21.08.2018 - 14:44 Uhr
SchwandorfOberpfalz

WAA "goes America"

Annie Albagli ist wieder auf Spurensuche - mit Wolfgang Nowak an der Seite. Er weiß, wo sie fündig wird. Die kalifornische Künstlerin arbeitet an einer Videoinstallation über die WAA.

Die WAA-Videoinstallation von Annie Albagli ist in Arbeit. Einige Anfangssequenzen zeigt sie im Atelier des Künstlerhauses Wolfgang Nowak.
von Irma Held Kontakt Profil

(ihl) Die 32-Jährige aus San Francisco ist zum zweiten Mal in Schwandorf. Im vergangenen Sommer verbrachte sie über das "Djerassi Resident Artists Program" mehrere Wochen im Künstlerhaus. "Ich habe mich, als ich wusste, dass ich nach Schwandorf komme, schlau gemacht und bin auf das Thema WAA gestoßen", erzählt sie. Das ist genau das Richtige für sie, denn den Beziehungen der Menschen untereinander sowie zu Natur und Umwelt gilt ihr Interesse. Sie geht deshalb Fragen nach wie: Was hat das bei den Menschen ausgelöst? Wie hat es sie verändert? Wie hat es die Landschaft verändert?

Zwei Dinge sind ihr bei ihren Recherchen rund um die Wiederaufarbeitungsanlage besonders aufgefallen. Zum einen, welche Hauptrolle Energiegewinnung spielt, vom Braunkohle-Abbau über die geplante WAA bis hin zu Photovoltaik. Zum anderen hat es sie erstaunt, dass das im Vietnamkrieg eingesetzte CS-Gas seinen Weg "in so eine kleine Stadt" und bei den Auseinandersetzungen um die WAA wieder Verwendung gefunden hat.

Nowak als Erzähler

Sie macht sich im Sommer 2017 sofort an die Arbeit, klopft bei Stadtarchivar Josef Fischer an und wenig später bei Wolfgang Nowak, der mit seinem riesigen Archiv als "Gedächtnis des Widerstands" gelten kann. Er fährt mit ihr die wichtigsten Orte ab, stellt Kontakte her, vermittelt Gesprächspartner, unter anderem Irmgard Gietl, die ihr ein Paar selbst gestrickte Socken schenkt. Nowak unterstützt Annie Albagli, wo es geht. Das Grobkonzept für ihre etwa 30-minütige Installation steht. Eine erste Rohfassung ist in etwa angelegt. Doch bestimmte Dinge fehlen noch, "deshalb bin ich hier". Die knappe Woche nutzt sie um manches neu aufzunehmen, zum Beispiel eine Votivtafel in der Kreuzbergkirche. "Das Foto vom vorigen Jahr ist zu dunkel."

Sie spielt den Anfang der Arbeit im Atelier des Künstlerhauses II ab. Der Film beginnt idyllisch, viel Grün, viel Ruhe und viele fröhlich-friedliche Menschen, eine Menschenkette. Die Musik verstärkt diese Stimmung. Aber so entspannend wird, soll es nicht bleiben. Schon die maschinelle Rodung der Bäume beschreibt die US-Amerikanerin als gewalttätige Aktion. Analog zur Zuspitzung der Lage wird auch die Videoinstallation Fahrt aufnehmen. Rasante Bilderfolgen im Einklang mit der Musik sorgen für Dynamik und Dramatik.

Im Kopf hat sie den fertigen Film, umgesetzt ist er noch nicht. Wolfgang Nowak gehört die einzige menschliche Stimme. Er ist der Erzähler und Erklärer in Personalunion. "Ich brauche noch einen Übersetzer." Annie Albagli will mit Untertiteln arbeiten. Auf Sychronisation steht sie nicht so, weil die echte Stimme eines Menschen auch ein Stilmittel ist. "Leute, die in Amerika meinen Film sehen, sollen inspiriert werden, von der Zusammenarbeit der WAA-Kämpfer." Sie meint das Zusammenfinden grundverschiedener Menschen, sei es Herkunft oder Religion, um einer Sache willen. Das ist für sie das Faszinierende, denn das wäre in Amerika nicht möglich. Und auch die Leidenschaft, die Empathie nach so vielen Jahren, wenn das Reizwort WAA fällt, beeindruckt sie.

Arbeit bis Januar

Die junge Künstlerin, die an der Hochschule unterrichtet, fasst gerne heiße Eisen an. Eine Arbeit beispielsweise greift die Folgen einer Militärfabrik in der San Francisco Bay für Mensch und Umwelt auf. "Aber ich befasse mich auch mit anderen Themen". Sie meint harmlose, weniger brisante Geschichten. Im Januar will sie die WAA-Installation fertig haben, die sie nicht nur in Galerien ihres Heimatlandes, sondern ebenso gerne hier in Schwandorf zeigen möchte. "Da muss ich mal Künstlerhaus-Leiterin Andrea Lamest fragen."

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