Skimming" heißt dieser kriminelle Vorgang in der Fachsprache.

Die Staatsanwaltschaft stellte später das Verfahren ein, weil es "nicht zu einer Anklage gereicht hätte." Die Schwandorfer Amtsrichterin hakte da aber nun kräftig nach und erfuhr von dem in eigener Beweislast für besagte 21.000 Euro befindlichen Rumänen, dass unter anderem mehrere gefundene Pinzetten "zum Augenbrauenzupfen" gedacht gewesen sein.

"Das passt nicht zusammen"

Staatsanwalt Sebastian Eckl war überzeugt davon, "dass die 21.000 Euro kein Geburtstagsgeschenk der Eltern waren". Das Ehepaar, am ersten Prozesstag die Legende von einer finanziellen Gabe zum 21. Geburtstag des Sohnes verbreitend, lebe von 2400 Euro im Monat und müsse davon fünf Personen durchbringen. Darunter auch die angeblich ohne Einkommen studierenden Söhne. "Das alles passt nicht zusammen", bilanzierte Eckl und verwies auf die vor dem Amtsgerichtsgebäude stehende Luxuslimousine.

Verteidiger Ciurea zürnte. Der legale Besitz von 21.000 Euro sei erwiesen, entrüstete er sich und fügte hinzu, trotzdem werde niemandem aus Rumänien hier vor dem Amtsgericht geglaubt. Der Anwalt wollte die Herausgabe der Summe "ohne Wenn und Aber". Doch er wusste wohl selbst schon zu diesem Zeitpunkt, dass die Felle der Legalität längst weggeschwommen waren.

Die Fragestellung "Woher stammte das Geld?" wurde von der Richterin sehr konsequent beantwortet. Sie beließ die 21.000 Euro in der bayerischen Justizkasse und unterstrich: "Ihre ganze aufgetischte Geschichte stimmt hinten und vorn nicht." Eine Straftat, hieß es, sei naheliegend, ein nobles Geburtstageschenk aber nicht.

Interessant war, dass im Kofferraum des von den Brüdern benutzten Autos eine Tasche mit Damenwäsche, Utensilien aus Erotikshops und Verhütungsmitteln gefunden wurde. "Das gehört mir", hatte eine Schwester (20) der Rumänen am ersten Prozesstag behauptet. Die Ansicht von Polizeifahndern sah anders aus: "Womöglich ein Hinweis auf illegale Prostitution." Die 21.000 Euro sind noch nicht endgültig auf deutscher Seite abgebucht. Der 24-Jährige und sein Bruder hätten nun die Möglichkeit, Beschwerde beim Landgericht Amberg einzulegen. Sie könnten aber auch sofort in Revision zum Oberlandesgericht gehen.

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Schwandorf22.03.2023
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