10.10.2018 - 11:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vorstoß in die "dritte Option" beim Geschlecht

W für weiblich, m für männlich: So einfach ist die Sache auf dem Formular. Die Wirklichkeit sieht manchmal anders aus. Julia Schnorrer aus Klardorf setzt auf die "dritte Option". Und will jetzt auch ihren Vornamen ändern lassen.

Wir aus Julia bald Jay Schnorrer? Die "Aktion Standesamt" könnte da helfen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Autorin, Regisseurin, Filmemacherin: Mit all diesen Berufsbezeichnungen kann Julia Schnorrer ganz gut leben. Nur mit dem Vornamen hadert sie schon seit geraumer Zeit, viel lieber wäre ihr der genderneutrale Spitzename "Jay". So nennen sie ihre Freunde, seit sie elf Jahre alt ist. "Seit 26 Jahren werde ich nun als weiblich angesehen, aber ich bin das einfach nicht", erzählt sie ganz locker.

"Über fünf Ecken" hat die sie nun von der "Aktion Standesamt 2018" gehört, nicht zuletzt spielten dabei auch der Zufall und eine Serie auf Netflix eine Rolle. Die Initiative fordert ein Gesetz zu einem selbstbestimmten positiven dritten Geschlechtseintrag bis zum Jahresende. Sie knüpft damit an die Kampagne "Dritte Option" und einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober 2017 an. Der Gesetzgeber wurde durch diesen Beschluss verpflichtet, diese Rubrik einzurichten. Alternativ könnte er aber auch den staatlich erfassten Geschlechtseintrag komplett abschaffen. "Wir fordern, dass das zukünftige Gesetz unser Recht auf eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität achten wird. Dafür machen wir öffentlich Druck!", heißt es in einer Erklärung der Aktion.

Die Initiatoren wollen nicht erst auf die Reform warten, sondern schon vorher den selbstbestimmten Geschlechtshinweis beantragen. In dieser Woche sollen alle Interessierten ihre Anträge bei den Standesämtern einreichen.

"Ich finde es super, dass es so eine Aktion gibt" sagt Julia Schnorrer. "Wenn das klappt, dann ist das ein bisschen wie eine Existenzbestätigung dafür, dass es eben nicht nur Mann und Frau gibt." Sie peilt nun einen Kombi-Antrag an, den sie zunächst am Erstwohnsitz in Berlin einreichen wird. Dort soll die Namensänderung möglich werden. Von dort würde der Antrag dann weitergereicht werden ans Standesamt Regensburg, wo die Geburtsurkunde modifiziert werden könnte. Auf dieser Basis könnte die künftige Jay Schnorrer dann auch ihren Ausweis ändern lassen. "Die offiziellen Unterlangen würden dann meinem Selbst viel besser entsprechen", sagt die 26-Jährige, "das würde mein Leben um Welten besser machen".

Dafür nimmt sie auch einen nicht geringen Aufwand in Kauf. Wie viele Menschen sich an der Aktion beteiligen, lässt sich für Schnorrer nur schwer abschätzen. Während sie in Berlin viele Menschen kennt, die sich mit der dritten Option viel besser identifizieren könnten, habe sie in Bayern bislang kaum so jemanden getroffen.

"Es ist eben auch eine Frage, wie offen jemand ist." Schnorrer ist sich durchaus bewusst, dass da potenziell auch eine Enttäuschung auf sie zukommen könnte. "Aber ich hoffe einfach, dass wir gehört werden." Für Samstag, 13. Oktober, ist jedenfalls als feierlicher Abschluss eine große Kundgebung in Berlin geplant, danach soll es zur "Unteilbar-Demo für Vielfalt" gehen.

Info:

Eine "Aktion Standesamt" gab es schon einmal 1992. Damals ging es um das Recht auf Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare. Die Hauptziele der aktuellen Aktion betreffen ein neues Personenstandsgesetz mit selbstbestimmtem dritten Geschlechtseintrag: Nach der Geburt soll der Eintrag frei bleiben, er soll unabhängig von der körperlichen Konstitution möglich sein und unabhängig von Alter, Gutachten und Nachweisen. Auch Regelungen von Folgefragen und für Personen ohne deutschen Pass werden in diesem Zusammenhang gefordert - und nicht zuletzt Diskriminierungsschutz. (bl)

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