17.10.2018 - 10:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vorhang auf für die Marionetten-Schau

Papageno ist im Stadtmuseum eingezogen, Don Juan auch. Er hängt so ungünstig, dass er die sich oben ohne räkelnde Nixe nicht sieht. Sie alle sind Teil der Ausstellung "Das Schwandorfer Marionettentheater - über 40 Jahre auf der Bühne".

Eine feste Größe im Schwandorfer Kulturprogramm der Adventszeit ist "Die Weihnachtsgans Auguste" das einzige Stück mit Weihnachtsbezug, das das Marionettentheater seit 1977 gespielt hat. In der Ausstellung ist eine Szene mit der Auguste arrangiert. Im Bild von links Bürgemeisterin Ulrike Roidl, die "eltern" der kleinen Puppen Raimund und Christine Pöllmann sowie Museumsleiterin Eva Maria Keil.
von Irma Held Kontakt Profil

Die "Eltern" der Holzfiguren, Raimund und Christine Pöllmann, haben für die Ausstellung "Das Schwandorfer Marionettentheater - über 40 Jahre auf der Bühne" aus ihrem großen Fundus eine repräsentative Auswahl ‒ etwa ein Sechstel des Bestandes ‒ getroffen. Wer die Museumsräume betritt, taucht ein in eine Welt des Theaters und der Fantasie, vergisst Zeit und Wirklichkeit. Das ist so gewollt.

Museumsleiterin Eva Maria Keil ist es bei dieser "Ausstellung besonders wichtig, dass sie ästhetisch stimmig ist. Wir wollten die Figuren in Bewegung präsentieren." Das ist bei den etwa 100 Unikaten gelungen. Ergänzend dazu schaffen Requisiten und Bühnenbilder Spielszenen-Atmosphäre. Während der Schau läuft der Film zum "Zauberer Mostrodox".

Gefertigt werden die Marionetten, alles Unikate, von Raimund und Christine Pöllmann. Raimund Pöllmann schnitzt die Köpfe aus Zirbelholz, formt die Charaktere und setzt den Köpfen Glasaugen ein. Nach einer Grundierung werden jene bemalt. Er fertigt

außerdem Körper, Arme und Beine.

Das Outfit ist dann Christine Pöllmanns Part. Sie zieht die Puppen im Stil der jeweiligen Zeit an. Die Kleidung wird an der Figur selbst genäht. Nur die allerwenigsten Marionetten werden nach den Worten von Christine Pöllmann ein zweites Mal verwendet. Genauso ist es bei den Stücken. Erwachsenenstücke wurden bisher nie wiederholt, außer für ein Gastspiel. Bei den Kinderstücken wird allenfalls eine überarbeitete Fassung auf den Spielplan gesetzt, wie zum Beispiel heuer nach zehn Jahren Hänsel und Gretel.

Beim Angebot für die Großen hat die Theatergruppe keine Berührungsängste. "Romeo und Julia", "Die Zauberflöte", aber auch Molière, Ferdinand Raimund, Ludwig Anzengruber oder Carlo Goldini ‒ die Bandbreite der Stücke ist groß. Heuer ist Goethes "Faust" dran.

"Junge Männer müssen wir einfliegen", erzählt Christine Pöllmann schmunzelnd beim Pressegespräch im Stadtmuseum. Das heißt, weil das Ensemble altert, wurden Sprechrollen vergeben, erstmals einzeln im Pöllmannschen Haus und in Wien aufgenommen. "Ich freue mich auf den Faust in der Schwandorfer Fassung", sagt Bürgermeisterin Ulrike Roidl.

Das Marionettentheater sei ein fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit, auch wenn keine weihnachtlichen Stücke mit Ausnahme der "Weihnachtsgans Auguste", gespielt würden. Dafür möchte sie einfach Danke sagen, denn die Theaatergruppe mit dem Spielkreuz sei ein Aushängeschild der Großen Kreisstadt. Die Marionettenbühne ist seit 1988 regelmäßig im November und Dezember ins Dachgeschoss im Oberpfälzer Künstlerhaus daheim.

Viel Zeit und Herzblut fließen bei Raimund und Christine Pöllmann in die Welt der kleinen Puppen. Ein Ausschnitt aus dem "Diamanten des Geisterkönigs" ist in der Ausstellung mit großer Liebe zum Detail aufgebaut.

Ausstellung und Buch:

Die Ausstellung "Das Schwandorfer Marionettentheater ‒ über 40 Jahre auf der Bühne" wird an diesem Donnerstag um 19.30 Uhr eröffnet. Nach der Ansprache von Oberbürgermeister Andreas Feller führen Christine und Raimund Pöllmann in die Ausstellung ein. Den musikalischen Part übernimmt das Holzbogen-Ensemble. Vorgestellt wird an diesem Abend das Buch "Die Welt der Schwandorfer Marionetten", das Sebastian und Michael Pöllmann ihrem Vater Raimund zum 80. Geburtstag schenken. Darin enthalten sind Christine Pöllmann zufolge Beiträge unter anderem von Heiner Riepl, Erika Eichenseer und Alfred Wolfsteiner. Die Ausstellung ist vom 19. Oktober bis 17, Februar 2019 zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums sowie nach Vereinbarung zu sehen.

Wir wollten die Figuren in Bewegung präsentieren

Museumsleiterin Eva Maria Keil

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