01.09.2020 - 15:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zerstörte Wahlplakate: Eine Woche Arbeit als Denkzettel

Mehr als hundert Wahlplakate waren im Februar und März in Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf) zerstört worden. Ein Fall landet jetzt vor Gericht. Der Prozess endet ohne Urteil.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die CSU hatte eine Belohnung ausgesetzt, Parteimitglieder patrouillierten regelrecht durch die Schwarzenfelder Nächte. Im Vorfeld der Kommunalwahlen waren in der Marktgemeinde deutlich über 100 Plakate verschiedener Parteien, aber vornehmlich der "Schwarzen" zerstört worden. Selbst als drei Verdächtige dingfest gemacht waren, ging der Vandalismus weiter. "Es ist zermürbend für die, die sich politisch engagieren und ein Mandat erreichen wollen," sagte Bürgermeister Peter Neumeier (ÜPW) am Dienstag als Zeuge vor Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer.

Vor der Jugendrichterin saß eine 19-jährige Frau. Sie hatte am 15. Februar Plakate am Irrenloher Damm zerstört. Genau zwei. Deshalb war sie angeklagt. Schaden: "Sollen es 20 Euro sein", sagte Neumeier, "wenn die Arbeit der Ehrenamtlichen wie so oft nichts zählt." Die junge Frau gab die Sachbeschädigung zu. Sie hatte sich an jenem Abend mit ihrem Freund heftig gestritten, wollte sich an der frischen Luft etwas beruhigen. Offenbar kamen ihr die beiden Plakate gerade recht, um ihr Mütchen zu kühlen. Die Kandidaten auf den Plakaten? "Habe ich nicht drauf geachtet. Das hätten genauso gut Werbeplakate sein können", sagte die Angeklagte. Das fällt dann wohl sprichwörtlich unter den Begriff "blinde Wut".

Zerstörte Plakate: CSU setzt Belohnung aus

Schwarzenfeld

"Kaufen Sie sich einen Boxsack für zu Hause", riet Froschauer der jungen Frau. "Ich kenne mich selber so gar nicht", meinte die 19-Jährige, hörbar geknickt. Ihre Entschuldigung nahm Neumeier an, setzte aber hinzu: "Denken Sie mal drüber nach, was das mit den Menschen macht, die da ehrenamtlich arbeiten." Neumeier hatte in jener Nacht die Polizei alarmiert, weil er beschädigte Plakate seines Kontrahenten Wolfgang Prebeck (CSU) entdeckt hatte.

Die junge Frau hatte über ihre Anwältin angeboten, als Wiedergutmachung den Parteien beim Plakatieren oder sonstigen Arbeiten zu helfen. Nachdem es noch einige Monate sind, bis der nächste Wahlkampf ansteht, fand Froschauer eine andere Lösung. Sie regte an, das Verfahren einzustellen. 40 Stunden gemeinnützige Arbeit als Auflage sollten es aber schon sein - abzuleisten in den Ferien, wenn es nötig ist. Die junge Frau will ab dem neuen Schuljahr an der FOS/BOS ihr Abitur ablegen.

Staatsanwältin Sabrina Fischer und die Angeklagte mit ihrer Verteidigerin Barbara Klawonn stimmten der Einstellung zu. Wo die Stunden zu leisten sind, schlug Froschauer auch gleich vor: "Beim Bauhof in Schwarzenfeld gibt es auch Arbeit für Frauen." Der Chef für die 19-Jährige ist dann Bürgermeister Peter Neumeier.

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