30.09.2019 - 11:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Auf dem Wollthron durch ganz Deutschland

Krönchen, Zepter, Einladungen von hohen Politikern Bayerns. Zwei Jahre repräsentierte Simone Ostermeier aus Schwand bayerische Schäfer als Wollkönigin. Nach ihrer Amtszeit blickt sie auf aufregende Begegnungen zurück – und auf Kritik.

Simone Ostermeier liebt Schafe, Lämmer und ihre Heimat, die Oberpfalz. Zwei Jahre vertrat sie diese als Bayerische Wollkönigin.
von Julia Hammer Kontakt Profil

ONETZ: Mit 19 Jahren wurden Sie gekrönt. Wolle – ein ungewöhnliches Hobby für eine junge Frau …

Simone Ostermeier: … Das stimmt. Ich bin durch den Betrieb meiner Eltern damit aufgewachsen. Wir hatten 100 Mutterschafe, 100 Lämmer. Ich habe in der Lämmerbox Laufen gelernt. Sie waren immer Teil meines Lebens – bis vor ein paar Jahren mein Vater starb. Da meine Mutter berufstätig ist und ich vor hatte zu studieren, konnten wir den Betrieb nicht erhalten. Das war schwer. Lange habe ich morgens auf die Uhr geschaut um zu sehen, ob ich schon in den Stall. Dann ist mir eingefallen, dass sie ja nicht mehr hier sind …

ONETZ: Die Wahl zur Bayerischen Wollkönigin – eine öffentliche Veranstaltung mit Show-Act?

Simone Ostermeier: Nein, das war alles andere als eine Misswahl. Ein befreundeter Schäfer hat mich beim Verband der Bayerischen Wollerzeuger-Gemeinschaft vorgeschlagen. Ich hatte ein Gespräch mit dem Vorsitzenden, und der hat entschieden, dass ich geeignet bin. Ganz ohne glamouröse Wahl. Nur die Krönung war öffentlich – während einer Schafschau.

ONETZ: Welche Aufgaben übernahmen Sie mit dem Titel „Wollkönigin“?

Simone Ostermeier: Ich habe nicht nur Wolle, sondern auch Schäfer und die Produkte der Schafe repräsentiert. Ich wollte den Beruf attraktiver machen. In der Schäferei gibt es einen enormen Nachwuchsmangel. Die Arbeit ist zeitintensiv. Schäfer stehen den ganzen Tag auf der Weide. Es kostet viel Geld – vor allem mit der Gefahr durch den Wolf: Höhere Zäune, ausgebildete Hunde, bürokratische Richtlinien. Dabei ist die Schäferei so wichtig – auch für die Landschaftspflege. Viele Gelände sind schwer zugänglich, für einen normalen Landwirt nicht zu bewirtschaften. Dafür braucht man Schafe, die das Gebiet abgrasen.

ONETZ: Wie groß ist die Gefahr durch den Wolf für die Schäferei durch ihn wirklich?

Simone Ostermeier: Schafe sind sensible, einfühlsame Tiere – alles andere als dumm. Greift sie ein Wolf an, ist das ein ernsthaftes Problem. Damit meine ich nicht ein paar gerissene Schafe, sondern die langfristigen Auswirkungen. Die Tiere sind sehr verstört, es ist extrem schwer, mit ihnen zu arbeiten, da sie nervös auf jede kleinste Veränderung reagieren. Einige Mutterschafe werden nicht mehr trächtig.

ONETZ: Auch Sie waren immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Aus welchem Grund?

Simone Ostermeier: Es gibt viele Kritiker, wenn es um die Landwirtschaft geht. Vor allem, was Subventionen betrifft. Sie kritisieren, dass Landwirte staatliche Förderungen bekommen, da sie ja ,eh schon so einen großen Bulldog fahren‘ und es an Geld nicht mangle. Ich habe immer versucht, sachlich zu argumentieren, wie wichtig Landwirtschaft ist, dass auch Kritiker davon profitieren. Schließlich essen sie die Produkte auch. Viele sehen nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt. Sie haben 38-Stunden-Jobs, 30 Tage Urlaub. All das haben Landwirte nicht. Auch mit Umweltschützern hatte ich Diskussionen, unter anderem bei einer Demo während der Grünen Woche in Berlin.

ONETZ: Wie sind Sie damit umgegangen?

Simone Ostermeier: Innerlich sind mir oft die Haare zu Berge gestanden. Ich diskutiere gerne mit Menschen, versuche, ihre Sicht auf Dinge zu verstehen, sie mit Argumenten zu überzeugen. Manche sind aber resistent gegen alles. In solchen Fällen habe ich versucht, diplomatisch zu sein. Ich habe schließlich ein Amt repräsentiert. Hätte ich was Falsches gesagt, wäre das vielleicht auf viele Menschen zurückgefallen.

ONETZ: Zwei Jahre reisten Sie durch Deutschland, trafen unter anderem Horst Seehofer …

Simone Ostermeier: Ich war vor Treffen mit Horst Seehofer oder Markus Söder wahnsinnig nervös, habe mich aber sehr darauf gefreut. Jede Einladung eines Politikers war ein Highlight. Besonders schön war der Neujahrsempfang in der Münchener Residenz. Politiker dankten Ehrenamtlichen. Ich habe dort viele bewundernswerte Menschen kennengelernt. Besonders war für mich auch die Grüne Woche in Berlin, bei der ich offiziell als Bayerische Wollkönigin vor Ort war.

ONETZ: Wie haben Sie es geschafft, Studium, Ehrenamt und Privatleben zu meistern?

Simone Ostermeier: Alles eine Frage des Zeitmanagements. Ich war nicht jede Woche vollgestopft mit Terminen. Aber vor allem im Sommer und im Januar standen viele offizielle Veranstaltungen an. Genau in der Zeit, in der auch die Prüfungszeiträume an der Uni lagen. Das Studium ging immer vor – aber ich habe es gut hinbekommen. Wenn es einmal gar nicht ging, habe ich eine Veranstaltung abgesagt.

ONETZ: Zwei Jahre Wollkönigin. War es schwer, das Zepter abzugeben?

Simone Ostermeier: Das war nicht leicht. Ich habe viel Zeit und Energie in das Amt gesteckt, mich bemüht, alles perfekt zu machen, wenn ich bei Veranstaltungen war und die Schäferei repräsentiert habe. Es war schwer, loszulassen. Ich habe mich schnell an die Aufgabe gewöhnt – und die interessanten Menschen. Aber jetzt kommt wieder ein neuer Wind, das ist auch gut.

ONETZ: Wie geht es für Sie weiter – ohne Krone und Königinnentitel?

Simone Ostermeier: Mein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg nähert sich dem Ende, darauf konzentriere ich mich. Einen eigenen Schafbetrieb, ich denke nicht. Vielleicht ein paar Tiere … so um die zehn. Wobei – so hat meine Mutter damals auch angefangen. Und am Ende waren es über 100 Schafe. Man weiß also nie, was passieren wird.

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