08.08.2018 - 17:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Weiter Weg zum Rekordsommer

"Eigentlich könnten wir zusperren", sagt Rüdiger Frey und lacht. Das Freibad in Schwandorf hat schon jetzt die Besucherzahl mancher Jahre erreicht. Dabei ist die Badesaison lange nicht vorbei: Die Urlaubsvorfreude muss bei Frey noch warten.

Großer Andrang in den Becken: Wie hier in Perschen suchten in den vergangenen Wochen zahlreiche Wasserratten Abkühlung in den Freibädern.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Sahara-Hitze in Deutschland: Beeindruckend daran ist nicht nur die Kraft sondern auch die Ausdauer, mit der sich der Sommer hält. Während zum Beispiel die Landwirtschaft unter der Hitze und der Trockenheit leidet, freuen sich die Wasserratten und lassen die Kassen an den örtlichen Freibädern klingen.

Die Arbeiter in den Freibädern im Landkreis sind schon Stunden, bevor sie ihre Pforten für Besucher öffnen, auf den Socken. In Schwandorf zum Beispiel: Während das Bad in der Großen Kreisstadt um 9 Uhr aufmacht, ist die Freibad-Mannschaft bereits zwei Stunden eher auf dem Gelände.

Unter anderem müssen Gehwege und Becken gereinigt, Unrat beseitigt und Papierkörbe geleert werden. Dazu kommt: Im Kinderbecken wird jeden Tag das Wasser komplett ausgelassen und neu eingelassen. Auch müssen die Freibad-Mitarbeiter zum Beispiel den Zaun auf Schäden kontrollieren sowie die Spielgeräte und den Sprungturm einer Sichtprüfung unterziehen. Was genau gemacht werden muss, ist in einer Liste exakt geregelt. "Wir stehen mit unserer Unterschrift dafür gerade", schildert Bäderleiter Rüdiger Frey.

Wenn die letzten Besucher nach Hause gegangen sind, ist für das Freibad-Team aber noch lange nicht Feierabend: Filter müssen unter anderem gespült werden, die Werte in den Becken und die Grünflächen zusätzlich bewässert werden "Sonst hätten wir nur noch Sand", schildert Frey. Generell stellt er fest, dass viele Leute angesichts der langen Hitzephase bereits etwas "bademüde" sind. "Manche kriegen einen Badekoller", beschreibt er das Phänomen.

Über 160 000 Wasserratten suchten in diesem Jahr bislang Abkühlung in den Freibadbecken der Großen Kreisstadt. Nach jeweils rund 40 000 Gästen im Mai und Juni machte sich der warme Sommer vor allem im Juli mit etwa 71 000 Besuchern bemerkbar. Das ist ein durchaus sehr guter Wert, aber vom besten Monat der vergangenen 15 Jahre weit entfernt: Im August 2003 zählte das Freibad in Schwandorf über 91 000 Badegäste. Insofern wird die Badesaion 2018 voraussichtlich keine neuen Besucherrekorde aufstellen: Vor 15 Jahren waren es am Ende über 280 000.

Wieder mehr junge Gäste

Etwas vorsichtig mit den Sommer-Superlativen ist man im Freibad in Perschen bei Nabburg: "Für mich ist das ein ganz normaler Sommer", sagt Bademeister Volker Liebl. Das einzig etwas Ungewöhnliche sei die lange Hitzeperiode.

Dennoch ist er mit der bisherigen Saison zufrieden. Vor allem sei die Zahl der Dauergäste sowie Früh- und Abendschwimmer deutlich mehr geworden. Gleiches gelte auch für Kinder und Jugendliche: Nachdem Liebl in den Vorjahren bemerkt hat, dass die jüngere Generation zunehmend dem Freibad fernblieb, ist ihm in diesem Jahr aufgefallen, dass wieder wesentlich mehr junge Gäste im Freibad sind.

Insgesamt kamen bislang 100 000 Besucher nach Perschen. Nach einem eher schleppenden Beginn startete der Sommer gegen Ende Mai richtig durch und bescherte dem Bad stattliche Besucherzahlen, die zum Teil bei fast 3000 Gästen am Tag lagen. Dennoch: Auch in Perschen wird wohl der 2003er-Rekord mit 180 000 Besuchern nicht geknackt werden.

Ein Blick nach Oberviechtach: "Einen Rekord brechen wir bislang noch nicht", berichtet Bademeister Reinhard Klein. Ob das noch klappt, hänge von den nächsten drei Wochen ab. Mit dem Andrang im Freibad sei es erst in den letzten Tagen so richtig losgegangen. "Bei Temperaturen von 23 bis 25 Grad kommen nicht die Massen, jetzt schon", weiß Klein. Außerdem war zum Start der Badesaison das neue Kinder-Planschbecken noch nicht fertig. "Das hat uns einige Besucher gekostet", schätzt der Bademeister. Über 16 000 Besucher kamen bisher ins Freibad.

Zufrieden mit Badesaison

Besucherandrang auch in Neunburg vorm Wald: 15 200 Gäste hat der Juli ins Erlebnisbad gespült, 6000 mehr als im Juli des Vorjahres. "Ein guter Monat, aber im 15-Jahres-Vergleich nicht der beste", weiß Wilhelm Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Freizeit GmbH: Die Juli-Monate in 2006 mit 26 000 Besuchern und in 2010 mit 20 000 Gästen waren deutlich besser. Im sogenannten "Jahrhundertsommer 2003" waren es im Juli sogar "nur" 12 300 Erholungssuchende.

Insgesamt ist man bei der Freizeit GmbH "mit der bisherigen Saison sehr zufrieden", sagt Geschäftsführer Meier. Knapp 30 000 Badbesucher wurden seit Mai registriert, rund 3000 mehr als im Vergleichszeitraum 2017.

Manche kriegen einen Badekoller.

Rüdiger Frey

Hintergrund:

Besucherzahlen im Schwandorfer Bad

2000: 190 535

2001: 216 268

2002: 204 189

2003: 280 046

2004: 200 740

2005: 181 043

2006: 189 405

2007: 154 837

2008: 175 670

2009: 191 912

2010: 179 834

2011: 161 311

2012: 157 750

2013: 154 445

2014: 148 075

2015: 227 303

2016: 197 508

2017: 218 464

Schon lange, bevor das Schwandorfer Freibad aufmacht, sind Leiter Rüdiger Frey (stehend, Mitte) und seine Mannschaft im Einsatz.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.