25.05.2019 - 08:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

WAA auf der Museumsbühne in Regensburg

Es ist einige Jahre her, dass Mitarbeiter des Hauses der Bayerischen Geschichte bei Wolfgang Nowak vorstellig wurden. Ab 5. Juni ist die WAA-Zeit im Museum der Bayerischen Geschichte wieder sichtbar.

Rudolf Forster zeigt sein Nein zur WAA mit diesem selbstgebauten „Kopfschmuck“ am Faschingssonntag 1986 im Taxölderner Forst. Die Aufnahme ist ab 5. Juni in der Dauerausstellung im neuen Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen.
von Irma Held Kontakt Profil

In der Dauerausstellung wird die Historie Bayerns ab 1806 (Bayern wird Königreich) in der Abfolge von neun Generationen erzählt. Wichtige Ereignisse werden im neuen Regensburger Museum am Donauufer auf Bühnen inszeniert. Der Widerstand gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) fällt der Generation 8 - Wendejahre 1975 bis 2000 - zu. Ein Charakteristikum ist unter anderem, dass erstmals mehr Menschen im Dienstleistungssektor beschäftigt sind als in der Produktion.

Zur erfolgreichen Strategie der CSU, sich in besonderem Maß mit Bayern zu verbinden, setzt der Protest gegen die WAA in dieser Ära einen Kontrapunkt. Das Haus der Bayerischen Geschichte erklärt, dass "der Widerstand Menschen aller Bildungsschichten und sozialer Milieus im Oberpfälzer Wald zusammenführt. Bands wie die Toten Hosen oder die Biermösl Blosn geben sich beim WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld die Ehre." Das Festival begründet eine jahrzehntelange musikalische Freundschaft zwischen den Rheinländern und den Well-Brüdern, die noch heute in gemeinsamen Konzerten gipfelt.

Auf der Anfang Mai fertiggestellten WAA-Bühne bilden nach Angaben des Hauses der Bayerischen Geschichte die Flaggen und Banner die Hauptexponate. Aus konservatorischen Gründen werden Reproduktionen gezeigt, um die Originale bestmöglich zu erhalten. Die Protestbanner, -fahnen und -transparente schenkte Wolfgang Nowak dem Haus der Bayerischen Geschichte bereits 2014. Wie auch für die Macher des "Wackersdorf"-Films stellte der Fronberger - Archivar und Gedächtnis des Widerstands - Kontakte zu Personen her, die über einschlägiges Material, wie etwa Bilder, verfügen.

Im Museum wird nach Auskunft des Hauses der Bayerischen Geschichte der pensionierte Industriekaufmann als ein Beispiel für viele mit folgenden Worten vorgestellt: Wolfgang Nowak engagiert sich als einer der ersten gegen die geplante WAA in Wackersdorf. Seit 1981 ist er aktives Mitglied der Bürgerinitiative Schwandorf. Als überzeugter Christ will er seine bayerische Heimat vor den potenziellen Gefahren durch die Anlage bewahren. Ein weiteres Hauptexponat auf der Bühne ist das "Brett vorm Hirn" von Rudolf Forster aus dem Jahr 1986.

Die Bühnenrückseite des WAA-Parts ist mit weiteren Objekten zum Thema bestückt. Dort finden sich auch Medienbeiträge unter anderem zum "WAAhnsinns-Festival", zum Hüttendorf, zu den Protesten, zu Landrat Hans Schuierer. Darüber hinaus gehend informiert das neue Museum über die Umweltbewegung und den Aufstieg der Grünen im Allgemeinen.

Bereits 1986 begann das Haus der Bayerischen Geschichte mit Zeitzeugen-Interviews zu den verschiedensten Themen mit dem Ziel, das aus schriftlichen Quellen erschließbare Geschichtsbild durch persönliche Erinnerungen zu ergänzen. Neben berühmten Persönlichkeiten wie Theo Waigel, Monika Baumgartner, Otfried Preußler oder Paul Breitner kommen unter anderem auch der Bodenwöhrer Eisenarbeiter Heinrich Seltl und der frühere Schwandorfer Stadtbibliothekar Alfred Wolfsteiner zu Wort. Über den Mediaguide des Museums können beim Rundgang die Gespräche mit Michael Well (Biermösl Blosn) und Altlandrat Hans Schuierer ausschnittsweise angehört werden.

Mit selbstgestalteten Fahnen und Bannern protestieren Kernkraftgegner bei vielen Demonstrationen bis zum Aus 1989 gegen die WAA und für den Erhalt ihrer Heimat.
Der Kohlberger Rudolf Forster rund 30 Jahre später. In der Hand hält er „sein Brett vorm Kopf“.
Das Bayerische Museum:

Im Juni freier Eintritt

Das Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte auf dem Regensburger Donaumarkt öffnet am Mittwoch, 5. Juni, seine Pforten für die Bevölkerung. Am 4. Juni findet ein Festakt zur offiziellen Eröffnung mit geladenen Gästen statt. Als zentrale Elemente bietet das Museum auf über 2500 Quadratmetern die Dauerausstellung „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn so besonders macht“. Eine 360-Grad-Multivision im Foyer, ein Laden mit bayerischen Produkten und ein bayerisches Wirtshaus, das Schmankerl aus allen Regionen Bayerns serviert, vervollständigen den Museumskomplex.

Öffnungszeiten

Täglich außer Montag von 9 bis 18 Uhr. Fällt ein Feiertag, zum Beispiel Pfingstmontag, auf einen Montag ist das Museum geöffnet. Feste Schließtage: 24., 25. und 31. Dezember, 1. Januar, Karfreitag.

Eintrittspreise

Bis 30. Juni ist der Eintritt frei. Ab 1. Juli zahlen Erwachsene für die Dauerausstellung 5 Euro, ermäßigt Senioren, Gruppen ab 15 Personen) 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler im Klassenverband sowie Studierende bis 30 Jahre ist der Eintritt frei.

Vom 27. September 2019 bis 8. März 2020 ist im Museum auch die Bayerische Landesausstellung „Hundert Schätze aus tausend Jahren“ zu sehen. In dieser Zeit ist für beide Präsentationen ausschließlich ein Kombiticket erhältlich. Für die einmalige Besichtigung der Dauerausstellung ist die Eintrittskarte bis zum 31. Dezember 2020 gültig. Das Kombiticket kostet für Erwachsene 10, ermäßigt 8 Euro. Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre und Studierende bis 30 Jahre haben wiederum freien Eintritt. Wegen der Eröffnung der Landesausstellung ist das Museum am 26. September geschlossen.

Vorgeschichte

Quer durch die bayerische Geschichte geht es in einem 25minütigen 360-Grad-Panorama mit Schauspieler und BR-Moderator Christoph Süß im Foyer des Museums. Hier wird im Zeitraffer an fünf Regensburger Monumenten gezeigt, was vorher geschah, also von den Römern bis der französische Kaiser Napoleon den bayerischen Kurfürsten Max 1806 in den Königsstand erhob. Dieser Teil der bayerischen Geschichte ist kostenlos zugänglich.

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