29.10.2019 - 15:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vogelfutter: Es ist angerichtet

Wer Vögeln etwas Gutes tun will, schafft Lebensräume für Insekten, lässt Rispen und Gräser stehen und füttert artgerecht. Kein altes Brot, sondern geeignetes Vogelfutter. Vielleicht selbst gemacht?

Winter 2018: Eine hungrige Meise auf einem selbst gemachtem "Ruck-Zuck"-Knödel.
von mvsProfil

Vogelfutter selbst herzustellen, geht schnell und macht enormen Spaß – insbesondere gemeinsam mit Kindern, die am Versorgen von Piepmätzen große Freude entwickeln können. Fertige Knödel aus dem Handel – billig, aber im Plastiknetz im Plastikeimer – erübrigen sich so. Das Grundrezept (im Infokasten) ist simpel und immer gleich. Nur die Form der Darreichung variiert. Es folgt eine Auflistung, von weniger bis sehr praktikabel, getestet von der OWZ-Autorin zusammen mit 20 Waldkindergartenkindern.

Vogelfutter in Plätzchenform

Vogelfutter als Stern, Mond oder Tannenbaum – theoretisch ist diese Variante etwas zum Verschenken, weil dekorativ ist. In der Praxis brechen Vogelfutterplätzchen leicht und sind damit nicht mehr brauchbar. Außerdem erkennt man die jeweilige Form nach nur einem Meisen-Besuch ohnehin nicht mehr. Wer sich dennoch daran probieren will, braucht: Vogelfutter-Masse nach Grundrezept, Plätzchenformen (möglichst groß, möglichst ohne Spitzen und sonstig Filigranes), Alufolie, Strohhalme und Kordel.

So geht’s:

1. Plätzchenausstecher von außen mit Alufolie ummanteln, so dass aus dem Ausstecher eine Form wird.

2. Strohhalm hineinstecken (sorgt für das Loch, durch das später der Faden gezogen wird.)

3. Vogelfutter-Masse in die Form und rund um den Strohhalm gießen. Erkalten lassen.

4. Aus der Form lösen, ein rund 20 Zentimeter langes Band durch das Loch fädeln und in einen Baum oder Strauch aufhängen.

Oder wahrscheinlicher: Aus der Form lösen, Brösel zusammenklauben und in den Topf zurückgeben. Alles erneut erhitzen, um eine andere Variante zu realisieren, zum Beispiel:

Vogelfutter am Stiel

Dieser Vogel-Snack, der einem „Cake Pop“ gleicht, lässt sich ins Beet stecken. Vor allem Amseln lieben Vogelfutter am Stiel. Nachteil: Bei viel Schnee ist es nicht mehr zu sehen. Und die Amseln stehen vor der Tür und fragen, was das für ein Service sein soll. Vorteile: Auch ganz kleine Kinder können das Vogelfutter am Stiel selbst ins Beet stecken. Da diese Variante komplett aus natürlichem Material besteht, muss im Frühjahr nichts entsorgt werden.

Bedarf:

Vogelfutter nach Grundrezept, 15 bis 20 Zentimeter lange, fingerdicke Äste.

So geht’s:

1. Masse leicht abkühlen lassen, bis sie nicht mehr flüssig ist, aber noch weich genug, um geformt zu werden.

2. Kugeln formen, einen Ast hineinstecken und andrücken.

3. Ab ins Beet damit. Oder in den Balkonkasten.

Vogelfutter im Blumentopf

Bei dieser Variante kommen Kinder so richtig auf ihre Kosten, weil sie auch mit Farbe arbeiten können. Was will man mehr? Heißen Kakao vielleicht. Und Bratäpfel. Und Kerzen! Und eine danach renovierte Küche. Aber sonst?

Bedarf:

Vogelfutter nach Grundrezept, 15 bis 20 Zentimeter lange, fingerdicke Äste, kürzere Ast-Stücke (kürzer als der Durchmesser des Blumentopfs), kleine Blumentöpfe mit Loch im Boden, Pappe, Nadel (mit einer Öse, durch die die Kordel passt), Kordel, wasserfeste Farbe.

So geht’s:

1. Blumentopf auf Pappe stellen, die Form des Bodens nachzeichnen und ausschneiden.

2. Blumentopf außen bemalen und trocknen lassen.

3. Kurze Ast-Stücke mittig mit Kordel umwickeln. Kordel von innen durch das Blumentopfloch nach außen ziehen. Der Topf kann jetzt baumeln.

4. Vogelfutter-Masse einfüllen und langes Ast-Stück mittig hineinstecken. Daran halten sich die Vögel fest.

Vorteil:

Malen, Knoten, Fädeln, Blumentopf, Pappe, Kordel – es ist alles dabei, was das Kinderbastelherz begehrt. Und so ein Topf ist für die Ewigkeit.

