27.12.2019 - 10:17 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die Vorsilbe "da" im Oberpfälzer Dialekt

„Dalust und daspächt“ lautet der Titel des Buches der Mundartautorin Maria Schwägerl (1895-1960). Darin ist zweimal ein typisch bairisches Wortbildungsmuster enthalten, nämlich die Vorsilbe „da-“ in Verbindung mit einem Tätigkeitswort.

In ihrem Buch schrieb Maria Schwägerl nieder, was sie von Kindheit an in ihrer Oberpfälzer Heimat „dalust und daspächt“ hatte.
von Autor SLUProfil

Laut Ludwig Zehetner, dessen Werk „Bairisches Deutsch“ als Referenzquelle für die vorliegende Abhandlung dient, sind die meisten der auf diese Art und Weise entstandenen „neuen“ Verben der Bedeutung nach perfektiv. Dies besagt, dass sie zum Ausdruck bringen, „dass die im Grundwort genannte Handlung zu einem Ergebnis, Abschluss kommt“. Andere sind iterativ, das heißt, sie bezeichnen eine häufige Wiederholung von Vorgängen, und daneben existiert noch eine Gruppe mit weiteren Bedeutungen.

In vielen Fällen entspricht das Präfix „da-“ einem standardsprachlichen „er-“, „zer-“ und „ver-“. Jedoch haben sich mit diesem Wortbildungsschema im Dialekt bei bestimmten Verben auch ganz eigenständige Wörter ergeben, die nicht in die Hochsprache übertragbar sind. Was „dalusn“ und „daschbächtn“ anbelangt, trifft Ersteres zu: Die standardsprachlichen Pendants lauten „erlauschen“ und „erspähen“.

Innerhalb der Tätigkeitswörter mit perfektiver Bedeutung lässt sich eine Einteilung danach treffen, ob ein positives oder negatives Ergebnis impliziert ist. Zur ersten Gruppe gehören „dalusn“ und „daschbächtn“ (in veränderter Schreibweise), aber auch eigenständige mundartliche Beispiele wie „dasàffa“ (nicht im Sinne von „ersaufen“), „daschnaoufa“ (Verb: schnaufen), „daschejm“ (Verb: schieben) und daschreia (Verb: schreien). In solchen Fällen wird das Ergebnis im Satz oft verneint oder in Frage gestellt, wie folgende Situation belegt: „Bleib schdäi, i konns nimmer daschnaoufa.“ Hier bittet eine Person eine andere, mit der sie unterwegs ist, um eine Pause, da sie außer Atem ist. Ein negativer Sachverhalt wird dagegen in den folgenden Belegen widergespiegelt: dadren (zertreten), dafrejsn (erfrieren), dahungern (verhungern), se darena (durch zu schnelles Fahren zu Tode kommen).

Ein weiteres auch heute noch sehr geläufiges Wort der beschriebenen Kategorie, das sich bei Maria Schwägerl findet, ist „dalem“ (erleben), und zwar in der letzten Strophe des Gedichts „D’ Hoi’dorfa Rosl“: Grod ’n Achzga, moint d’Rosl, – Mächat s’ daleem, – Wal ihr hal’ ihre Wusala – So a morts Freid o’gem.

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