23.03.2020 - 17:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwischen Angst und Alltag: Corona in französischen Partnerstädten

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Kommunalwahl und Corona – das sind die Themen, die zur Zeit die Nachrichten dominieren. Nicht nur in Bayern, auch in den französischen Partnerstädten Castillon-La-Bataille (Nabburg) und Libourne (Schwandorf).

Libourne bei schönstem Wetter. Die Schwandorfer Partnerstadt in Frankreich ist eigentlich sehr belebt. Doch seit einigen Tagen gilt hier die Ausgangssperre zur Eindämmung des Coronavirus.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

"Wir haben zum Glück seit Dienstag Ausgangssperre", schreibt Gabi Höper aus der Schwandorfer Partnerstadt Libourne der Schwandorfer Stadträtin und Libourne-Vereinsvorsitzenden, Sonja Dietl, per Whats-App. Zum Glück deswegen, weil es auch in Frankreich immer noch zahlreiche unvernünftige Personen gebe, die sich trotz des kursierenden Coronavirus nicht an die Empfehlung gehalten haben, möglichst das Haus nicht zu verlassen.

Jetzt ist es Gesetz. Erst einmal für zwei Wochen. Man darf zum Einkaufen gehen, ein bisschen spazieren gehen und wenig Sport ist auch gestattet. "Ich gehe nur raus, wenn ich muss", so Höper. Sie ist Mitglied im Stadtrat von Libourne und berichtet Dietl, dass die erste Sitzung nach der Wahl auf jeden Fall stattfinden wird, allerdings in einem großen Saal mit genügend Abstand und Desinfektionsmittel. Bürgermeister Philippe Buisson von der Divers Gauche (Diverse Linke) wurde mit deutlichen 56,60 Prozent wiedergewählt. Eine zweite Wahl findet zwei Wochen nach der ersten statt, am 29. März. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Frankreich keine Briefwahl. Die Kommunen stehen also vor einer großen Herausforderung.

Auch wenn Gabi Höper und ihre Familie ganz gut mit der Situation klar kommen, ist die Situation befremdlich. "Ich hab' manchmal arg Angst, aber das will ich nicht zeigen", gesteht sie. Die Polizei habe die Lage im Griff, meint Höper. Wenn jemand ohne guten Grund draußen unterwegs ist, würden die Ordnungshüter auch durchgreifen.

Praktikum abgebrochen

Amelie aus Schwandorf ist am Freitag durchaus aus gutem Grund unterwegs. Die Schwandorferin wollte eigentlich bis Mai ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung in Libourne machen. Dieses wurde aber von städtischer Seite frühzeitig abgebrochen. Über Bordeaux und Paris geht es mit dem Zug bis nach Straßburg. Weiter nicht. Das alleine dauert schon länger als einen Tag. In Straßburg holen ihre Eltern sie mitten in der Nacht ab. Eine Reise, die sonst zwölf Stunden gedauert hat, zieht sich in Zeiten der Coronakrise über zwei Tage.

Nur 18 Kilometer südöstlich von Libourne liegt Castillon-La-Bataille, die Partnerstadt von Nabburg. Auch hier eine ähnliche Lage. Die Ausgangssperre gilt seit längerem. Die Menschen dürfen nur mit Bescheinigung außer Haus. Birgit Krogner vom Förderverein der Städtepartnerschaft zwischen Nabburg und Castillon-la-Bataille hat Kontakt mit einer Winzer-Familie vor Ort. Auch sie haben sich in einem Telefonat über das Wahlergebnis und die Coronasituation in der Partnerstadt ausgetauscht. Mit großer Zustimmung (76,14 Prozent) wurde im ersten Durchgang Jacques Breillat im Amt bestätigt.

In Castillon steht die Weinernte an. Auf den Feldern wird aktuell mit großem Abstand gearbeitet, das sei immerhin noch möglich. Die Bekannten von Krogner gehören mit über 70 Jahren zu der Risikogruppe. "Sie erzählen, dass sie Angst haben, dass die ganzen Städter aufs Land flüchten", berichtet Krogner. Bei dem schönen Wetter seien die Auswärtigen ganz normal draußen unterwegs, obwohl man auch auf dem Land aufpassen muss.

Öffentliches Leben lahmgelegt

Auch in Castillon ist man sich einig, dass die zweite Wahlrunde stattfinden muss. Das öffentliche Leben ist bisweilen lahmgelegt. "Es gibt immer montags einen großen Markt, der ausgesetzt wird und auch das Frühlingsfest wird abgesagt", erzählt die Nabburgerin. Die nächste Gelegenheit für einen Partnerbesuch wäre eigentlich der Mittelaltermarkt in Nabburg gewesen. Doch wie bei allen Veranstaltungen, kann man sich nicht mehr sicher sein, ob sie tatsächlich stattfinden. Die Fahrt nach Castillon im August sei nicht abgesagt, so Kroger, "wir treiben sie aber auch nicht weiter voran." In nächster Zeit werden sie und die französische Winzerfamilie sicher öfter telefonieren, um gegenseitig füreinander da zu sein. Grenzübergreifend.

"Spielplatz gesperrt" steht auf einem Schild in Libourne, der französischen Partnerstadt von Schwandorf. Grund dafür ist die Ausgangssperre wegen des Coronavirus.
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