Nachteil:

Malen, Knoten, Fädeln, Blumentopf, Pappe, Kordel, – alles dabei. Dabei geht es auch mit viel, viel weniger Materialaufwand.

Selbstgemachtes Vogelfutter nach der Turbo-Methode (der absolute Favorit, weil simpel)

Bedarf:

Vogelfutter nach Grundrezept, ein stabiler und etwas verformbarer Behälter, eine zur Schlaufe gebundene Kordel, beispielsweise aus Hanf. Wer Zeit und Muße hat, dreht sich aus Brennnesseln Kordeln.

Als Behälter funktioniert zum Beispiel: Von einem leeren Tetrapak das untere Drittel abschneiden oder man nimmt einen leeren sauberen Plastikbecher von Joghurt, Sahne, Schmand oder Quark. So bekommt das künftige Mikroplastik zumindest einen weiteren Zweck.

So geht’s:

1. Die Vogelfutter-Masse in die Behälter gießen. Die beiden Enden der Kordeln zusammenbinden, in die Masse legen und dabei ein Schlaufenende heraus lugen lassen.

2. Draußen aushärten lassen, aus der Form lösen und aufhängen.

Oder: Wer Zeit hat und mit Kindern ganz unterschiedliche Erfahrungen machen will: Verschiedene Zutaten bereit legen und jedes Kind seinen Becher füllen lassen, anschließend mit Fett auffüllen. Für Kinder ist das großartig, weil jedes selbstbestimmt viele Entscheidungen treffen kann: Nur eine Sorte Samen? Oder von jeder Sorte handverlesen wenige? Rasch ein paar Griffe in die Leinsamenschale und fertig?

Vorteil:

Simpler und schneller geht es nicht.

Nachteil:

Nicht so schick.

Mit dieser Methode bleibt viel Zeit, um bei Kerzenschein Kakao zu trinken und vom Fenster aus zu beobachten, ob sich die so eifrig „Bekochten“ schon interessieren. Vor allem Meisen lassen nie lange auf sich warten. Wichtig: Wer anfängt zu füttern, sollte auch den Winter über dabei bleiben – die Tiere verlassen sich auf das Nahrungsangebot.

Selbstgemachtes Vogelfutter:

Fünf-Minuten-Grundrezept

Allen Varianten des Vogelfutters gemein ist das Grundrezept, dessen Zubereitung nur fünf Minuten dauert.

Pflanzenfett im Topf erhitzen bis es flüssig ist.

Derweil in einer großen Schale schwungvoll mischen: Apfel- und Birnenkerne, Bucheckern, Dinkel, Gerste, Hafer, Hagebutten, Haselnusskerne, Hirse, Holunderbeeren, Korinthen, Leinsamen, Melonenkerne, Mohnsamen, Rosinen (ungeschwefelt), Sonnenblumenkerne, Vogelmiere, Walnüsse und Weizen.

Walnuss- und Haselnusskerne kann man in eine Tüte geben und von den Kindern zerkleinern lassen.

Die fertige Mischung ins flüssige Fett gießen. Das Mischungsverhältnis: Ein Teil Fett, zwei Teile Körner-Beeren-Mischung.

Fertig.

Gelauscht:

Futterzubereitung im Waldkindergarten

Im Waldkindergarten "Schwanenkinder" in Richt hat das Herstellen von Vogelfutter schon Tradition. Während die Drei- bis Sechsjährigen werkeln, kam 2018 die Frage auf: Warum werfen wir das Vogelfutter nicht einfach auf den Boden?

Drei Antworten: "Weil die Vögel sonst so herumhüpfen, picken, nicht mehr aufpassen und dann vom Fuchs überrascht werden." Woraufhin die Situation höchst anschaulich, etwas laut und turbulent nachgespielt wurde.

Oder: "Weil der Schnee es dann bedeckt, dann fahren wir mit dem Schlitten drüber und dann gibt's nix mehr. " Logisch.

Allgemeine Erheiterung - halb entsetzt, halb amüsiert - löste diese Antwort aus: "Weil sonst die Ameisen drauf pieseln." (mvs)

Die Thuja-Hecke gewährt der Meise nur eine gute Aussicht, aber keinerlei Früchte. Wer Vögeln einen Gefallen tun will, setzt auf Nährgehölze wie die Kornelkirsche.
Ein Maiskolben, aufgelesen vom Feldrand und im Garten drappiert: Weiß auf Gelb zeugen gepickte Löcher vom Appetit eines fleißigen Spatzen.
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