08.11.2019 - 15:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Jetzt zieht der Sohn die Fäden im Schwandorfer Marionettentheater

Das Schwandorfer Marionettentheater beginnt seine Saison am 8. November mit "Aufregung im Zirkus Balbini". Michael Pöllmann als neuer Verantwortlicher will das Lebenswerk seiner Eltern ausbauen. Dazu braucht er eine Spielstätte.

Schauspieler Michael Pöllmann weiß, welche Fäden er bewegen muss, damit die Marionetten gehen, nicken oder die Hände falten. Er ist mit den Puppen aufgewachsen und wird weiterführen, was seine Eltern aufgebaut haben.
von Irma Held Kontakt Profil

"Die Qualität unserer Spieler ist wahnsinnig hoch", spricht der 37-Jährige gleich ein Lob aus. Seine Aufgabe sieht er darin "das Potenzial und diese Qualität zu unterstützen und noch sichtbarer zu machen" - nicht, wie bisher unter der alleinigen Regie seiner Eltern Raimund und Christine Pöllmann von Anfang November bis Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Deshalb waren die Pöllmanns - es ist ein gleitender Übergang von den Eltern auf den Sohn - schon länger auf der Suche nach einer eigenen Spielstätte. Sie haben durchaus überlegt, einen Leerstand in der Innenstadt zu beleben, aber der Raum für die Puppenbühne muss etwa vier Meter hoch sein. Die Spielfläche ist zwar klein, aber die Spieler stehen auf einer Brücke und brauchen auch Luft nach oben.

Mit der ehemaligen Sparkasse neben dem Künstlerhaus ist die richtige Location, wie es neudeutsch heißt, gefunden. Michael Pöllmann schätzt die Nähe zur Kebbel-Villa, in der heuer im 31. Jahr der Vorhang aufgeht. "Ohne Heiner Riepl, dem ehemaligen Leiter des Hauses, wären wir nicht hier." Er habe das Schwandorfer Marionettentheater an diesen Ort geholt. Doch Schauspieler Michael Pöllmann, in Wien im Kinder- und Jugendtheaterbereich tätig, plant mehr Spielzeit. Wien will er vorerst nicht aufgeben. Das Marionettentheater ist für den Künstler zweites oder drittes Standbein.

Trotz seiner Professionalität schwingen bei ihm Emotionen mit. Er hängt an den Puppen. Das wird spürbar, wenn er über sie spricht oder den Hauptdarstellern im Zirkus Balbini, die hinter der Bühne im Künstlerhaus auf ihren Auftritt warten, liebevolle Blicke zuwirft. "Die Figuren leben nur, wenn sie auf der Bühne stehen." Als erwachsener Mann und Vater ertappt er sich immer wieder bei einem "Wow, die leben ja". Das Puppenlager mit den abhängenden Figuren stimmt ihn traurig, deshalb sollen sie nicht mehr nach sechs Wochen in den Dornröschenschlaf fallen.

Zurzeit plant seinen Worten nach ein Architekturbüro den Umbau der ehemaligen Sparkasse. Ein Zeitplan sei mit Kultur- und Bauamt abgesprochen, weshalb er hofft, 2021 in der eigenen Spielstätte beginnen zu können. "Mit einem eigenständigen Haus können wir auch auf die Bedürfnisse von Schulen und Kindergärten eingehen". Das bezieht sich auf das Datum genauso wie auf das Stück. Jetzt gibt es "Aufregung im Zirkus Balbini" und "Blaubart" und sonst nichts. Dabei kann das Marionettentheater auf eine große Stückauswahl zurückgreifen. Später soll es auch für Familienfeiern beispielsweise buchbar sein. Michael Pöllmann möchte ebenso Puppentheater für Kleinkinder bis zu vier Jahren anbieten. Das Haus soll durchaus anderweitig genutzt werden können. Zwickl-Vorstellungen fallen ihm spontan ein, Workshops oder Kabarett ebenso. Eines wird aber schwierig: "Die Spielfläche eines Marionettentheaters ist für Menschentheater nicht geeignet." Informationen und Spieltermine: www.sadmarionetten.de

Dieser Drache lebt in den kommenden Wochen im Zirkus Balbini auf. Danach versinkt er im Puppenlager im Dornröschenschlaf. Das will Michael Pöllmann ändern.
Mit schnellen Strichen auf einer alten Tapete skizziert Michael Pöllmann seine Vorstellungen von einem Theaterraum.

Ich hoffe, dass wir 2021 mit einer eigenen Spielstätte beginnen können.

Michael Pöllmann

Michael Pöllmann

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