14.08.2019 - 17:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Von wegen "guter Onkel"

Ein heute 61-Jähriger vergeht sich an seiner kleinen Nichte. Das Schwandorfer Schöffengericht verurteilt den einschlägig vorbestraften Rentner wegen sexuellen Missbrauchs zu Haft auf Bewährung.

Das Schwandorfer Schöffengericht hat einen einschlägig vorbestraften Rentner wegen sexuellen Missbrauchs zu Haft auf Bewährung verurteilt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es ist über zehn Jahre her, das Mädchen 5 oder 6 Jahre alt. Ihre Eltern sind geschieden, an jedem zweiten Wochenende geht's zu Papa und Oma. Dort taucht auch der Onkel auf. Er hat einen kleinen Hund, spendiert Süßigkeiten, nimmt das Mädchen mit zum Spielplatz. Und in den Wald. Mindestens zwei Mal, so die Anklage von Staatsanwältin Manuela Zeller, zieht der Mann dort das Kind aus, küsst oder leckt das Geschlechtsteil des Mädchens. Das Kind schweigt. Auch als die Mutter nachfragt. Denn: Der Onkel wurde 2010 wegen Missbrauchs verurteilt. Er hatte sich in einem Freizeitbad an einem behinderten Mädchen vergangen und musste ins Gefängnis. Jahre später wird das Mädchen erneut Opfer eines Missbrauchs. Ein Mann bringt sie dazu, übers Internet Filme sexuellen Inhalts von sich zu senden. Vor der polizeilichen Vernehmung offenbart sich das Mädchen ihrer Mutter: "Der Onkel hat auch so was mit mir gemacht." Anzeige. Anklage. Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger muss im Prozess am Mittwoch nicht lange nachfragen. Der Rentner lässt Verteidiger Josef Niedermeier ein Geständnis vortragen. Bei komplexeren Fragen stockt der 61-Jährige, kann intellektuell nicht folgen. "Kognitiven Defizite" attestiert ihm Gutachter Thomas Lippert. Schwachsinn in juristischem Sinne liege nicht vor. Pädophile Neigungen sehr wohl.

Mädchen und Mutter treten mit Anwältin Claudia Schenk als Nebenkläger auf. Trotz Geständnis will das Mädchen aussagen. Grund: Es seien mehr als die zwei Fälle gewesen. Das Gericht hätte auf die Aussage verzichtet. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen. Letztlich lassen sich nicht mehr als zwei Fälle beweisen, die der Rentner gesteht. "Jeder im Saal weiß, dass es mehr waren," sagt Anwältin Schenk.

Schon 1998 war der Rentner wegen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. 2009 dann die Tat im Freizeitbad. Zwei Jahre und neun Monate Haft sitzt der Mann bis Mitte 2012 ab, wird unter Aufsicht gestellt. Bis auf einen Weisungsverstoß hält sich der Mann straffrei, die Bewährungshelferin nennt ihn "zuverlässig". Auch was seine Therapie anbetrifft. Ein Motiv bleibt unklar. Im Gerichtssaal sagt er dem Mädchen Schadenersatz zu, 3000 Euro. Vorerst.

"So lange die Fälle her sind, so schwerwiegend sind sie," sagt Staatsanwältin Zeller. Sie plädiert auf zwei Jahre Haft, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung. Dem schließt sich der Verteidiger an. Seit der Haft halte sich der Mann an die Regeln. Das Schöffengericht folgt den Forderungen, Ebensperger stellt klar: Das Mädchen war als Zeugin glaubwürdig. Mehr als zwei Taten ließen sich aber nicht beweisen.

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