01.02.2021 - 10:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mit Wasserstoff in klimaneutrale Zukunft

Für die Grünen ist Wasserstoff ein möglicher Hoffnungsträger für die Zukunft. Allerdings ist die Technologie nicht ganz ohne Makel, wie bei einer Videokonferenz der Partei deutlich wird.

„Der Einsatz von Wasserstoff muss Hand in Hand mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gehen“, betonte Grünen-Bezirksvorsitzende Tina Winklmann bei einer Videokonferenz der Partei.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

„Der Einsatz von Wasserstoff muss Hand in Hand mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gehen“, sagt Tina Winklmann. Die Grünen-Bezirksvorsitzende und Bundestagskandidatin war sich bei einer Videokonferenz bewusst: „Bei dieser Technik bestehen noch viele Unklarheiten“.

Zur gemeinsamen Online-Veranstaltung hatten die Kreisverbände Schwandorf und Cham den Grünen-Sprecher für „digitale Wirtschaft und Industriepolitik“, Dieter Janecek (München), eingeladen, der seit sieben Jahren dem Bundestag angehört. In seinem Impulsvortrag „Wasserstoff – Hoffnungsträger für eine klimaneutrale Zukunft“ machte der Referent deutlich, dass für seine Partei nur „grüner Wasserstoff“ in Frage komme, hergestellt aus einem „Elektrolyseverfahren mit rein erneuerbarem Strom“. Dieter Janecek ist sich allerdings im Klaren: „Die Wasserstofftechnologie ist nicht ganz ohne Makel“. Es entstünden Verluste beim Transport und bei der Lagerung, bei der Elektrolyse und bei der Rückverstromung“.

Für den Grünen-Politiker überwiegen aber die Chancen. Er sieht im Wasserstoff einen Hoffnungsträger für die „Dekarbonisierung“, also die Vermeidung von Kohlendioxid, in der Stahl- und Chemieindustrie sowie beim Transport auf der Straße, in der Luft und zu Wasser. Dieter Janecek spürt ein Umdenken in der Transportbranche.

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Kritik äußert er dagegen an der Wasserstoffstrategie der politischen Entscheidungsträger, die die Antwort auf die Frage schuldig blieben, wie sie die notwendigen Kapazitäten beschaffen wollen. „Von den angestrebten 100 Terawattstunden Wasserstoffkapazität bis 2030 weiß die Bundesregierung zu 80 Prozent nicht, wo diese herkommen sollen“, behauptet der Münchner Bundestagsabgeordnete. Diese Menge reiche zudem bei weitem nicht aus, um die von der Bundesregierung gesteckten Ziele der Dekarbonisierung zu erreichen.

Zwiespältig verhalte sich in den Augen des Grünen-Politikers auch die bayerische Staatsregierung, die auf der einen Seite bei der Wasserstofftechnologie Vorreiter sein wolle, gleichzeitig aber die erneuerbaren Energien ausbremse. Dieter Janecek fordert deshalb einen „deutlich ambitionierteren Ausbau der erneuerbaren Energien in ganz Deutschland“. Statt Anlagen abzuschalten, sollte man überschüssigen Strom für die Produktion von Wasserstoff nutzen.

Chris Sudergat, Mitglied eines Münchner Grünen-Ortsverbandes, erinnerte daran, dass mit Wasserstoff betriebene Lokomotiven für die bayerischen Lokalbahnen bereits im Gespräch waren. Letztlich habe man sich dann doch wieder für Diesel entschieden. Armin Duschner vom Grünen-Ortsverband Wackersdorf stellte die Frage in den Raum, ob denn nicht ein zweites Ozonloch entstehe, „wenn Wasserstoff bei der Speicherung entweicht“. Stefan Weiherer (Wackersdorf) machte auf ein Projekt der Universität Nürnberg-Erlangen aufmerksam, das die Speicherung von Wasserstoff in Ölen erforsche. Damit ließe sich eine bereits vorhandene Kraftstoffinfrastruktur nutzen.

 

 

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