Schwandorf
13.07.2018 - 15:32 Uhr

Sieben spannende Jahre

Walter Leupold geht, wie er war: mit Humor und Temperament. Er verabschiedet sich am Freitag im Schwurgerichtssaal mit seinem letzten ("hoffe ich") Auftritt: "Das ist ein tolles Team, dieses Landgericht Weiden. Ich verneige mich. Es war mir eine Freude."

Unterschiedliche Charaktere, in der Sache einig: Walter Leupold (Mitte) freut sich über „Wunschkandidat“ Gerhard Heindl (Zweiter von rechts, mit Frau Doris) als Nachfolger als Präsident des Landgerichts Weiden. 	Bild: Schönberger gsb
Unterschiedliche Charaktere, in der Sache einig: Walter Leupold (Mitte) freut sich über „Wunschkandidat“ Gerhard Heindl (Zweiter von rechts, mit Frau Doris) als Nachfolger als Präsident des Landgerichts Weiden. Bild: Schönberger

Weiden.(ca) Der Nürnberger OLG-Präsident Dr. Thomas Dickert begrüßt die 140 Festgäste, weil es aufgrund einer Konkurrentenklage aktuell keinen Vizepräsidenten in Weiden gibt. "Ich bin ihnen dankbar, dass Sie die fränkische Zollkapelle verpflichtet haben. Oberpfälzische Kapellen sind für einen Unterfranken immer mit einem Risiko verbunden." Er würdigt Leupolds "positive, lebensbejahende Grundhaltung": "Ich kann mich an keinen Besuch erinnern, der nicht mit einigen kühlen Krügen Zoiglbier finalisiert worden ist." Für Nachfolger Gerhard Heindl hat Dickert eine gute Nachricht: "Ihren größten Wunsch - eine Videovernehmungsanlage - habe ich erfüllt."

Justizminister Winfried Bausback nennt Leupold einen "Mann der Tat". Wegbegleiter hätten sein Tempo und seinen Blick fürs Wesentliche geschildert. "Der Entschluss für ein Vorhaben ging in den meisten Fällen in die sofortige Umsetzung über." Inklusive kleinerer Unfälle im Treppenhaus. Oder die Dienstreise nach Amsterdam: Leupold habe alle 200 Exponate des weltgrößten Van-Gogh-Museums in einer guten Stunde gesehen. Ab 1978 war Leupold bei der Justiz, schon in jungen Jahren empfahl er sich für spätere Führungsaufgaben. Als Staatsanwalt - zuletzt Leitender Oberstaatsanwalt in Amberg - galt er als "mit allen Wassern gewaschen".

Leupold hinterlasse "deutliche Spuren", Nachfolger Gerhard Heindl trete ein "großes Erbe" an. Bausback hegte keinen Zweifel, dass der 62-jährige Waldsassener diese Aufgabe mit "eigener, persönlicher Note" erfüllen werde. Heindl sei Wunschkandidat Leupolds, der dies in der letzten Beurteilung wie folgt begründet habe: "Weil er's kann." Heindl habe dies in 32 Jahren bewiesen. Ihn zeichne "hohe fachliche Flexibilität und grandiose Auffassungsgabe" aus.

Zu Beginn der Laufbahn sei Heindl als Staatsanwalt in Hof schnell tragende Säule geworden und habe Anklagen in großen Verfahren "immer bewundernswert souverän" begleitet. 2005 ging es für ihn endgültig zurück in die Heimat, zuletzt als Amtsgerichtsdirektor Weiden. Seine Kollegen beschrieben ihn als integren Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein - und als "immer äußerst gut gekleidet" .

"Ich hoffe, Elvira, du hast verinnerlicht, was ich für ein toller Hecht bin", richtet der scheidene Präsident an seine Frau in der ersten Reihe. Seiner Tochter Nadja und Ehefrau Dr. Elvira Zilch habe er es zu verdanken, "ein glücklicher Mensch" zu sein. Als "Freunde, die seit Jahrzehnten bei mir sind", nennt er Hubert Windisch und Horst Heider. Zum Abschied ist Studienfreund Klaus Demmel gekommen, früher Landgerichtspräsident in Amberg. Prof. Dr. Josef Zilch (90) ist da, ehemals als Dirigent in der ganzen Welt unterwegs, inzwischen "angeheirateter Onkel".

Leupold dankt seinen Mitarbeitern, vielen namentlich, etwa dem Präsidialbüro mit Renate Fukerider und Manuel Birkmüller ("die linke und die rechte Hand des Teufels"). Seinen Beruf habe er stets als Erfüllung empfunden: "Ich war vom ersten Tag an gerne bei der bayerischen Justiz." Ein wenig schießt er noch in Richtung Karlsruhe und die "eigenwilligen" Entscheidungen des 1. Strafsenats unter Dr. Rolf Raum: Dort sei offensichtlich "Raum" für "bisher nicht bekannte Fabulistik".

Nachfolger Gerhard Heindl hält sich kurz. "Ich bin Oberpfälzer. Ich kann schon aus ethnologischen Gründen keine langen Reden halten." Er beleuchtet die Akzeptanz gerichtlicher Entscheidungen in der Öffentlichkeit, die stark von politischen Diskussionen abhinge. Manchmal würde die Durchsetzung von Rechten gefordert, die eigenen Pflichten dabei nicht erfüllt. Das Gesetz sehe aber keine Kreativität vor. "Der Rechtsfrieden ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft."





Amtseinführung Gerhard Heindl. gsb
Amtseinführung Gerhard Heindl.
Amtseinführung Gerhard Heindl gsb
Amtseinführung Gerhard Heindl
Amtseinführung Gerhard Heindl gsb
Amtseinführung Gerhard Heindl
Abschied Walter Leupold. gsb
Abschied Walter Leupold.
 
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